Ausgabe 
(3.4.1897) 19
 
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anderer Theil in Nom. In Pilati Haus lvurde er ein-gelassen aus sonderer Gnad und Gunst. Ebenso Tücher(1482). Fürst N. Ch. Nadzlvil (1583) besuchte auf demSion ausserhalb der Stadtmauer das Haus Cayphä, eineziemlich große Kirche der Armenier und zur Rechten desHochaltars den Kerker, in welchem Christus eine Nachtzugebracht und viel Schmach von den Juden gelitten.In den Gassen gegen St. Stephans Port und ThalJosaphat lvurde er zum Palast Pilati geführt und dannweiter zu einem steinigten Bühel, darauff die allerseligsteJungfrau Maria in großer Angst und Schmerzen ge-standen und halbtodt zur Erde niedergefallen, da sie ihrengclicbtcstcn Sohn mit Blut besprengt, mit blauen undganz verstellten Angesicht ein so großes und schweresKreutz tragen sehen. Dieß Ort heißt noch Spasmusoder Ohnmacht der Jungfrau Maria." Am 3. Juliwurde er zu dem Stadtobersten in des Pilati Haus ein-gelassen, in welchem ein Platz mit marmelsteinernen Plattenbelegt, der in dem Evangelium Joh . 19 lütiwsli-otosgenendt wird. Er hat auf beiden Seiten Spatziergangauf Säulen stehend, an welcher einer, in einer Ecke,Christus der Herr ist gegeißelt worden, deren unter Theil-man in der Capelle der Erscheinung hat." In derAbysfiner Capell ist ein Stein, aus welchem Christussitzend 'mit Dornen gekrönt ward. ,,

Es würde zu weit führen, noch andere Zeugnisseanzuführen. Alle ^ späteren wie die früheren seit denältesten Zeiten sprechen für die Richtung des Kreuzwegesvon dem Hanse des Pilatus. im Osten zum Golgotha imWesten, wo neucstens aus dem russischen Plätze auch einStadtthor, verschieden von der bisherigen xorta, .jucii-oinria, gefunden wurde. Damit stimmen auch die Griechenund Armenier übcrein, welche sicher nicht von den Lateinerngelernt haben, sondern eher umgekehrt. Ich will mirwenige Worte des Patriarchen Chrysantos erwähnen,Welcher in seiner (1626) sagt: h «rlcr-

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Nach der Episode der anfänglichen Kreuzfahrerzeit habennur Ecklin (1552), Villolpandi, Clarke (1801) und einigeAndere Zweifel. geäußert, nenestens besonders Scpp,Tobler und Socin. Absichtlich habe ich die Franziskanerz. B. Antüttins v. Er., Bonifacius v. R., Quaresmiusnicht angezogen, damit Jedermann sich überzeugen kann,daß auch ohne sie die Tradition besteht. Kein Christkann ihnen die wohlverdiente Anerkennung versagen dafür,daß sie mit ihrem Blute die hl. Stätten gehütet unddabei' insbesondere der Versuchung widerstanden haben,die Ueberlieferung zu fälschen, wie es in ihrem Interessegewesen wäre. Seit 1226 waren sie auf dem Sion,seit 1313 in der dortigen Hauptkirche (Eoauueuiuw) bis1659, wo sie mit Gewalt vertrieben wurden. Doch nie-mals .verlegten sie den Kreuzweg in die Nähe ihresKlosters, sondern immer auf die entgegengesetzte Seiteder Stadt, ivo sie erst im Jahre 1838 durch die Muui-sicenz des Herzogs Max in Bahern ein Klösterchen er-hielten. Sie waren eben treue Hüter nicht bloß der Orte,sondern auch der Ueberlieferung, wie sie diese vorfanden.Ob sie einen Antheil hatten an der Ausgestaltung desKreuz- oder Schmerzensweges d. i. an der Ausfüllungzwischen Ausgang und Ende, ist eine andere Frage undvon geringerer Bedeutung.

