Ausgabe 
(24.4.1897) 22
 
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Genie"; aber als ganzungewöhnliches Talent" ver-einigt er in sich wie in einem Brennpunkt fast das ganzeWissen der damaligen Zeit.was ihm für immer die ersteStelle in der Geschichte der Wiederbelebung der antikenWissenschaften sichert". In pädagogischer Hinsicht be-schränkt sich nach Neichling des Erasmus Ruhm ansdas Sammeln aller diesbezüglichenLeistungen der vor-ausgegangenen Zeiten", sowie aus die Keimbilbung zu denwichtigsten Reformen der neueren Zeit in überraschenderVollständigkeit, während dasreligiöse Moment sehr inden Hintergrund tritt oder doch vielfach in Aeußerlich-keiten verläuft". Mag dieses Urtheil auch, zumal imHinblick auf die Jahrhunderte lange, übertriebene Ver-himmelung des Erasmus, etwas bitter klingen, es ist diereife Frucht gewissenhaften Studiums seiner Werke. ZurErhärtung der ausgehobenen pädagogischen und didakt-ischen Anschauungen folgen dann in Uebersetzung diebeiden Schriften:Ueber die Nothwendigkeit einer früh-zeitigen Unterweisung der Knaben" (Seite 45101) undUeber die Methode oes Studiums" (S. 102119). Diebeiden Abhandlungen, besonders aber die letztere, ver-dienten wegen der zahlreichen allgemeinen und speciellenBemerkungen eine Veröffentlichung und verdienen Be-achtung auch noch in unseren Tagen. Die einleitendeBiographie und Charakteristik des Vives war zweifelloseine Arbeit angenehmerer Art als die über Erasmus.vr. Kayser fand in Vives einen durchaus edlen undganzen Charakter, der seinem Leben und Handeln in all-weg seine innere Ueberzeugung aufprägte, so daß beifreiem Blick eine derartige Verkennung desselben nichtmöglich gewesen wäre. Dementsprechend ist auch dieCharakterzeichnung mit aller Liebe ausgeführt. Vives be-saß einen universellen Geist, der ihn zu einerderglänzendsten Erscheinungen in der Geschichte des mensch-lichen Geistes macht". Aber bei alle dem blieb Viveseintreuer und demüthiger Sohn seiner Kirche", ein sprechen-der Beweis gegen die Behauptung, daß der Humanismusmit innerer Nothwendigkeit seine Anhänger in einenGegensatz zur Kirche bringen mußte. Seine literarischeThätigkeit erstreckt sich auf fast alle Gebiete, und in seinemHauptwerkvs äisoixlinis" gibt er also am Anfangdes 16. Jahrhunderts! eine förmliche Encyklopädieder Wissenschaften. Sein Hauptverdienst aber in diesemivie in der Mehrzahl seiner übrigen Werke und die Haupt-bedeutung seines Lebens übcrhaiipt liegt in einem bisdabin unbekannten, streng systematischen Aufbau derDidaktik und Pädagogik. Fast sämmtliche Principien derneuern Pädagogik, die man bisher immer späteren Jahr-hunderten zugeschrieben hat, finden sich bei Vives und sindmit Verschweigung seines Namens von ihm entlehntworden, vr. Kayser nennt ihn darum mit RechtdenBegründer der neueren Pädagogik". Dabei ist sein Sy-stem nicht erii Erzeugniß bloßen Spekulrrens, sondern esruht aus der festen Grundlage eigener Erfahrung undBeobachtung. Von seinen pädagogischen Schriften hatDr. Kayser übersetzt: 1)Ueber den Unterricht in denWissenschaften" (des oben genannten Hauptwerkes 2. Theilin 5 Büchern, S. 180339); 2)Ueber den Lebenswandelund die sittlichen Grundsätze des Gelehrten" (S. 340 bis260), ein in seiner Art vielleicht einziges Schriftchen;

3)Die Erziehung der christlichen Frau" (S. 361414);

4)Lehrpläne für das Studium der Knaben" (S. 415426).

Die Lectüre dieses Schriftstellers läßt sich mit keinenbesseren Worten empfehlen, als sie Wychgram gebrauchte:ersei des Studiums werth wie wenige". Dem ganzenWerk ist eine kurze, aber treffliche, allgemeine Einleitungvorausgeschickt, die sich über den Unterrichtsbetrieb imMittclalter, über das mittelalterliche Latein und über dieBestrebungen und Verdienste des älteren Humanismusverbreitet. Ein umfassendes Personen- und Sachregister(9 S.) vervollständigt die Verwendbarkeit des prächtigenWerkes. Durner.

Der heilige Fidelis von Sia marin gen.Erstlingsmartyrer des Kapnzinerorbens und dervonsrsAatio äs propaA'anäs tiäs. Ein Lebens- undZeitbild aus dem 16. und 17. Jahrh. Nach Quellenbearbeitet von 1?. Ferdinand della Scala. Mainz ,Kirchheim. 8', 307 S.. 20 Bilder. M. 3.

