Ausgabe 
(30.1.1897) 5
 
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Gottes.") So sehen wir also in der Schöpfung überallein allmähliges stetiges Aufsteigen vom Unvollkommenenzum immer Vollkommiiern. Dabei verhalten sich dievollkommneren Wesen zu den unvollkommneren wie dasLicht des Tages zum Lichte der Dämmerung und desMorgenroths. Wie nämlich das Licht des Tages alleHelligkeit, die in der Dämmerung und dem Morgen-roth enthalten ist, auch enthält und noch eine neue, größerehinzufügt, so besitzt auch jede höhere Stufe der Schöpfungalle Vollkommenheit der untern und fügt eine neueVollkommenheit hinzu?")

Zum Schluß unserer Betrachtung des Weltalls inseinem Bestände können wir es darum mit etwas ver-ändertem Gedanken wohl jenem System von Sphärenvergleichen, von dem Cicero in seinem Traum des Scipioberichtet. Wenn wir uns um eine leuchtende Flamme,als um den gemeinsamen Mittelpunkt, eine Reihe vonKugeln gruppirt denken, so werden diese Kugeln, je weitersie von der centralen Flamme abstehen, ebensosehr anUmfang zunehme^, wie an Helligkeit abnehmen. Aehn-lich haben wir in dem Weltall ein gemeinsames Centrum,Gott, von dem Licht, Leben und Vollkommenheit bis indie äußersten Grenzen des Universums ausstrahlt. Jeweiter nun die Dinge von diesem Centrum entfernt sind,unsomehr wachsen sie an Zahl und Umfang, empfangenaber gleichzeitig umsoweniger Licht und Vollkommenheit.Doch wie zwar die näheren Kugeln mehr Helligkeit em-pfangen als die entfernteren, wie sie aber doch nicht allesLicht empfangen und wie so die ganze Kraft der centralenFlamme erst in allen beleuchteten Sphären zusammenganz zur Geltung kommt, so sind auch im Weltganzendie Geschöpfe, welche Gott in der Ähnlichkeit näherstehen, vollkommener als jene, welche Gott in der Ähn-lichkeit ferner stehen; und ist die ganze Gottähnlichkeitund damit die ganze Vollkommenheit der Schöpfung erstin der Welt als Ganzem zn finden. Darum heißt esauch mit tiefphilosophischem Sinn in der hl. Schrift, daßGott am Ende jedes Schöpfungstages sah, daß seinWerk gut war, am Ende des letzten SchöpsungstageSaber, daß dieses ganze Werk sehr gut war. Und wahr-lich! Das Weltall ist ein sehr gutes, ein vollendetesKunstwerk, eine wohlgestimmte Leier, an der keine Saitestärker angespannt sein dürfte, ohne die Harmonie derAccorde zu mindern.^) In diesem Kunstwerk der Kunst-werke ist die bunteste Mannigfaltigkeit der Theile ver-eint mit der größten Einheit des Ganzen, das Vermeiden

M sie rslillguitur, guoä omnss LN»sIi Ld inviosmspsois ältkerunt sscuuäum maiorsm st miuorsm psr-Fseticmem kormarum simplieium ex maiori vsl minoriaxpropinguitats Oeum, gui sst Lotus purus st iiiünitassrkoetioms.... Osus vsro, gni sst in summopsr-sotiouis, oum uullo Lila eonvsnit nou solum iu spseis,ssä tu Asnsrs uso iu alio prasäieLto univoos."tj. O. äs spir. orsuturis. c>. uu. s. 8.

*°) Es ist aber zu berücksichtigen, daß die höheren Wesendie Vollkommenheiten der niederen theils kormalitsr,theils sminsutsr enthalten. Vgl. 8. 1I>. 1. g. 4 L. 2;g. 13 a. 3 1. vk. Ll. Os Uaria ?kil. psrix.-sobol. Komas1693. Vsl. III tr. 1. g. 3 L. 1; Lillot I. o. p. 81 s.

Universum, suppositis istis rsbus, nonpotsst ssss msllus proptsr äsosntissimum oräinsm kiisrsbus sttridutum a Osa, in guo bonum umvsrsi oonsistit;guoi'um si unum cäiguoä essst mslius, vorrumxsroturproportio oräims: siout si un» oboräu plus äsbitointsnäsrstur, oorrumxsrstur citbaras msloäia. KosssttLmsn Osus Llius rss ksoers vsl alias aääsrs istis rsbusfaotis; st sssst aliuä Universum mslius." 8. 9?ü. 1. a.26 a. 6 3.

jedes plötzlichen Sprunges mit der Beständigkeit dereinzelnen Glieder, die abseitigste Thätigkeit mit dergrößten Ordnung. Und warum dies? Weil alles einAbbild der ewigen Ideen der göttlichen Weisheit ist.Omiüa, in saxisntia runäasti."