Die älteste Station, die erwähnt wird, ist die vierte.Dort führt bereits Ernoul (1231) und Rothclin (1261)eine Kirche zu des Herrn Ruhe (kaxos) an, welche etwass päte r von Ricold (1800) und Sanudo (1321) Maria

Ohnmacht" (Lxmsrnrm) genannt wird, indem eben derHerr seiner Mutter begegnete, diese in Ohnmacht fielund er selbst so ergriffen wurde, daß er etwas ruhenmußte. Zu gleicher Zeit wird von Ernoul des -Ortesgedacht, an dem nach dem Evangelium (Mark. 15, 21)Simon von Cyrene zur Kreuzschleppung herangezogenwurde. Er kam vom Felde, also zum späteren Stephans-thore herein und begegnete dem Zuge, wo die Straßenaufeinanderstießen. Einen anderen Anhalt gab der Be-richt des Lukas (23, 28), daß der Herr zu denweinen-den Töchter Jerusalems " redete. Der Ort wurde erst-mals von Ludolf von Sudheim (1336) erwähnt. Erstspäter folgen Veronika's Haus (Pfintzing 1436) und die3 Fußfälle: am frühesten der erste von Pfintzing beiMariä Ohnmacht (eineRuhe" dort bereits von Ricold),dann der zweite von Faßbender (1492) bei Simon v. C.,der erste und dritte am Calvaria von Rindfleisch (1496).Sie entwickelten sich naturgemäß aus den früheren, indemman in sinniger Betrachtung den Schluß zog, daß Christusbei dem Anblicke seiner Mutter wie diese selber nieder-stürzte; daß Simon v. C. helfen mußte, weil der Herrnicht mehr weiter konnte, daß er fiel- am Fuße des an-steigenden Berges, wo schon D. von Schachten (1491). eineRuhe" Christi anmerkte. Mitgewirkt dürften auch. die zwei- Steine haben, welche frühzeitig gezeigt wurden.Anfangs wurden sie dahin gedeutet, daß Christus undPilatus bei dem Urthcilssprnche darauf standen, solltenalso wohl ein aufgehobener Theil des Hochpflasters sein.Antoninus sah beide in der Sophienkirche, Sophroninseinen dort, Theodorich einen auf Sion. Später, wieSanudo, Gnmppenherg, 'Fabri n. a. berichten, erschienenzwei weiße Steine in dem Bögen eingemauert, der jetztbicae lromo genannt wird: der Herr soll darauf geruhthaben. Dieses gibt zwei Ruheplätze und zwei voraus-gegangene Fälle, Indeß herrschte keine Einheit, indembald nur der eine, bald der andere Fall angegeben wurde.Die letzten Stationen sind ohnehin den evangelischen Be-richten entlehnt. Eine sehr interessante Schrift ist diegeystlich straß" Nürnberg bei Gutknecht 1521. Sie be-schreibt15 Gänge": 1. Abschied in Bethanien, 2. Ein-setzung des Abendmahls, 3. Gebet am Oclberg, 4. -Gangzu Annas, 5. zu Kaiphas, 6. zu Pilatus, 7. zu Herodes ,8. Dornenkrönung, 9. Vcrnrtheilung, 10. BegegnungMariä, 11. Fall unter dem Kreuze, 12. Simon v. C.,13. Kreuzannagelnng; 14. Kreuzigung, 15. Salbung,16. Grablegung. Jeder Gang ist in einem Bilde inArt eines, kleinen Kapellchens auf einem Sockel dar-gestellt, allem Anscheine nach einem Stationskreuzwcgenachgebildet; dazu geschichtliche und örtliche Beschreibung,Anmnthung und Allegation aus den Psalmen.

Erst Johann Pascha (1563) und P. Calentinns(Löwen 1568) und nach ihnen der holländische PriesterAdrichom aus Delft (Delphi) in seiner Schrift: llsrusalemsiaut tkuixore Oirristi luit, 1584, haben die nämlichenStationen, wie jetzt, aber nur 12 bis zur Kreuzigung;die letzten zwei sind auch angefügt, doch nicht mitgezählt.

Ein besonderes Verdienst um die Kreuzwegandachterwarben sich der hl.- Lorenz von Brindisi (p 1619),welcher bei seinen unzähligen Volksmissionen überall dieAndacht zum leidenden Heilande verbreitete und persönlich572 Kreuzwege weihte; sowie der hl. VolksmissionärLorenz von Porto Maurizio (p 1751), welcher eineeigene Anleitung, dem , sogenannten Franziskaner Texteverwandt, verfaßte.

Einen Ablaß verband -zuerst Papst Jnnoccnz XI.