Ausgabe 
(13.2.1897) 8
 
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Tag und Nacht vier Kerzen am Hochaltar der Basilikavon Compostela, und zwar auf Grund einer Stiftung desKönigs Alphons XI., der den Sieg in jener Schlacht derFürbitte des hl. Apostels zuschrieb.

Nach dem Zeugnisse des Geschichtschreibers Gil Gon-Mez d'Avila waren im Jahre 1643 unter den Nationen,die nach Compostela pilgerten, vertreten: Spanier, Fran-zosen. Italiener , Deutsche, Engländer. Schotten, Jrländer,Polen, Russen, Slovenen, Ungarn , sowie auch asiatischeStämme.

In der Sitzung vom 3. Dez. 1666 verordnete das Metro-politankapitel, daß in derKapelle des Königs von Frank-reich " woselbst den Pilgern gewöhnlich die hl. Kommuniongereicht wird, stets zwei Fackeln brennen sollen, um dasAÜerheiligste zu begleiten, wenn es, wie bei großem Pilger-andrang, z. B. im Jubeljahre, nöthig ist. die hl. Kom-munion im Schiffe äs la Solsäaä oder gar aus dem PlatzeQuintana") zu spenden.

Imheiligen Jahre" 1766 ordnete das Kapitel dieAusstellung von Altären im Kreuzgange an, um denPriestern die Feier der hl. Messe und der hl. Kommunionreichlicher zu ermöglichen.

Im Jahre 1794 schrieb der Dombaumeister MichaelFerro, der Zudrang der Pilger sei so groß, daß an Fest-tagen kaum zwei Ärittheile der Andächtigen in der KirchePlatz hätten, die Einheimischen ganz abgerechnet.

In den letzten sechs Tagen des Dezembers vom Jahre1875 wurden in der Kommnmonkapelle der Kathedrale über30,000 Kommunionen ausgetheilt, meist nur an fremdePilger, und die hl. Kommunion wurde noch Abends um6 und 7 Uhr. ja noch später, enipfangen.

Wir können nicht umhin, einige gefeierte Namen vonSantiago -Pilgern anzuführen. An erster Stelle erwähnenwir den hl. Franz von AM, den hl. Dominikns, den hl.Vinzenz Ferreri. den hl. Thuribius von Mogrovejo, diehl. Elisabeth, Königin von Portugal , die hl. Brigitta.Auch der regierenden Fürsten verschiedener Länder wollenwir nicht vergessen: die meisten, um nicht zu sagen alle,Könige von Le6n und Castilien pilgerten nach Santiago,Ferdinand und Jsabella, Philipp der Schöne und Johannadie Wahnsinnige , Katharina von Arragonien, Kömgin vonEngland"), Karl V., Philipp II.. Philipp III. , Jsabella II..Alphons XII., sowie endlich auch Ihre Majestät DonaMaria Christina, die Königin-Regentin desReiches. Zum Besuche der Reliquien des hl. Apostelstarnen auch viele Fürsten aus Frankreich und England, aus Portugal und anderen Königreichen. Unmöglich istes uns, alle durch Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Tapfer-keit und hervorragende Stellung ausgezeichneten Personenaufzuzählen, die nach Compostela pilgerten; nur zweiHeldm dürfen wir nicht übergehen, den Cid Campeador im II. Jahrhundert und dengroßen Feldherrn" (OranvapitLu) Gonzalo Fernande; de Cördoba im 16. Jahr-hundert.

Schon aus dieser flüchtigen Umschau begreift es sichleicht, wie die stete Zunahme der Andacht zum hl. Apostelin allen Theilen der Christenheit unzählige Pilger zumBesuche seiner hl. Reliquien herbeilockte, und ivie dieseWallfahrten den römischen Päpsten Veranlassung gaben.

mit Leichen bedeckt gewesen sein. Als der damalige PapstBcnedikt XII. vom siegreichen König Alphons XI. dieEhrengaben mit dem von ihm dereinst geweihten Bannererhielt, stimmte er begeistert den bekannten Kircheuhymnus-Vexilla rsAis proäsunt" an, und Tarisende stimmten ein.Den König aber verglich er beim feierlichen Dankgottes-dienst mit David. Vgl. Weiß, a. a. O. VI, 537.

") Der an die Kathedrale anschließende Platz heißttzuintaua äs Nusitos, denn er war in früheren Zeitendie zur Basilika gehörende Begräbnißstätte. Jede Groß-stadt könnte auf diesen herrlichen Platz, den schönsten vonSantiago, stolz sein. In diesem Jahrhundert erhielt erauch den Beinament)uiiitaim äs lo,-- Uitsrsrio8" zumGedächtniß an das ausStudenten" der UniversitätSantiago gegen die napolconischen Heere gebildeteFreiwillchencorps.

Katharina (6e.ta1iua) von Arragonien, die lungsteTochter Jsabella's und des Königs Ferdinand, ist in derl ef-hichte nicht wc-niger ob ihrer Tugenden, als auch wegenihre traurigen Geschickes bekannt; sie war die Gemahlindes wohllüftigen Tyrannen Heinrich VIII. von England.

im Jubiläum des hl. Jahres ein ganz einzigartigesPrivilegium zu gewähren, das seinerseits wieder die Pilger-fahrten mächtig förderte und den Ruhm desJerusalemdes Abendlandes" von Tag zu Tag erhöhte.

