Ausgabe 
(13.2.1897) 8
 
Einzelbild herunterladen

61

Mauer unnahbar zu machen. . . Unterdessen hatte sich derRuf des spanischen Heiligthums allenthalben verbreitet,und so groß war der Zufluß der frommen Pilger, daßuian ihn mit Recht demjenigen zu den heiligen Orten inPalästina und den Gräbern der Apostel Petrus undPaulus vergleichen konnte. Deßhalb behielten die röm-ischen Bischöfe. Unsere Vorfahren, dem Heiligen Stuhledie Enthebung vom Gelübde der Wallfahrt nach Com-postela vor."")

(Schluß folgt.)

Stilln von Abenberg .

Von Adam Hirsch mann.

(Fortsetzung.)

Betrachtet man ohne Voreingenommenheit denStiftnngsbrief des Klosters Heilsbronn , so gewinnt mandie Ueberzeugung, daß der hl. Otto von Bambcrg allein,ohne Unterstützung seitens einer adeligen Familie, dieKosten der Klostergründung getragen hat. Dieser Auf-fassung huldigten auch die Mönche in Heilsbronn , dennin einem Visitationsprotokolle des Jahres 1311, worines sich um die Pflichtmessen für die Stifter von Ordens-niederlassungen handelt, wird ausdrücklich gesagt: Ori-ginalst antsm nostor tuväator beatus tüit Otto,Hui uo8tris von inckigst, soll noa snst orationidusinäigswus. Unser Hauptstifter ist der hl. Otto ge-wesen, der jedoch unserer Fürbitte nicht bedarf, sondernvielmehr wir haben die seinige nöthig.") (Hocker, Heilsbr.Antiq.-Schatz, supxl. I, 5.) Erst im 15. Jahrhundertgriff die Ansicht Platz, daß der Graf Rapoto von Aben-berg das Heilsbronner Cistercienserkloster gestiftet habe.Während im ältesten Kalendarium dieses Klosters zum22. Mai bloß der Vormerk sich findet: Obiit Rapotoeovaeo: Todestag des Grafen Rapoto, fügte eine spätereHand hinzu: äe Fbenborg, tnmlator nostsr: vonAbenberg , unseres Stifters, wie auch das Jahrtagsver-zeichniß vom Jahre 1483 die Worte enthält: 22. Mai:Jahresgedächtniß des Grafen Rapoto von Abenberg ,

> unseres Stifters. (33. Jahresbericht des Histor. Vereinsvon Mittelst'. 1865, 126; Seefried, Die Grafen vonAbenberg S. 13.)

Daher schreibt denn auch Muck (I. o. I, 10):Irrigerweise wurde in späterer Zeit Graf Rapoto vonAbenberg als Mitbegründer von Heilsbronn genannt.Rapoto stand damals der Klosterstiftung noch ferne, jafeindlich gegenüber, bis er, durch die Bischöfe von Würz-burg und Bamberg bewogen, dem neuen Kloster be-freundet und dessen Wohlthäter wurde. Der Umstand,daß der erste Abt von Heilsbronn den gleichen Namenwie der Graf von Abenberg getragen hat, berechtigt nochnicht zu dem Schlüsse, daß entweder beide identisch feienoder wenigstens im Verwandtschaftsverhältnisse zu ein-ander stehen. Hinsichtlich des ersten Punktes bemerktschon Hocker: Wäre Graf Rapoto ein Abt und zudemder erste von Heilsbronn gewesen, so wäre sicherlich beimEintrag des Namens in das Todtenregister dieser geist-lichen Würde nicht vergessen worden, da doch 16 Aebtevorgemerkt seien, denen Jahrtage zu halten waren.(Heilsbr. Antig.-Schatz S. 71; suppl. I, 6.) Secfriedlegt sich die Sache so zurecht, daß er der Stilln vonAbenberg zwei Brüder: Rapoto und Konrad, zuweist.

") Es geschah dies, wie Eingangs erwähnt, durchPapst Sirius II. im Jahre 1478.

") Otto von Bamberg , welcher am 30. Juni 1139 dasZeitliche segnete, wnrde schon durch Papst Klemens III. am 1. Mai 1189 heilig gesprochen. (6rets. X, 669.)

