Ausgabe 
(8.5.1897) 25
 
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erzeugt haben.?) Von Wolfram sollen Konrad I. , Erz-bischof von Salzburg , Otto von Ambsperg und Wolframvon Abenberg entsprossen sein und von dem letzteren wiederRapotho vom Ambsperg, der Vogt Bambergs, undGebhard von Aüensberg abstammen.

Sieht man sich dagegen die vita Olninrafii arofii-episcopi Lalisbnrgensis in den vorhandenen Ausgabenvon Pez und Wattenbach sowie in der neuerlich vonvr. Lindauer am k. Luitpoldsgymnasinm in der k. Hof-und Staatsbibliothek aufgefundenen RaitenhaslacherHandschrift des Cisterziensers Jo. Konrad Tachler ausdem Jahre 1612 etwas näher an, so resultirt aus derErzählung des Erzbischofs und seines Biographen das-jenige durchaus nicht, was uns Aveutin daraus beweisenbezw. plausibel machen wollte.

Die Nachrichten und Daten über den Urgroß-vater des Erzbischofs mütterlicherseits, welcherauS mehreren (nach Avcntin zwei) Frauen dreißig (nachAventin ut 6r,mu retort 32) Söhne und 8 Töchter er-zielt hatte, will der vielgereiste Magister in Welten-burg und Salzburg aufgefunden und zusammen-gelesen haben; es kann auch nach dem Texte seinerAnnalen kein Zweifel darüber bestehen, daß er eine derSalzburgcr Handschriften, wie sie Pez ^ und Watten-bach b) veröffentlicht haben, eingesehen und excerpirt odervielleicht ganz abgeschrieben hat; allein das Phantasie-gebilde, welches er über die Genealogie der Grafen vonAbinberg und Babo, den mütterlichen Ahn und Urgroß-vater des Erzbischofs, entworfen und zum Besten ge-geben, hat man bisher in den Urkunden, in der vitaOdunraäi selbst und in den Nekrologien von Weltenburg vergeblich und ohne allen Erfolg gesucht.

Erzbischof Konrad I. von Salzburg leitete seineAbkunft von dem erlauchten Stamme der Fürsten desBayerlandes her,") da er der Bruder Otto's undWolframs, der überaus berühmten Männer und Grafengewesen, von denen der eine ohne Kinder verstorbenist, der andere den Grasen Rapoto von Abinperch, denVogt des Bisthnms Vamberg, von der Schwester desMarkgrafen Diepold als Erben hinterlassen hat.

Von Rapoto II. erscheint 1127 und 1129 urkund-lich ein Graf Otto als Vogt der Kirche von Vamberg;ich habe deßhalb und wegen des Sprachgebrauches, dessensich der Biograph des Erzbischofs mit alter und alteran einer andern Stelle bedient hat, angenommen, daßWolfram III. ohne Kinder gestorben und Rapoto II.,der Sohn Otto's II., die Erbschaft seines Vaters imJahre 1130 angetreten hat. Mag nun Otto II. oderWolfram III. der Vater Rapoto's II. gewesen sein,jedenfalls weiß die beglaubigte Geschichte nichts davon,daß Rapoto (II.) von Abinberg und Graf Geb-hard von Abensberg Bruder gewesen, wie solchesAventin behauptet hat?')

Otto II. war mit Hedwig, der Schwester des

?) Hinwies Loioi'nm (1554) I. o. A- 5 oben. IV oIt-ramo orli Oouraäus Primas, ^rollim^stes äuva-vsusis, Otto UmbsporK'OQsis, VVolkraiuus Xdu-Linus. iVd Ime nasenntur KapotIio LamderZas ouratorst Osdliaräus ^bnsinus.

*) WIiesLnr. aiiseäot. tom. II part. HI p. 219/20.

°) lU. O. 88. XI, 62.

'") Xx illnstri priiwipum Oavanas proviuoias stsm-

matv oriKinsm clnxit. Vita Olmnraäi o. 1. Der Raitcn-haslachcr vita fehlt stsmmats, am Rande hat Tachlerpro,»eiiis beiaescfit.

