Ausgabe 
(13.2.1897) 8
 
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das erwachende Bayernthnm manifeststen könnte, leseman gefälligst wieder einmal die großen Auffassungeneines Goerrcs und Deutinger, die neulich erschieneneDnlcamara" des Paul Garin (Regensburg , Wnnderling)und nicht minder den mitteldeutschen Protestanten Richl(Land und Leute") nach!

Santiago de Cvmpostelaim Jubeljahr 1897.

(Fortsetzung.)

Als Papst Calixtus II. im Jahre 1120 die hohe Be-deutung, welche Compostela durch die Wallfahrten ge-wonnen hatte, wahrnahm, erhob er die dortige Kathedralezur Mctropolitaukirche als Erbin der Jurisdiction vonMörida. Derselbe Papst gewährte im Jahre 1122 dasJubiläum des heiligen Jahres, welches seineNachfolger Engen III., Anastasius IV. und Alexander III. bestätigten. Die Bulle des letzteren ist am 25. Juni 1179ausgefertigt. (Es folgt nun im Original der Wortlautder Bulle.)

Vom Jahre 1130 bis 1181 wurde für die Santiago-Pilger in Leon ein Kloster mit Hospiz zum hl. Markuserrichtet.')

So groß war der Ruf des Heiligthums des Apostels,daß selbst Könige es für eine hohe Ehre hielten, wenn ihreLeiber in dieser Kathedralkirche nach dem Erdenlebenruhen durften; und so gab z. B. der Bischof Peter Eliasvon Le6n das Geleite nach Santiago den irdischen Ueber-resten der Kaiserin °) Dona Berenguela, der Gemahlin desKönigs Alphons VII., die ihr Grab in der Religuien-Kapelle hat.

Da es der Wunsch des Erzbischofes Peter Raimundvon Santiago war, da); die gottesdienstlichcn Verricht-ungen in einer so berühmten Kirche mit möglichst großerFeierlichkeit stattfinden, so verordnete er, daß dem Ma-tutinum auf das Fest des hl. Apostels und auf den Tagder Uebertragung seiner Reliquien alle Aebte und Priorender Stadt und Diöcese beiwohnen sollten.

Im 13. Jahrhundert fand ein solcher Andrang vonPilgern aus allen Weltgegenden statt zumglorreichstenunter den Gräbern der Heiligen aller Völker der Erde" (um mit dem hl. Bouaveiitura zu reden), daß die vierzehnThore der Kathedrale Tag und Nacht von der Mengeder aus- und einströmenden Pilger dicht versperrt waren.Aus dieser Zeit stammt ohne Zweifel der gegen Ende des

'') Leön in Alttastilien gehört zu den durch Geschichteund Kunst gleich merkwürdigen alten KönigsstädtenSpaniens. Das Interessanteste und Schönste von Leönist sein an Zierlichkeit und Leichtigkeit unübertroffenergothischer Dom (I-sön en KsntilsLg"). Die zweite Merk-würdigkeit dieser Stadt ist die alte Abteikirchc des hl. Jsidorvon Sevilla (1636), dessen Gebeine dort rächen und der nächstJimencs der gefeiertste Bischof Spaniens ist. In dergleichen Kirche sind die Grabstätten der Könige von Leonund Leün-Castilien. Der dritte Monumentalbau von Leonist das im vorliegenden Hirtenbrief genannte Pilgerhospiz Sän Marcos. Es liegt am Ufer der Veresga und fesseltden Blick durch eine wunderschöne Fa?ade, deren Haupt-schmuck in Stein gemeißelte, auf die Pilgerfahrt nachSantiago sich beziehende Muscheln sind. Neben Uclcswar Sän Marcos einer der Hauptsihe des berühmtenRitterordens von Santiago de Compostela, dessen ur-sprünglicher Zweck war, die Pilger, welche nach Com-postcla wallfahrteten, zu beherbergen und gegen die An-griffe der Sarazenen zu beschützen. Die Stürme der Re-volution vertrieben die Santiago- Ritter aus ihrem viel-hundertjährigeu Besitzthum Sän Marcos. Im Jahre1859, als wieder ruhigere Zeiten für die Kirche in Spanien anbrachen, durften Jesuiten das Gebäude beziehen, mußtenes aber später (1868) wieder verlassen. Jetzt werden dieRäume des prächtigen Baues theüweise als Provinzial-museum verwendet.

') Der durch seine glänzenden Siege über die Mauren zu großer Berühmtheit gelangte Alphons VII.. .König vonLeon und Kastilien, berief im Jahre 1135 die Großen seinesReiches nach Leon und ließ sich hier mit dem Königs-titel nicht mehr zufrieden zum Kaiser krönen.

Jahrhunderts nachweisbare Gebrauch des großen Rauch-fasses (Lotakuwsiro),") das den Zweck hatte, die durch soriesige Menschenansammlung verdorbene Luft des Tempelszu reinigen.

