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gegenüberstehenden Lesarten ein kurzes Urtheil nebst seinerBegründung abgegeben. Der eigentlichen Erklärung liegtder Text der Lnlgata zu Grunde, den Bestinnuuugen derKirche und insbesondere der letzten Encyklica Leo's XIII.über das Bibelstudium entsprechend. Doch kommt dergriechische Urtext keineswegs zu kurz; vielmehr wird der-selbe ganz den Worten des Heiligen Vaters gemäss überallzu Rathe gezogen, um den wahren Gedanken des Apostelsstets richtig zu erfassen. Wo es nothwendig erscheint,wird dabei auf die Mangel und Unvollkommcnheiten desentsprechenden Ausdruckes in der Vnlgata hingewiesen.
Dein richtigen Verständnis; des Sinnes dient abernicht, bloß der Vergleich des Urtextes und der verschiedenenLesarten: überall ist der Verfasser bestrebt, unter Be-nutzung aller exegetischen Hilfsmittel au der Hand derheiligen Vätcr und der größten Schrifterklärer aller Jahr-hunderte den Gedantengaug des Apostels im Großen wieim Kleinen richtig zu erfassen. Nach der Darlegung desZusammenhanges eines Abschnittes untereinander wirdjedes Wort des Apostels erwogen und nach allen Seitenhin beleuchtet. Jedes Wort wird gewissermaßen im Lichteder Erklärungen der hl. Väter, namentlich der hl. JohannesChrysostomns, Augustinus , Hicronymus und Thomas vonÄquin, betrachtet und unter Vcrglcichung auch der neuestenkatholischen wie nichtkatholischen Auslegungen. erörtert.Die von der Erklärung, des Verfassers abweichendenDeutungen werden dann, wo es nöthig erscheint, mitden Worten ihrer Urheber vorgeführt und widerlegt.Schließlich werden auch alle sonstigen an den Textsich knüpfenden Bemerkungen und Folgerungen noch her-vorgehoben.
Trotzdem leidet die Klarheit und Uebersichtlichkeitnicht unter dieser außerordentlich großen Reichhaltigkeit.Bei der einheitlichen und conscguent durchgeführten Me-thode des Verfassers findet man sich leicht zurecht; außer-dem ist durch die verschiedenen Arten des Druckes für dieleichte und klare Unterscheidung der Worte des Apostels,der eigentlichen Erklärung, der minder wichtige;; Zusätzeund der Bemerkungen gesorgt.
Die übrigen Theile des Cnrsus sind durch ähnlicheAnordnung, Gediegenheit und Reichhaltigkeit ausgezeichnet.Stets wird, ganz in; Geiste der Encyklica des HeiligenVaters, das Hauptgewicht darauf gelegt, au der Handder Väter nnd Lehrer der Vorzeit zum richtigen Ver-ständniß zu gelangen, ohne dabei die Gegenwart unddie Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Forschungen zuübersehen.
So bietet der Cursus ein nützliches Hilfsmittel, diereichen Schätze kennen zu lernen, welche in den heiligenBüchern und in den Erklärungen der Väter verborgensind. Er erschließt diese Schätze nicht bloß für den Ere-geten und Dogmatiker. sondern für jeden Freund der hl.Schrift; allen zeigt er bei; Weg, die unerschöpfliche;; Reich-thümer des Buches der Bücher für sich und andere nutzbarzu machen. Möge die hohe Anerkennung, die ihn; derHeilige Vater gespendet hat, den; großen Bibclwcrke auchin Deutschland neue Freunde erwerben!
Recensionen und Notizen.
Vernünftiges Denken und katholischer Glaube.Erwägungen für die gebildete Welt von ChristianHold, Dekan und Pfarrer. Kcmpten, in; Verlagder Jos. Kösel'schen Buchhandlung, 1897. Vlll u.294 Seiten.
