Ausgabe 
(13.2.1897) 8
 
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bergischcn Ueberlieferung. (Past.-Bl. des Bisth. Eichstätt 1856, 127).

An der Hand der Heilsbronner Stiftnngsurknndedes Jahres 1132 haben wir gefunden, das; die aben-bergischcn Grafen Rapoto und Konrad vollständig un-bctheiligt waren, als Bischof Otto von Bambcrg dasCistercienserkloster Heilsbconn gründete und mit ver-schiedenen Liegenschaften und Gütern begabte. Die aben-bergische Ueberlieferung entbehrt somit jeglicher histor-ischen Grundlage.

Die Legende weiß nun ferner zu berichten, daßStilln auf dem Hügel zu Abenberg , welcher dem Schlossegegenüber lag, eine Kirche erbaut habc,^) welche in derEhre des hl. Petrus vom hl. Otto eingeweiht wordensei; bei dieser Gelegenheit habe die Grafcntochter ausden Händen des Bamberger Bischofes den Schleier alsZeichen ständiger Jungfräulichkeit entgegengenommen; auchsei sie Willens gewesen, daselbst ein Klöstcrlein zu er-richten; der Tod jedoch habe sie an der Ausführungdieses Planes gehindert.

Wenn wir das kostbare Pontifikale des heiligmäszigenBischofes Gnndakar II. von Eichstätt 1057 1075 auf-schlagen, so finden wir in dem Berzeichnisse der von ihmgeweihten Kirchen an 113. Stelle auch Abenberg benannt.(U. (I. 88. Vll, 247; Lefflad, Regesten S. 16-17.)Suttner glaubt diese Kirchweihe in das Jahr 1072 ver-legen zu dürfen. (Past.-Bl. 1856, 148.) Nun aberwird znr Zeit des, Grafen Rapoto von Abenberg , desangeblichen Bruders unserer Stilla, in einer Gebiets-rcgelnng zwischen dem Kloster Hcilsbronn und demGrafen, auch eine Kapelle des hl. Jakobus (cmxella, s.-laoobi in abinberoli) in Abenberg erwähnt. (II. Jahres-bericht des Hist. Vereins ini Rezatkr-eis 1831, 28.) WelcheKirche ist nun älter? Welche wurde wahrscheinlich vonGnndakar II. schon eingeweiht?

Die Kirchen, welche dem hl. Apostclfürsten Petrus geweiht sind, gehören gewöhnlich einer sehr weit hinauf-reichenden Periode christlicher Banthätigkcit an. Die altenDome von Köln, Trier, Metz, Toul und Verdnn warenihm gewidmet. (Beissel, Die Verehrung der Heiligenund ihrer Reliquien in Deutschland bis znm Beginnedes 13. Jahrhunderts S. 9 .)^) Als der hl. Bonifatinsin Geismar die von den heidnischen Hessen hochverehrteDonnerciche mit wenigen Hieben zum Falle gebracht hatte,erbaute er aus dem Holze derselben eine Kirche, welcheer in der Ehre des hl. Petrus weihte. (Vita, 8. Lorü-t'atii, auotoro Willibaldo sd. Nürnberger p. 42.)Auch zu Fritzlar widmete er dem Apostelfürsten einGotteshaus (l. o. x. 44). In der Diöcese Eichstätt waren die Benediktinerkloster Wülzbnrg oberhalb Weissen-burg^) und Kastl bei Amberg unter den Schutz des hl.Petrus gestellt. Ersteres verdankte dem Frankenkönige

'9 Achnlich wie von Stilla wird auch von der hl.Kunignudis erzählt, daß sie ein Gefäß mit Geld angefülltin die Mitte des zu erbauenden Domes zu Bamberg ge-stellt habe, woraus jeder Arbeiter den ihn treffenden Lohn-antheil erheben konnte, aber nicht mehr, als er thatsächlichverdient hatte. (6rets. X, 554.) Ein ähnlicher Vorgangwird auch von dem Bischöfe Virgilius berichtet, welcherdie verfallene Basilika des bl. Rnpertus in Salzburg wieder anferbaute. l?rop. tast. dioeo. L^ststt. znm 27.Nov. Ueber den Bischof Virgilius vergl. N. O. Lpx>. III,I, 336, 360.

Der hl. Rnpertus erbaute eine Peterskirche zuxtalaemn vocabulo Walarsse, Keiuz, indienlus ^unonispag. 27.

