Ausgabe 
(28.4.1897) 23
 
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Die geistige Nachkommenschaft Locke's waren Montesquieu und Rousseau. ")

Neceitsione» und Notizen.

Schmid, u. Bernhard 0. 8. R.: Armand-Jean leBonthillicr de Nancö. Abt und Reformator vonLa Trappe, in seinem Leben und Wirken dargestellt.Mit Erlaubniß der Klosteroberen und oberhirtlicherDruckgenehmigung. Regensburg 1897. NationaleVerlagsanstalt. 8°. Preis 3 M. 60 Pf.

Der Bibliothekar des Bencdiktinerstiftes Scheuern,k. Bernhard Schmid, ein in kathol.-theolog. Kreisenwohlgekanntcr literarischer Name von bestem Klänge hatfür uns gegenwärtige deutsche Leser die Lebensgeschichtedes Abtes de Rancö so zu sagen erst unter der Bankhervorziehen müssen. Denn seit der 1844 zu Ulm heraus-gegebenen Uebertragung der Arbeit Chateaubriand's überden Reformator von La Trappe ist wohl nichts neuesNennenswcrthes über diese großartige Persönlichkeit beiuns erschienen. Und welche interessanten Seite,:- undEinblicke in das politische und religiöse Leben Frank-reichs während des siebzehnten Jahrhunderts gewährtnicht die Durchforschung der umfassenden Thätigkeit desStifters der Trappisten, dessen erste Lebensperiode sich zuParis in unmittelbarem Contakt mit dem französischen Hofe abspielte! Der Vater de Rancö's ist Sekretär derKönigin Marie von Medici , der Wittwe Heinrich's IV.,die den kleinen Armand auf ihren Armen trug; zumTanfpathen hatte dieser den Cardinal und StaatsmmisterRichelieu erhalten. Der Verfasser führt uns in dasKloster Port Rojal, zu dem Hauptsitz des Jansenismus,welcher letztere zu Nutzen von Lesern aus der Laienweltein paar kräftige Schlaglichter vertragen hätte, geleitetdann nach La Trappe, wo de Nancö die Mönche in einennahezu barbarischen Zustand versunken trifft. Alsbaldbeginnt die Schilderung der unter widrigsten Anfeind-ungen vor sich gehenden Reformirung des Cistercienser-ordens. Die in mehr als einer Hinsicht merkwürdigePerson des Kardinals von Netz, eines der thätigsten Mit-glieder der Fronde, wird da und dort berührt. Der Auf-enthalt des Abtes de Rancö in Rom wird eingehend er-örtert. Eine gewisse Vorliebe unseres Biographen fürdie strenge Observanz ist unverkennbar, kommt indeß demGegenstand des Buches in der Art zu gute, daß die histor-ische Treue nicht darunter leidet. Ber der nun folgendenSchilderung der Weise, in welcher die Reform zu La Trappedurchgeführt wurde, wetlteifert der Autor in begeisterterLiebe für die höchsten Ziele des Ordenslcbens mit dem-jenigen, welchen seine Feder contcrseit. Die einzelnenStreitigkeiten beider Observanzen sind für Religiösenhochinteressant, für andere Leser bietet ihre anschaulicheAuseinandersetzung zum mindesten einen neuen Beweis,daß die Geschichtsschreibung heute eine Domäne der Ka-tholiken geworden ist. Die Kampfschriften zwischen demgelehrten Mauriner Mabillon und de Rancö bezüglichder Pflege der Studien in den Klöstern finden ruhig ab-wägende Würdigung, die mit jener des PhilosophenLeibnitz , des Universalgenie's der damaligen Zeit, überein-stimmt. So recht an die Herzkammern anpochend ist derBericht von den letzten Schmerzenstagen des großen Abtes,der. gleich dem Laokoon in der berühmten Gruppe denMund kaum zum Seufzen öffnend, jenes spätere Kaiser-wort erfüllte: Lerne leiden, ohne zu klagen. Die Zeilenüber das Hinscheiden des Vaters der Trappisten wirdkein fühlender Mensch ohne innerste Rührung zu lesenvermögen. Die vorliegende Biographie gehört in jedesMänner- und Frauenkloster, sollte im Bücherregal desWeltgcistlichen gleichfalls nicht fehlen und wird auch alleLaien fesseln, die für Detailgeschichte, besonders wenn siein solcher gefälligen Form, wie hier, geboten wird, Interessehegen. Sre empfiehlt sich besonders auch als Geschenk fürstudirende Jünglinge. Der Preis ist in Anbetracht derhübschen Ausstattung des Werkes als ein niedriger zubezeichnen. Dr. Joseph Her deck.

") Den näheren, inneren Zusammenhang entwickeltMeyer, Grunds, d. Rechts u. d. Sittlich!. S. 199 ff.