Der Verfasser vorstehender, soeben erschienener Schriftist ein in weiten Kreisen allgemein beliebter, in theolog-ischen und naturwissenschaftlichen Dingen bewaudter undgelehrter Blaun. Was vorstehende Schrift will, ist in;Titel enthalten, nämlich zeigen, daß der kathol. Glaubeund vernünftiges Denken sich nicht gegenseitig ausschließen,wie gewisse Vorurthcile annehmen, sie will im Gegentheilzeigen, daß der kathol. Glan.be ein vernünftiges Denkenzur Vorausictznng habe. Zu diesen; Zwecke werden in16 Abhandlungen oder Vortrügen, welche fast alle nachForm nnd Inhalt von vollendeter Schönheit sind, diehauptsächlichsten Glanbenswahrheiten dargestellt. Es sindErwägungen für die gebildete Welt, also nicht für dieGelehrten. Da haben wir keinen Mangel an vorzüglichenapologetischen Werken, wie von Hettingcr, Schanz, Voscn,Weiß :c. Auch für das einfache gläubige Volk ist gesorgt
an schöne», erbaulichen Schriften dieser Art. Aber fürdie sogenannte gebildete Welt, d. h. diejenigen, welchenach Erziehung und Unterricht für geübteres Denken be-fähigt sind, aber doch gelehrte dickleibige Bücher überreligiöse Fragen nicht zur Hand nehmen, anderseits aberdock durch die gewöhnliche einfache Darstellung nicht be-friedigt werden, haben wir wohl großen Mangel- Hierliegt nun ein solches Buch vor, welches diese Lücke in vor-züglichen; Grade ausfüllt. Auch den geistlichen Herrendürfte diese Schrift willkommen nnd manchem ein Finger-zeig sein, wie man den sogen. Gebildeten und auch denweniger Aufgeklärten in seinen Vortrügen mit Erfolgentgegen zu kommen hat. Der Verfasser sagt ganz richtigin der Vorrede: „Mehr als je tritt heutzutage an denKatholiken die Pflicht heran, sich nnd anderen über seinHöchstes auf Erden, seinen Glauben, Rechenschaft zugeben. Diese Vortrüge wollen nichts anderes, als den;einen oder andern diese Rechenschaft erleichtern helfen."Für die hübsche Ausstattung dieser Schrift verdient dieVerlagshandlung alles Lob.
Domkapitnlar Winter.
Gedenkblätter zu Ehren des hochwürdigen geistlichenRathes Dr. Joseph Grimm , weiland Professorder neutestamentlichen Exegese an der UniversitätWürzburg. Zum ersten Jahrestag seines Todesgewidmet von vr. Herman Schell , derz. Rectorder Universität Würzbnrg , und vr. Albert Ehr-hard, Professor an der Universität Würzbnrg .Zum Besten des Würzburger Bonifatinsvereines.Würzbnrg 1897. Göbel. Gr. 8°. S. 136. PreisM. 1,20.
chf Weit treffender, als das wohlgelungcne Bildnisauf der ersten Seite, zeichnet Pros. Ehrhard das Lebens-bild des Verewigten. Er steht da vor uns, wie er leibteund lebte, lehrte, dachte und empfand. Wir lernen ihnkennen in seiner Jugend und theologischen Ausbildung,als Professor der Theologie (Exegese), als Forscher nndSchriftsteller; wir begleiten ihn im Geiste auf seinenNatur- und Kunststudicn gewidmeten Reisen; sein Cha-rakter als Priester und Mensch lehrt uns ihn achten undschätzen. Ganz objektiv ist die Darstellung nnd doch vollLiebe und Wärme; zugleich ist uns ein zwar bescheidener,aber doch recht anerkennenswcrther Beitrag geboten znrtheologischen Literaturgeschichte unseres Jahrhunderts.Den würdigen Schluß der Gedenkblätter bilden dieGrundgedanken des messianischen Lebensplanes Jesu aufGrund der exegetischen Werke Grimms, als Trauer-gcdächtnißrede in der Universitätskirche zu Würzbnrg ge-halten von Professor Schell. Allen Schülern und FreundenGrimms werden unsere Blätter ein schönes Andenken,allen gebildeten Lesern aber eine Geist nnd Herz er-hebende Lektüre sein. Der Reingewinn ist zum Bestendes Würzburger Bonifatiusvereins.
Dr. Johann Anton Englmann's Handbuch desBayerischen Volksschnlrechtes von vr. Ed.Stingl. Vierte verbesserte nnd vermehrte Auflagck8. Im Schulanzeiger für Niedcrbayern ist folgendeMinistcrial-Verordnung zu lesen: „Da das bezeichneteBuch eine höchst brauchbare systematische Darstellungsowohl der allgemein gütigen, wie auch der für die ein-zelnen Regierungsbezirke erlassenen Bestimmungen überdas Volksschnlwesen Bayerns enthält, ist dessen An-schaffung für Schnlbehörden u. s. w. zu empfehlen. ZurAnschaffung aus Regiemitteln wird Ermächtigung er-theilt. vr. v- Landmann." Wahrlich ein schönes Zeugniß!Auch vr. v. Hanck hat in der „Bayerischen Gemeinde-zeitung" das Buch sehr lobend besprochen, wobei besonders„die klare Uebersicht" hervorgehoben wird. „Nach allenRichtungen findet man Aufschluß über sich ergebendeFragen, und ist die Antwort durch Genauigkeit des Sach-registers leichr zu finden." Tarn»; wird das Buch auch„ans's beste" empfohlen. Domkapitnlar vr. Schmitt, eben-falls Fachmann anf dem Gebiete des Kirchenrechts, weißals einen Hanptvorzng an diesen; Buche zu loben, „daßsich die 4. Auflage hinsichtlich der Darstellung jener Details,welche gerade in unserer Zeit brennend geworden sind,als eine Leistung darstellt, welche bisher von keiner Ver-öffentlichung erreicht ist. So sind die Gehalts- und Pcnsions-verhältnissc deS Lehrerpersonals und der Lehrerreliktcnnicht bloß in den einzelnen Kreisen, sondern auch in den