'0 Die Pfarrkirche in Weissenbnrg war dem heiligenAndreas gewidmet.

Karl dem Großen gegen das Jahr 792 seinen Ursprung(h'alobenstoin, ^.nti^. blord§. III, 403), während letz-teres durch den Grafen Friedrich II. im Jahre 1098gegründet worden ist. 22 ) (IUebenskein 1. 0 . II, 327.)In einer Urkunde vom 6. Juni 1053 wird genannt:Waltebirieba. in pago blortücnvo, Waldkircheu beiBerching , im Volksmunde jedoch Petersbcrg geheißen, weileben dieses Gotteshaus dem hl. Petrus geweiht war.Auch Dollnstein , das auf römischer Grundlage auferbautist, und 1007 von Kaiser Heinrich an das Kloster Bergenvergabt wurde, ehrt heute noch den Apostelfürsten alsKirchenpatron;.Bischof Gnndakar II. fand ihn Wohl schonals solchen vor bei der Einweihung der dortigen Kirche1063.2--)

Wenn wir nun in Betracht ziehen, daß sowohlGreiser als Koch in Abenberg durch Bischof Gundakar II.einen Altar zn Ehren Stilla's in der Peterskirche er-richtet werden lassen, obwohl Stilla einer späteren Periodeangehört, so mag darin eine dunkle Erinnerung ausge-sprochen sein, daß eben dieser Bischof in Abenberg diePeterskirche eingeweiht habe. Wenn die heutige Pfarr-kirche mit einem gothischen Presbyterium noch im 12.Jahrhundert eine Kapelle des hl. Jakobns genannt wird,so dürfte "sie wohl kaum Anspruch darauf erheben können,schon gegen 1072 eingeweiht worden zu sein. Mag dieSache auch nicht mit voller Klarheit entschieden werdenkönnen, aber darüber kann unter besonnenen Forschernkein Zweifel obwalten, daß der hl. Otto von Bamberg ,dessen Dom auch dem Apostelfürsten gewidmet ist, diePeterskirche in Abenberg nicht eingeweiht habe. Dennkein Biograph dieses, streng kirchlichen Oberhirten meldet,daß derselbe in Abenberg , welches doch unbestritten zurDiöcese Eichstätt gehörte, soinit seiner eigenen Juris-diktion entzogen war, eine Kirchenconsekration vorge-nommen habe; keine einzige Urkunde ist bislang von denVerfechtern des Stillacultes beigebracht worden, auswelcher klipp und klar erschlossen werden könnte, daßBambergs Bischof auf eichstättischem Gebiete eine Kircheeingeweiht habe.^) Otto's Persönlichkeit sowohl, sagt

2 --) In Kastl standen schon vor Erbauung der Kloster-kirche drei Kapellen; die Kastler Reimchronik berichtet vomGrafen Ernest Vers 140144:

Und Kastelberch was für sich kamen»

Mit zwelf Huben widemt erIn der Zwelfpoten ErEin Capellen daz ist war.

Auch fünfzig Zehent gab er dar.

Und Vers 335-338:

Ein ieglich Burk besunderHat gemaches ellew WunderDrin Capell ftent noch hivt den TaeDarinne man Gotesdinstes pflac.

Die Kastler Reimchronik, deren Verfasser. HermanAbt zu Kastl war von 13231356, zählt nur 790 Verseund ist abgedruckt mit historischen Erörterungen in Frey-bergs ges. Schriften 1828, II, 455483; und bei Moritz,Stammreihe der Grafen von Sulzbach 1833, II, 103158.

22) Past.-Bl. 1856, 147: Wolfram von Eschenbach ge-denkt im Parzival der streitbaren Kauffrauen von Dolln-stein , wenn er erzählt, daß die Amazone Antikonie anihres Buhlen Gawan Seite so tapfer und mannhaftgestritten:

clin biinvZ'inue riebe

streit da rittsrlivbs

d! Oavan si verliebe sebeiv

dar ckiu kout'vip 20 l'nlenstsin

an der vasnabt nie bau Asstriten:

van si tnontrr von gampslsiten

unde innent an not ir lip. VIII, 409.

2*) 6rets. X, 568 669: Vita s. Ottonis. Oonk. Zeit-schrift für kathol. Theologie 1889 S. 62; H,et. 88. llul. I,