Aber daß ersterer dreimal die abteiliche Würde in Heils-bronn und einmal in Ebrach bekleidet habe, ist der Stilla-Legende völlig fremd. Daher schließen wir uns derMeinung Mucks an (I. o. I, 42), welcher sagt: Der ersteAbt Rapoto 1132 1157 wurde durch den Klosterstifteraus dem Mutterkloster Ebrach nach Heilsbronn berufen.Gleichzeitige Aufzeichnungen berichten nichts über seineHerkunft und seine sonstigen Lcbensvcrhältnisse. Wasman in späteren Zeiten hierüber geschrieben, ist Legende,Sage oder geradezu unwahr. In der Meinung, dasKloster gewinne durch adelige Aebte an Glanz, stempelteman gleich den ersten Abt zu einem Grafen von Aben-berg , ja man identifizirte ihn mit dem gleichnamigenGrafen Rapoto.

In der Heilsbronner Stiftungsnrknnde werden nebenden Grafen Adalbert und Chunrad auch drei Schwesterngenannt, deren Namen indessen nicht angegeben werden.Nach der Abenberger Ueberlieferung jedoch haben dieBrüder Rapoto und Konrad, die angeblichen Gründervon Heilsbronn , nur eine einzige Schwester besessen,welche den Namen Stilla getragen. Somit stehen sichauch hier Geschichte und Legende widerspruchsvoll gegen-über. Die drei ungenannten Schwestern bilden wohl diehistorische Grundlage für den Zug der Stilla-Sage, daßdrei gleichgefinnte adelige Jungfrauen das Ehrengeleitsder frommen Grafcntochter von Abenberg gebildethaben.

Uebrigens findet sich die Legende von drei Schwesternoder drei Jungfrauen, welche durch wohlthätige Stift-ungen sich den Dank der Nachwelt erworben haben» inder Diöcese Eichstätt an manchen Orten vor. So hängenin den Kirchen Preith (bei Eichstätt ), Wiirmersdorf undWachenzell die Bildnisse dreier Jungstauen, die ihrenWald den drei Gemeinden vermacht haben sollen. DreiFräulein, angeblich von Spielberg (Pfarrei Gnotzheim),vermachten der dortigen Gemeinde den Wald, Beischlaggeheißen. Die Gemeinde Lanterhofen will ihren Ge-meindewald von den Fräulein des Schlosses Oberlauter-'Höfen erhalten haben, die Gemeinde Wintershofen (PfarreiBerching) erzählt ebenfalls, ihr Communalacker sei einGeschenk dreier Schwestern. Auch verschiedenartige Stift-ungen an Kirchen verdanken drei Jungfrauen ihren Ur-sprung. So gaben in Greding drei Schwestern vonLiebeneck ihren Wald auf dem Pfaffelsberg zur Gemeinde,damit zn gewissen Zeiten in der Kirche geläutet werde;in Mettendorf (Pfarrei Greding) hängen die Bildnissedieser drei Jungfrauen iu der Kirche. Aehnlich lautetdie Sage in Berngan und Möning, in dem nunmehrprotestantischen Pfarrdorfe Langenaltheim, Bittelbrunn und Bergen bei Thalmässing .

Es werden auch die Namen dieser drei Jungfrauengenannt: Adelheide, Chrimhilde, Kunignnde; so zu Preith ,Wiirmersdorf und Wachenzell ; anderswo heißen sie:Gwerbetta, Ainbetta, Villbetta, auch Gwerre, Anbei,Cubet.^) Vergleicht man damit die Namen der dreiabenbergischen Jungfrauen: Gewcrra, Widerbringaund Widerkuma, welche die Gespielinnen Stilla's waren,so erkennt man sofort den legendären Charakter der aben-

In der Kavelle des Schlosses Leutstetten befindetsich ein Bild mit der Darstellung der auch iu Schlchdorfverehrten Heiligen Eiubcth (an welche auch die nahe Ein-öde Eiubettl erinnert). Gerbet und F-ürbet. Götz, geo-graphisch-histor. Handbuch von Bayern 1, 358. In demVerzeichnisse der Relignien des Klosters Heilsbronn findetsich eine vom Arme der hl. Genera (cko braekno s. övvsras).Hocker, Heilsbr. Antig.-Schatz 1, 61.