") Siehe A.'7.

Markgrafen Diepold von Vohburg (nicht Banz),vermählt, und ihrer Ehe sind entsprossen Rapoto II.(11301172), Hedwig und Bischof Reinhard vonWnrzburg (1171-1194).

Ich habe die urkundlichen und traditionellen Nach-weise für alle diese Positionen in dem ManuskripteDie Grafen von Abenberg rc. 1890" beigebracht,")kann sie aber, weil sie zuviel Raum in Anspruch nehmen,hier nicht wiederholen; es dürfte übrigens genügen, wennich auf die Grafen von Abenberg aus dem Jahre 1869sowie auf die berichtigte Stammreihe dieser Grafen amSchlüsse verweise und dazu bemerke, daß der NameReinhard in der noch immer arg vernachlässigtenälteren Genealogie der Grasen von Vohbnrg vorkommtund wahrscheinlich von der Markgräfin Hedwig nachAbenberg übertragen worden ist.

Diese urkundlichen und den besten Schriftqnellen ent-nommenen Nachweise nennt Hirschmann in wegwerfendemTonegenealogische Vermuthungen" (1897, 6, 45) underwartet wohl gar, daß ich meine schweren genealogischenSünden renmüthig bekennen und nach den traditio-nellen Aufzeichnungen der Lokalforscher Prieferund Koch über die selige Stilln verbessern d. h. nachSkriptoren Correctur eintreten lassen solle, welche eigent-lich nur Aventin und den jüngeren Spalatin (WolfgangBauerAgricola von Spalt) ab-und nachgeschrieben haben.

Kehren wir nicht zu Aventin und Spalatin demjüngeru, sondern zu dem Biographen des Erzbischofszurück, so muß als Mutter Konrads. Otto's II.und Wolframs III. eine ungenannte Burg-gräfin von Negcnsburg") schon deßwegen fest-gehalten werden, weil der Biograph als Sohn desOheims der genannten Grafen d. h. als Mnttcr-bruderssohn derselben den Präfckten Otto seniorvon Regensburg und als Mutterschwestersohn denGrafen Heinrich von Lechsgemünd, den Vater jenesHeinrich, welcher 1170/76 (Abfassungszeit der Vita) nocham Leben war, bezeichnet hat. Burggraf Otto seniorvon Regensburg , Heinrich Graf von Lechsgemünd, derStifter des Klosters Kaisersheim (Kaisheim ), und dievorhin genannten Grafen von Abenberg waren demnachGeschwisterkinder und bildeten unter sich die nächsteAnverwandtschaft.

Wenn der Biograph des Erzbischofs, anknüpfendan diese edelste Blutsverwandtschaft, sodann noch davongesprochen hat, daß der Erzbischof mütterlicherseitsd. h. auf Seite seiner wiederholt betonten Cog nationauch einen Ahn (avuw) gehabt habe Namens Babo,")der zwar etwas niedriger gestellt, gleichwohl eine leuchtendeund glänzende Nachkommenschaft gehabt habe, welche inFolge ihrer großen Anzahl nicht allein Bayern undKörnten, sondern auch Ost- und Rheinfranken inBesitz genommen, so kann hierunter nur der Urgroß-vater des Erzbischofs mütterlicherseits, mithinnur ein Graf Babo von Nüdeuburg-Stcfaning-Abensberg

") Leider hat sich zur Herausgabe derselben noch keinLIaessuas oder Verleger finden lassen.

") Vita Oliunraäi eax. 1. krasksotus guogueUatispoususis Otto 8enior ^vuuouli ejuskilius t'uit. Lsnrious guogus äs I-sodss-As mun äs, pater illius Usurioi, rpii aätiuo supsrsst,«x inatsrtsra ejus iispos sxtitit. Die Biographiewurde nach Riezler (Gesch. Bayerns 1,798) zwischen 1170u. 1176 abgefaßt.

") Lvum Iiaduit Lada nein uomins, äs eujusInnidis exeermit triKiota ütü st ovto üliao, vuuies exlibsris inatridus Aenitas. Vita Olinuraäi.