Unseren Tagen war es vorbehalten, daß der glück-liche Fund der Reliquien des hl. Apostels und feinerbeiden Schüler Athanasius und Theodor der ruhmreichenGeschichte des Heiligthums und der Pilgerfahrten nachCompostela ein unvergängliches Wahrzeichen ausdrückteund neuerdings eine mächtige Anspornung bot, daßGläubige aus der ganzen katholischen Welt mit erneutemEifer zum Besuche des ruhmvollen Grabes und des kost-baren Schreines herbeieilen, der nunmehr die heiligenUeberreste des erhabenen Patrons von Spanien insich birgt.

Eine besondere Cardinalscougregation hat die Echt-heit der Reliquien erklärt, die un Centrum der Absisunserer Metropolitankirche nicht weit vom ursprünglichenAufbewahrungsorte gefunden wurden. Der Heilige VaterPapst Leo XIII . hat sich nicht damit begnügt, das Dekretdieser Cardinalscougregation zu bestätigen, sondern er hatam 1. November 1884 eigens eine BulleHeus omuixotsns"erlassen, in der wir nicht nur einen Akt der vom Statt-halter Christi geübten Vollgemalt verehren, sondern auchein historisches Denkmal von unschätzbarem Werthe be-sitzen, da diese Bulle Alles- was sich auf die Geschichtedes hl. Apostels und seiner Reliquien bezieht, zusammen-faßt, und somit die, welche unseren wahlberechtigten Ruhmgehässig verkleinern wollen, nothwendig zum Schweigenzwingt.

In dieser päpstlichen Bulle geschieht bereits der ältestenWallfahrten zum Grabe des hl. Apostels Erwähnung:Seit Wiederherstellung der Ruhe (nach den Christen-verfolgungen durch die römischen Kaiser) verbreitete sichdie Kunde von der Uebertragung des Leibes des heiliger»Jakobus uuter den Spaniern, welche von besonderer Ver-ehrung zu diesen! Apostel durchdrungen waren, undSchaaren Volkes fingen an, sein Grab zu besuchen miteinem Eifer und einer Frömmigkeit, fast ebenbürtig jener,von der jene erblühten, die in NoM das Grab der Apostelund die Ruhestätten der ersten hl. Blutzeugen besuchten..... Zahlreiche Wunder verherrlichten das Grab des hl.Jaköbus, so daß nicht bloß aus der Nachbarschaft, sondernauch aus den fernsten Gegenden das Volk herbeiströmte,um in der Nähe der hl. Reliquien zu beten. Deßhalbunternahm König Alphons III., dem Beispiele seines Vor-gängers (Alphons II.) folgend, den Ban einer größerenKirche, wobei er jedoch das alte Grab unberührt ließ,und stattete den bald glücklich vollendeten Tempel mitköniglicher Pracht aus.Gegen Ende des 10. Jahr-

hunderts fielen von neuen» die wilden Horden der Araberin Spanien ein und zerstörten viele Städte. Nach einemschrecklichen Blutbade unter den Bewohnern trugen sie dieVerwüstung nach allen Seiten mit Feuer und Schwert.Almanzor, der die Verehrung des Grabes des hl. Apostelswohl kannte, faßte deßhalb den wohlberechneten Plan,dasselbe zu zerstören, in der Meinung, damit das stärksteBollwerk Spaniens zu Lande zu überwinden, da Spanien all seine Hoffnung darauf gesetzt hätte. Er beauftragtedaher den Führer feiner Horden, geraden Wegs auf Com-postela loszugehen und die Stadt mit den» Tempel sowiealles auf den Cult des Apostels Bezügliche im Feuer zuvertilgen. Gott aber erstickte die verzehrenden Flammengerade an der Schwelle des Presbytcriums und suchteAlmanzor mit seinem Heere durch solche Plagen heim,daß er sich zum Rückzüge genöthigt sah und Alle, außerAlmanzor selbst, eines unerwarteten Todes starben.--) Dieim Umkreis des Heiligthums verstreute Asche blieb alleinübrig zur Erinnerung an die Wildheit des Feindes, aberauch als Zeichen himmlischen Schutzes. Nachdem Spanien von diesem Uebel befreit war, ließ Bischof Diego Pelaez von Compostela auf den Ruinen des alten Tempels einenanderen, noch größeren erstehen, dessen Glanz und Herr-lichkeit durch die ehrende Auszeichnung einerBasilika"noch erhöht wurde unter den» Nachfolger jenes Bischofs,Diego Gelmirez . Die Hanptsorge dieses Kirchenfürstenwar jedoch, die Echtheit der Reliquien gewissenhaft zuprüfen und das Grab durch Aufführung einer neuen

-°) Nach Weiß (a. a. O. V. 222) geschah die Er-oberung Santiago's und die Niederbrennnng des Tempelsdurch die Mauren im Jahre 994.