* Am 24. April, schreiben die Bollandisten, feiert man

das Fest des hl. Fidelis von Sigmaringen aus dem Ka-puzinerorden, der 1622 zu Seewis in Graubünden vonden Häretikern, welche er zum wahren Glauben zurück-zuführen suchte, ermordet ward. Nach Lucian von Mon-tavon, Angelus Maria von Rossi und manchen Andernhat es U. ?. Ferdinand della Scala unternommen, dasLeben des glorreichen Märtyrers zn schreiben. Gleich inder Vorrede zeigt er sich als gut unterrichteten und ge-wissenhaften Biographen.Der hl. Fidelis", sagt er,ge-hört seinem Leben und Wirken nach der Geschichte an.Beobachten wir demgemäß in Allem, was ihn betrifft,das Verfahren der wahren Geschichtsschreiber und nehmenwir nicht, um den frommen Sinn der Gläubigen zu er-bauen, Thatsachen an, welche zuverlässige Dokumente nie-mals berichtet haben." Es zeigt sich eine große Umsichtund Klugheit im Gebrauche, den der Verfasser von denfast unmittelbar nach dem Tode des Heiligen eingeleitetenProcessen macht. Um den Leser von der Wirklichkeit einesVorganges zu überzeugen, genügt nicht der Nachweis, daßer in den Proceßakten berichtet wird; es muß auch derZeuge, welcher die Thatsache behauptet, sich durch seinWissen und seine Wahrheitsliebe empfehlen. Das ent-geht dem della Scala nicht, er weiß je nach dem Stoffeseirre Zeugen auszuwählen. Sollte es hier nicht am Platzesein, jenen Autoren, welche sich derartiger Dokumente be-dienen, den Rath zn ertheilen, im Vorworte die Zeugenaufzuführen, welche sie im Verlauf der Arbeit zu citirengedenken, indem sie für jeden von ihnen die Eigenschaftangeben, welche seinen Behauptungen mehr oder wenigerWerth verleiht? So würde man den Leser an den Werthdes Zeugnisses erinnern und ihm die Controlle erleichtern.So oft ihm dann im Texte oder in den Fußnoten derName eines Zeugen begegnen würde, könnte er die Vor-rede zu Rathe ziehen und unmittelbar ersehen, ob im vor-liegenden Falle der Zeuge Glauben verdiene. Der neueBiograph des hl. Fidelis ist übrigens ebenso gilt unter-richtet, als er in der Verwerthung der Quellen behutsamist. Die in seiner Vorrede befindliche Aufzählung derAktenstücke, die er zu Rath gezogen, der Archive, die ererforscht, der Personen, bei denen er sich erkundiget hat,zeigt deutlich, daß er keilte Mühe gespart und alle Schrittegethan, um zu genauer Kenntniß der Thatsachen zu ge-langen. (Im Anhang veröffentlicht ?. della Scala ver-schiedene. noch unedirte Aktenstücke, die wichtigsten sindeinige Briefe und Predigten des Heiligen.) Auch die derstoria postbuma gewidmeten Kapitel sind reich an Einzel-heiten, oie Illustrationen, welche den Text zieren, sind gutgewählt und dem Stoffe selbst entnommen. Mit einemWort. wir haben hier eine gute und solide hagiographischeArbeit, ^.ualscta Lollanäiana, tom. XV, p. 111 112,Brüssel 1696.

Linzer theol.-praktische Quartalschrift. Jahr-gang 1897. Expedition: Linz, Stifterstraße Nr. 7.Preis pr. Jahr 7 M.

Inhalt des 2. Heftes: Ein neues Beispiel vonmißglückten! Eifer. Von k. A. M. Weiß O. kr., Uni-versitäts-Profeffor in Freiburg (Schweiz). PraktischeBemerkungen über Generalbeichten und deren Abnahme.Von vr. Jakob Schmitt, Domeapitular zu Freiburg (Brcisgau). Zweiter Artikel. Die Muttergottes - Festeund ihre Verherrlichung durch die christliche Kunst. Vonvr. Heinrich Samson, Vicar in Darfeld (Westfalen). Die heiligen Gräber in der Charwoche. Von k. GeorgSchober V. 8». R-, Consultor der heiligen Ritencongre-gation in Rom . Die Berufung der allgemeinen Con-cilien deS Alterthums. Von Domeapitular vr. MathiasHöhler in Limburg a. d. Lahn . Nachklänge zur MißVaughan-Frage. Von v. Hilarin Felder O. Lectors. tüsol., Freiburg (Schweiz). Zweiter Artikel.Christen-thum und Nationalismus." Eine zeitgemäße Studie vonk. Robert Äreitschopf 0. 8. L. -- Pastoral - Fragenund -Fälle: Feuerversicherung und Brandstiftung. Vonv. Augnstin Lehm kühl 8. ck. in Exaeten (Holland ).Unbefugtes Geschenk einer Klosterfrau. Von k. JohannSch wienbacher O. 88. U., Provincial in Wien .Versprechen. Von Jakob Linden 3. in Blyenbeek(Holland ) ,l. s. w.

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Verautiv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg