Hansen reiste nun später nach Australien und ex-periinentirte daselbst viel und mit großem Erfolge, —aber immer nur in Bekanntenkreisen. Da sollte er plötz-lich zu öffentlichem Auftreten veranlaßt werden.
Es geschah dies zu Ballarat in Australien . Da-selbst leitete ein sehr schlauer Dankee das Theater. Der-selbe hatte nun einmal Gelegenheit, die Versuche Hansenszu beobachten, und kam, da er ein Muster von „8martne88"war, hicdurch auf eine Idee, die er sogleich zu realisirenbeschloß.
Zu seinem Erstaunen erhielt Hansen eines Tagesseinen Besuch und wurde gebeten» öffentlich gegen hohesHonorar als Magnetiseur aufzutreten. Der junge Hansenüberlegte eine Weile und willigte dann ein. — Wider Er-warten erzielte er die größten Erfolge.
Die „Hansensuggestion", welche durch die „smartneW"einesHankee in Australien hervorgerufen wurde, verpflanztesich bald nach Europa, speciell nach England , wohin sichHansen später begab. Dort wie in allen andern LändernEuropas , die er besuchte, fanden sich für seine Vorstell-ungen meist mehr Besucher, als die Säle fassen konnten.Nach und nach sammelte er seine Erfahrungen, allerdingsnicht ohne vielfache Anfeindung und Opposition von Seitesolcher, welchen die neuen Experimente nicht in ihr Systempaßten. Er wußte jedoch diesen, wie seinerzeit in Berlin ,wo er den Aerzten und Vertretern der Presse durch ge-lungene Versuche an ihnen selbst bewies, daß Suggestionund Hypnose möglich wären, mit viel Humor und Umsichtentgegenzuwirken.
Während seines Auftretens in Wien im Jahre 1880hatte er vielen Angriffen zu begegnen. Mehrere Personenerklärten bei einer Vorstellung, daß seine „Medien" mitihm im Einverständniß und bezahlt wären. Unter andernkam auch der Assistent der Chemie an der TechnischenHochschule, Heinrich Fischer, zu ihm auf die Bühne undrief, als Hansen ihm ohne Erfolg suggerirte, die Augenzu schließen: „Herr Professor! Sie sind ein Schwindler;bei der Probe habe ich nur auf Ihren Wunsch die Augengeschlossen, um Sie später entlarven zu können." Hieraufentstand im Theater eine so große Aufregung, daß dieVorstellung abgebrochen werden mußte, und Hansen stelltegegen Fischer Beleidigungsklage. Er setzte aber die Vor-stellungen im Ringthcater noch einige Wochen fort, wobeies aber immer zu stürmischen Auftritten kam, da dasPublikum theils für, theils gegen Hansen Partei ergriff.Wegen der Beleidigungsklage wurde ein großer Prozeßgeführt, der mehrere Tage dauerte und in dem die Ge-richtSpsychiater Dr. Ferroni und I)r. Rüben sehr rcservirteind skeptische Gutachten abgaben. Er endete mit FischersFreisprechung, worauf Hansen nach Budapest ging, umdort noch größere Opposition zu finden.
Es hatten aber anderseits bedeutende Gelehrte, dieallerdings vom Materialismus nichts mehr wissen wollten,wie die Professoren Zöllner und Fechner, auch Geheim-rath Professor Dr. Thicrsch, sich entschieden auf seineSeite gestellt und seine Rechtfertigung unternommen, ehedurch die endgültige Anerkennung des Hypnotismns durchdie moderne Wissenschaft auch die endgültige Lösung derFrage, ob Hansen ein Schwindler sei, erfolgte. Das;man aber aus hygienischen und psychologischen Rücksichtenseinen öffentlichen Experimenten entgegentrat, ist mit den
Pflanze fand und sich ein Decoct davon machen ließ, das,wie er behauptet, seine Genesung herbeiführte. Hiedurchwill er zu den Versuchen veranlaßt worden sein, auchandern auf ähnliche Weise zu helfen.
Forschungen über die Gefahren der Hypnose in Zusammen-hang zu bringen.
Die Zahl seiner Experimente ist die höchste, diebisher von einem Hypnotiseur erreicht wurde. Hansenhypnotisirtc circa 35,000 Personen, während Vernhcimnur cira 20,000 Fälle beobachtet haben soll.
Hansen unterscheidet drei Arten von Hypnose. Erstensnimmt er eine spontane Hypnose an, welche Wochen hin-durch, aber auch nur einige Minuten lang dauern kann.Für sie kann man scheinbar keine äußere und innere Ur-sache finden. Eine solche muß aber doch vorhanden sein.Wie eine äußere z. B. bei der Kataplexie (Schrecklähmung)sich erweisen läßt, müssen bei näherer Nachforschung gewißbesonders innere psychologische Vorgänge sich als Ver-anlassung ergeben.
Die zweite Art Hansens, die Autohypnose, d. h. die-jenige, welche selbst hervorgerufen wird, kann vor allemdurch anhaltende Gedankcnconcentration verursacht werden.Die natürlichen Somnambulen vieler Völker, z. B. dieindischen Jagis (die übrigens die Hypnose auch durchStarrenlaffen in die Sonne oder in den Mond herbei-führen), sowie die mohammedanischen Fakire, sind hiefürBeispiele.
Die dritte Art sodann, welcher Hansen einen eigenenNamen gab, ist die „inducirte" (eingeführte) Hypnose.Es ist diejenige, welche durch anhaltende Frcmdsuggestiouoder magnetische Einwirkung erzeugt wird. ^)
(Fortsetzung folgt.)
Christliche Knnstintereffen.
Kirchenrcstaurirungen in Bayern .)
(Schluß.)
P. k. Es fehlt heutigen Tages freilich für kirch-liche Kunstzwccke immer an den nothwendigen Geld-mitteln. Am meisten soll aber stets an den Aufgabenfür Werke der bildenden Kunst gespart werden. Dahergreift man selten nach den ctivas theurern (oder auchnicht theurern) bessern Kräften, und wenn es geschieht»verlangt man nur dekorative Schnellarbeit, so daß derArchitekt, wenn er auf solide Durchführung dringt, mitdem ausführenden Künstler ins Gedränge kommen muß.
°) Ich lasse hier die genaue Unterscheidung der hyp-nosigenen Mittel folgen, die Gerster in der „Psychologieder Suggestion" vorgenommen hat. Er theilt sie folgender-maßen ein:
I. Rein psychische Beeinflussung durch Real- undVerbalfuggestionen.
II. Somalische Mittel, welche theils an sich die Hyp-nose erzeugen, theils die psychische Beeinflussung unter-stützen.
1. Mittel, welche reizend, ermüdend, lähmend auf einoder mehrere Sinnesorgane einwirken, und zwar auf
a) den Gesichtssinn (Starrenlaffen mit oder ohneObjekt),
b) den Gehörsinn (Metronom, Uhrticken, Rauschen,Tropsenfallen, eintöniges Vorlesen),
e) den Geruchssinn (Chloroform, Aether, Moschus.Parfum),
ä) den Geschmacksinn (Psefferminzzeltchcn)(?),e) den Hautgcfühlsinn (Streichen oder Reiben einerHautpartie).
2. Mittel, welche die Funktion der Sinnesorgane vonvornherein ablenken. (Verdunkelung des Zimmers,Schließen der Augen, schalldämpfende Vorrichtungen,Schließen der Gchörgänge mit Antiphoncn.
3. Mittel, welche toxisch eine für die Erhöhung der Sug-gestibilität (und damit für das Eintreten der Hypnose)günstige psychische Stimmung hervorrufen. (Alkohol,Narcoiiea in kleinen Dosen.)