Ausgabe 
(20.2.1897) 10
 
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Zwei nischcuartige Oeffmmgen gewährten von demObergeschoß der Vorhalle den Einblick in die Kirche.Diese Nischen sind rnndbogig überwölbt und haben einegedrückte Gestalt: ihre Höhe ist 1,6 w, die Breite1,7 w. Zwischen beiden Nischen sieht man noch eineetwas verstümmelte Console mit Ansätzen von Gcw'ölb-rippcn. Es geht daraus hervor, daß dieser obere Raumgewölbt war, und Zwar scheint es ähnlich der Wölbungdes Paradieses ein Centralgewölbe gewesen zn sein. DieLage des eben erwähnten Gewölbeansatzes ist wenigstensnicht erklärbar, wenn man nicht ein Centralgewölbe an-nimmt. Eine andere Möglichkeit wäre nur noch die, daßdieses Obergeschoß zweischiffig gewölbt war, entsprechendden zwei Nischen, die den Einblick in die Kirche ge-währten; vielleicht erhob sich über dem sehr kräftigenAchleckspfciler im Paradies ein Gewölbeträger für dieobere Halle. Den Profilen der erwähnten Console nachzu schließen, geschah die Wölbung des Obergeschossesgleichzeitig mit der jetzt noch vorhandenen Wölbung desParadieses. Ursprünglich scheinen demnach die beidenGeschosse mit flacher Decke versehen gewesen zu sein öder-es war die ursprüngliche Wölbung schadhaft geworden.

Wie der Zugang zu der oberen Halle vermitteltwar, läßt sich ohne Nachgrabungen nicht bestimmt fest-stellen. Die mit der Kastler Anlage verwandtenCluniacenserbauten lassen vermuthen, daß im Westenzwei Treppenthürme angelegt waren. Es ist möglich,daß dieselben neben den beiden Seitenschiffen der Vor-halle standen wie zu Limburg a. d. Hardt, oder aberdaß sie westlich den Seitenschiffen vorlagen, und dannergab sich zwischen den beiden Treppenihürmen eine zweite,kleinere Vorhalle, durch die man in das Paradies ein-trat: das in großem Maßstab ausgeführte Vorbildfür letztere Gestaltung bot die gewaltige Klosterkirchezu Cluny.

Diese in Deutschland verhältnißmäßig seltene Vor-hallenanlage, wie sie die Basilika zu Kastl besaß, hat zwarnicht den ästhetischen Reiz, wie er der herrlichen, krcnz-gangähnlichen Vorhalle zu Maria-Laach eigen ist, aberbei der Frage nach dem Baumeister, der die KastlerKirche gebaut, ist sie von großer Bedeutung.

Das Portal, das von der Vorhalle in die Kircheführte, ist nicht erhalten: die Kirche selber präscntirt sichdem Besucher in glücklichen Raumverhältnissen. Weiteund Höhe verhalten sich im Mittelschiff des Chores wie2:3, im Langhaus wie 2:1; desgleichen ist das Ver-hältniß der Höhen im Mittelschiff und in den Seiten-schiffen wie 2 : 3, bczw. wie 2 :4. Die Kirche hat alsonicht das Beengende, was mancher gewölbten romanischenKirche, auch großen Domen eigen ist; doch fehlt ihr auchkeineswegs ein Zug von dem schweren, trotzigen Eindruck,den so mancher Ban aus jener Zeit hervorruft. Einstmuß es ein prächtiges Interniern: gewesen sein, als dieWandgemälde noch nicht übertüncht und die Glasgemüldenoch nicht zertrümmert waren, und die mittelalterlicheKircheneinrichtung noch bestand, die, nach den überkom-menen Nachrichten zn schließen, eine ganz malerische Dis-position auswies.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber Dp. Sefl)/sNeue hochwichtige Entdeck-ungen auf der zweiten Pnlästinafghrt"

gaben wir in Nr. 2, 3 und 4 der Beilage eine ein-gehende kritisch-literarische Anzeige, gegen welche Herr-

Professor Dr. Scpp uns eine längereRechtfertig-ung" sendet. Er hofft damitauch seinen jüngstenWidersacher auf seine Seite zn bringen". Wir stellenes diesenr anheim, zum Ende der Scpp'schenRecht-fertigung" sich zu äußern, ob er bekehrt ist, müssen aberdann die Discussion hierüber in diesen Blättern für be-endet erklären.