(Fortsetzung folgt.)

Recensionen und Notizen.Wustmann Gust..Allerhand Sprachdumm-heiten". Kleine deutsche Grammatik des Zweifel-haften, des Falschen und des Läßlichen. Leipzig ,Fr. W. Grunow, 1896. (II.) 12°. XII-st 410.2 M. 50 Pf. UZ.

k Wenn die Redensart vomdurchschlagenden Erfolg"je einmal am Platze ist, dann trifft sie gewiß bei diesemBuche zu. Ist doch der Titel des Werkes bereits zumgeflügelten Worte geworden. Wer möchte sich gerne nach-sagen lassen, daß erDummheiten" mache? Und dennochwird sich jeder Leser oder Schriftsteller, der Wustmann'sBuch einer aufmerksamen Durchsicht unterzieht, schuld-bewußt solcherDummheiten" anklagen. Wir geben ebenviel zu wenig in Wort und Schrift Obacht auf die Regelnunserer Muttersprache, sonst müßten wir uns auf Schrittund Tritt beiSprachdummheiten" ertappen und unsbestreben, die Sache besser zu machen. Den Nutzen solldas Buch haben, daß namentlich die Leute der Federüber der Hast des Ärbeitens die Sprachrichtigkeit nichtaußer Acht lassen. Wustmann's Buch ist auch angefeindetworden, aber mit Unrecht. Freilich verwirft es mancheRedewendung, die einfach im Laufe der Zeit der Sprach-gebrauch sanctionirt hat, der eben ziemlich eigenmächtigund unbekümmert um Grammatik seinen Weg gebt. ImGanzen aber wird man leider gestehen müssen, daß dieSorgsamkeit, rein und gut deutsch zu schreiben, seit den Tageneines Lessing, Schiller, Göthe , Rückert in steter Abnahmebegriffen ist und wir einer gänzlichen Nerlotterung unsererSprache entgegensehen. Man behauptet vielfach, der Unter-richt in den klassischen Sprachen verderbe den Stil; abersehr mit Unrecht denn fürs erste ist das Ergebnißklassischer Sprachstudien in der Gegenwart dermaßen er-bärmlich, daß es qewiß keinen Einfluß auf die Mutter-sprache ausüben könnte, und dann lehrt die Geschichte,daß unsere Klassiker, die ein mustergiltiges Deutsch ge-schrieben, gerade einer Zeit angehören, die mit Ernst undErfolg in griechischer und namentlich lateinischer Spracheschulte; und eben dieselben Meister unserer Sprache be-kannten oftmals, dieser Schulung ihre Kunst zu verdanken.Die Ursache ist vielmehr überhaupt der Geist der Ober-flächlichkeit und Geschmacksverrohung, der unsere Zeitauf allen Gebieten beherrscht, ein Geist, der zugleich seineFaulheit zu beschönigen sucht, indem er die Schuldsprachlicher Barbarei dem unbedeutenden, aber doch gernabgewälzten Betrieb der klassischen Sprachen aufzubürdensucht. Wustmann gehört in die Hand eines jedenGymnasiasten!!

Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebeim katholischen Deutschland . Verlag von Herder.Freiburgi. Br. Erscheint, 16 Seiten stark, je am1. des Monats. Abonnementspreis jährlich 3 M.

Inhalt von Nr. 1 des II. Jahrgangs: Von denKleinen Schwestern der Armen und ihren Greisen. Daspreußische Waisenrathsamt und die Bestrebungen zur Be-lebung der Amtsthätigkeit der Waisenräthe. PraktischeWinke über die Zwangserziehung verwahrloster Kinder.

Der St. Elisabethen-Verein in München. Die Be-strebungen der Nichtkatholiken auf dem Gebiete desMädchenschutzes. Vincenzverein und Wohnungsfrage.

Kleinere Mittheilungen rc. rc.

* (Das Cönaculum des hl. Abendmahles.)Zu der Bemerkung in dem Palästina-Artikel (Beilage 3),daß in dem Saale , wo der Heiland das Abendmahl feierte,seit so langen Jahren das hl. Meßopfer nicht mehr ge-feiert wurde, wird uns mitgetheilt, daß thatsächlich voreinigen Jahren, allerdings rm Geheimen, an jener ehr-würdigen Stätte, die leider nicht in christlichen Händenist, die hl. Geheimnisse gefeiert worden sind._

Verantw. Redacteur: Ad. HaaSin Augsburg. Druck ».Verlag des Lit. Instituts von Laas L Erabherr in Augsburg.