In den alten Cvnstitutioneu der Kirche findet mauBeschlüsse, welche der Erzbischof Johann Arias (1231 bis1266) und das Metropolitankapitel ini Anschluß an alt-ehrwürdiges Herkommen hinsichtlich der Ncliquicnverehruugin Santiago faßten. Diese Beschlüsse gebe«; einen werterenNachweis von der unermeßlichen Zahl der Pilger und vonder Aufrechterhaltung der Ordnung am Altar des heil.Apostels.Zu Fuß und mit dem Stab in der Hand riefdie Altarwache und ein Kleriker die frommen Wallfahrernach Nationen und in ihrer Muttersprache herbei. Daraufsammelten sich diese, um die Ablässe zu gewinnen, um dasPresbyterium, und wurden zum Zeichen mit dem Stäbe")leicht an der Schulter berührt. Alsdann sprach einPriester die Absolutionsformel, indem die Nationalgruppender Reihe nach vorgerufen wurden; dann betete er zumApostel gewendet:")Nimm wohl auf. heiliger Jakobus,den Donner, den Donner des Gebetes." Nach Schlußdes Morgenofficiums traten die Pilger an den Altar desApostels, wo sie ihre Opfergaben niederlegten; darauf be-zeigten sie der Kette, womit die Juden unsern hl. Patrongefesselt hatten, ihre Verehrung und gingen dann zu denübrigen Stationen.Wenn die Krone des Apostels,besagt ein Artikel jener Satzungen, sich auf dem Altar be-findet, dann treten die Deutschen vor, um ihre Gabenbei der Krone, dann bei der Kette und zuletzt beim Bau-Opferkasten zu entrichten." ... Am 21. April 1211 wurdeder herrliche Tempel vom Erzbischof Peter Muniz ein-geweiht.

Auf Geheiß des Königs Ferdinand III. des Heiligen ")von Kastilien und Leon brachten im Jahre 1236 maurischeKriegsgefangene auf ihren Schultern in die Basilika nachSantiago dieselben Glocken, welche 239 Jahre vorher ge-fangene Christen auf Befehl Almanzors nach Cördoba aufihren Schultern gebracht hatten.

Die hl. Elisabeth, Königin von Portugal , machte zwei-mal (1325 und 1335) die Wallfahrt nach Compostela undließ dort kostbare Geschenke zurück. Im Jahre 1340nahm Erzbischof Martin Ferdinand Gres an der Schlachtam Salado theil.") Seit jener Zeit brennen fortwährend

°) An Festen ersten Ranges ist das Lotstumeiro nochheutigen Tags in der Basilika des hl. Jakobus in Ge-brauch. Es wird mittels eines in der mächtigen Vierungs-kuppel zwischen dem Domherruchor und dem Presbyteriumangebrachten Mechanismus geschwungen. Zu anderenZeiten wirdder König der Rauchfässer" (sl rsv äs losiiwsiisarios) oderdas große, einzigartig in der Welt be-stehende Rauchfaß" (e! Kran inoonsario, nnico en laoristianiäact), wie unser Führer es mit Stolz nannte, imBibliotheksaal des Metropolitaukapitels aufbewahrt. Esgibt in der That kaum anderswo auf dem Erdkreis eingrößeres Rauchfaß: bei einer Höhe von 1 m 45 om undeurem Durchmesser von 60 am beträgt sein Gewicht 60 IiKr. Wenn uns dasgroße Rauchfaß" als überflüssige, un-würdige Spielerei erscheint, an der das kindliche Mittel-alter keinen Airstoß genommen, so sei daran erinnert, daßauch die Aesthetik moderner Frömmigkeit Geschmacks-verirrungen ausweist, die viel ärger sind, z. B. die Moustre-Monstranzen, die eine Spezialität eucharistischer Vereinesein sollen.

") Dies geschah von dem Altarwächter und vomKleriker.

") Die Worte des Gebetes spielen offenbar ausMarc. 3, 17 an; dort wird erzählt, daß Christus der Herrden beiden Söhnen des Zebedäus , Jakobus und Johannes,den Beinamen «->«»--(>7x5 ( Donnersöhne) gegeben hat.Die obige Anrufung lautet in der Mundart der Galizier(OalleKos):Ls tom a atrom, 8an Otama! s, atrom ckslabro!"

") Ferdinand der Heilige (12181252), ein vom span-ischen Volk hochverehrter Fürst, war der Erbe von Eör-doba und Sevilla ; seine Gebeine ruhen in silbernemSchreine im Dome zu Sevilla.

") Die große Schlacht führt ihren Namen nach demFlüßchen Salado in Südaudalusien. Die Siegesbeute derChristen war so groß. daß der Geldeswerth daraufhin umein Sechstel fiel. Drei Stunden im Umkreis soll die Erde