I. Bekanntlich liegt ein Hauptdifferenzpunkt in derFrage über die Lage des biblischen Kapharnaum.Die italienischen Patres, welche Telum am Nordwestenddes Sees Gennezarcth für 40,000 Francs angekauft unddort ein Hospiz gebaut haben, hielten und halten Telumfür Kapharnaum. Diese Annahme läßt Dr. Scpp nichtgelten. Er willaus der Natur und Geschichte, vorallem aus den Evangelien selbst, nachweisen, daß dieLage von Kapharnaum zu Telum oder Telhum eineUnmöglichkeit ist", und schreibt:

Als Graf Burkhard von Magdeburg, Guardianvorn Berge Sion, 1283 von der Bergstadt Safed Herab-stieg, erreichte er den See bei Telonium. Ich habe1874 mit meinem Sohn denselben Weg gemacht, undwir stießen zn Telum aus Ufer. Die Gleichung ist ein-fach: wie z. B. aus Posidonium mundartlich Pästumgeworden ist, hat sich Telonium zu Telum abgekürzt.In den Diplomen der Kreuzritter heißt die Stätte nochl'kroloroum oder Mreoloirium. Der Name taucht erstin neuerer Zeit wieder auf, bei Burckhardt von Basel1812 Tellhewu, bei Buckingham Talhown dieseForm paßt zu der Zollstatt des Matthäus

(XI. 9.). Ich habe diese Stelle zuerst bestimmt; wennaber unser Freund hier Kapharnaum vertritt, so machter sich's leicht, indem er meine Hauptbcweise dagegennicht anführt. Es gibt im ganzen Umkreise des Seeskeine Ocrtlichkeit, die ungeschickter für einen Schiffplatzwäre, und das war doch der dreijährige Wohnsitz Christi.Telum (woraus die Araber zwei Worte: Dell Hügel?und stura? machten) hat nicht einmal einen Läudplatz,geschweige Hafen, und es fällt selbst den Laien auf, daß dieBootsknechte ihre Fahrgäste auf den: Rücken hinaustragenmüssen, wenn diese nicht vorziehen, ihr Gewand bis an dieHüfte aufzilschürzeu und hinauszuwaten. Soll Petrus den Herrn jedesmal auf dem Arm oder Rücken am Uferabgesetzt haben? Kapharnaum lag in der Ebene Gen-nczareth, und zwar an einem Berge, Telum liegtanderthalb Stunden nördlich ganz flach. Und wenn Jo-hannes die Entfernung von Bethsaida auf 25 bis 30Stadien zur See angibt, so paßt hiezu einzig die Stadtam Nordende der gesegneten Ebene, aber nicht am Endedes Sees. Nach Telum brauchten die Jünger gar nichtzu Schiffe zu gehen, sondern kamen direkt von Bethsaidaüber die damalige Jordanbrücke in einer guten Stundedahin.

Ist denn aber mein Mesadieh auch gleich Bethsaida?Ich antworte: Ganz gewiß im otrrtus aoiwlruetus, wieMasphat gleich Safad, Cabatieh Memcthat ist undMuslam zu Islam sich stellt. Vor zwei Jahrhundertenist der grundgelehrte Orientalist Reland in den Irr-thum verfallen, zwei Bethsaida anzunehmen, weil dieHcimath dreier Apostel: Philippns, Andreas und Petrus (Joh . 1, 44. 12, 21), in Galiläa gelegen. Aber auchJudas von Gamala heißt der Gnliläer. Jesus fuhr vonTibcrias nach der Einöde bei Bethsaida (Joh. 6, 1,Luk. 9, 10) und heißt von da seine Jünger nach Beth-saida vorcmsfahren (Mark. 6, 45. 63). Darauf kamensie unter fürchterlichem Sturm nach Kaperuanm in der