Ecker Jak., Jmmanuel: Am großen Tag der

Kommunion. Paderborn, F. Schöningh (1897).

8°. VII -si 800 SS. M. 3,00; geb. M. 8,20.s Ein treffliches Werk in zu Herzen dringender Sprache,Belehrungs-.Bctrachtungs- und Gebetbuch zugleich in höchstgeschmackvoller Ausstattung. Der erste Theil (S. 1121)gibt die dogmatische Grundlage in klarer, kurzer, aber wohldurchdachter Form mit gewissenhafter Angabe der Schrift-und Väterstellen. Der zweite, erbauende Theil mit achtCommunionandachten ist bewährten Geisteslehrern, gott- erleuchteten Personen aus dem Ordensstande entnommen.Manches verdankt man der innigen Auffassung deutscherMystiker. Das Titelbild, eine bekannte süßliche Dar-stellung französischen Geschmackes, wäre besser wegge-blieben. Solche Absonderlichkeiten religiöser Aesthetikvertragen wir vielfach noch ganz vernünftige Deutsche nun einmal nicht. _

Memminger Anton. Der Talmud. 8°. 104 SS"Würzburg, Memminger 1897. (II.) M. 1,00.

HH Die Schrift gibt ein Bild von der Entstehung unddem Inhalt des riesigen Werkes, welches die Jsraelitenals ihren durch Alter und Sitte geheiligten Rcchtscodexverehren. Nachdem durch die Urtheile von Münchener Gerichten die Verbreitung des sogenannten Talmud-Auszuges in Bayern verunmöglicht worden ist, lenkt sichdie allgemeine Aufmerksamkeit erst recht auf den Talmud. Wer sich einigermaßen über dessen Bedeutung unterrichtenwill, ohne allzu tief in den Gegenstand eindringen zuwollen, kann in vorliegender Schrift die nöthigste Aus-kunft erholen. Besonderes Vertrauen aber können wireinem Verfasser nicht schenken, dessen Kenntniß christlicherTheologie so gering ist. daß er (S. 33) von dertalmud-ischen -Moraltheologie der Jesuiten" zu reden wagt.

Allgemeine Kunstgeschichte vorn Standpunktder Geschichte, Technik, Aesthetik von vr.?. Albert Kühn, 0. 8. L.

Im Jahre 1890 wurde vor: Venziger u. Comp. dasobige Lieferungswerk angekündigt und zum Abonnementdarauf eingeladen mit der Erklärung, das Manuskriptsei bis auf die letzten Bogen abgeschlossen und das regel-mäßige Erscheinen der Hefte im voraus gesichert. Diepaar ersten Lieferungen trafen auch wirklich in nicht all-zulangen Zwischenräumen ein. Aber seitdem herrscht diegrößte Unregelmäßigkeit und Verschleppung. Einmal bliebein Heft sogar ein volles Jahr aus, und jetzt, nach Ver-lauf von beinahe sieben Jahren, sind wir glücklich imBesitz von 9 ganzen Lieferungen. Wenn das so fortgeht,werden wir den Abschluß des auf 28 Hefte berechnetenWerkes mit Müh' und Noth vielleicht in weiteren 18Jahren erleben, falls man nicht vorder die Geduld ver-liert und das Abonnement aufgibt. Nennt man dies seinVersprechen halten? Denn wenn das Manuskript abge-schlossen ist, liegt die Schuld an der Verschleppung dochoffenbar nur an der Verlagshandlung. Diese könnte sichein gutes Beispiel nehmen an Hinrichs in Leipzig , bei demdie vermehrte und umgearbeitete 4. Auflage von Overbeckszweibändiger Geschichte der griech. Plastik in unglaublichkurzer Zeit erschienen ist. Wenn der Verlag der Knhn'schenKunstgeschichte zu einem schnelleren Tempo veranlaßtwerden soll, wird es nothwendig sein, daß noch mehrSubskribenten gegen die unerträgliche Langsamkeit in Er-füllung seines Versprechens energisch protesüren. Or.

Emin, Mehemed Esendi, Cultur und Humanität.

Völkerpsychologische und politische Untersuchungen.

8°. II-i-168 SS. M.3,60. Würzburg . Stahcl 1397.

Ein bei der gegenwärtigen Orientkrisis be-sonders beachteuswerthes Buch! An die höchsten Idealeder europäischen CulturmenschheitCultur und Humani-tät" legt der Verfasser dieses Buches die kritische Sonde.Das Ergebniß, zu dem er gelangt, entspricht zumeist nichtden modernen Anschauungen, verdient aber volle Be-achtung. Besonders eingehend behandelt der Verfasserden Grundsatz der Gleichberechtigung der Menschen (ohneUnterschied der Rasse, Nationalität, Religion und Klasse),welcher niemals vollkommen durchführbar sei undwenigstens zum großen Theil allerorts ein todterBuchstabe bleiben müsse.

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.