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oder vorn Lhiem- und Zeidlarugau verstunden werden.'°)Jener Grus Babo, von welchem der Erzbischof selbst er-zählt, daß er 30 Söhne und 8 Töchter aus freien Frauenerzielte, gehört ohne Zweifel zu der landgräflichfn Familieder Rcgensburger Grafen, ob sich derselbe aber nachAbensberg *°) genannt hat, geht aus der Vita 6stun-raäi nicht hervor.
Daß Lvus in der vita Odunracü mit „Ahn" oder„Urgroßvater" übersetzt werden muß, dürfte schon darauszu entnehmen sein, daß als mütterlicher Großvater desErzbischofs nur Burggraf Heinrich I. oder dessen BruderBabo II. von Regensburg- Stefaning angenommen werdenkann, die beide circa 1070 bereits gestorben waren, eineso zahlreiche Nachkommenschaft aber nicht gehabt haben,wie sie von dem Erzbischof behauptet worden ist.
Dem verdienten Verfasser der bayerischen Geschichte,vr. Andreas Büchner, welcher von mehreren Con-cubinen Babo's gesprochen, und ^dem Herrn Ritterv. Lang,") welcher die Erzählung des Erzbischofs undseines Biographen für eine Fabel erklärt hat, binich mit einiger Ironie unter Bezugnahme auf die Ger-mania des Tacitus, die Schilderung mittelalterlicherFrauen bei Wolfram von Eschenbach und einen saftigenAnsspruch unseres größten Juristen des vorigen Jahr-hunderts, Kreittmayrs, entschieden entgegengetreten,") undhabe ich hier nicht bloß alle namhafteren bayerischen Ge-schichtsforscher (Scholliner, Nagel, Koch-Stcrnfeld u. s. w.)auf meiner- Seite, sondern vor Allen und an erster Stelleden großen Erzbischof und dessen Biographen, welche andie uugemein zahlreiche Nachkommenschaft des markigenRecken nicht bloß geglaubt, sondern sie ausdrücklich be-stätigt haben.
Der Erzbischof sowohl wie sein Biograph (GeroAucr?, der erste Abt von Naitcnhaslach?), beide habenzwischen den Agnaten und Cognaten des erlauchtenGrafenhans es Abcnberg genau unterschieden, wasAventin und sein Gefolge leider nicht mehr gethan hat,so daß man über 3^/zhundert Jahre lang seinem Geleisefolgend in der Irre umhergcwandelt ist und seine Pfadeheute noch nicht ganz verlassen hat, weil man sich vonseinem Baun- und Zauberkreise eben nicht mehr loslösenund befreien konnte oder es nicht wollte.
Der Lokalpatriotismus hat unsern vielgcehrten undgepriesenen Geschichtschreiber von Abeusbcrg verleitet,zwischen Abenberg und Abensberg d. h. zwischenden nach diesen Orten genannten Grafen eine Geschlechts-gemeinschaft anzunehmen, die niemals be-standen hat. Man wird dagegen mit dem ErzbischofKonrad I. von Salzburg und dein Biographen desselbenzwischen Agnaten und Cognaten der Grafenvon Abcnberg wieder genau unterscheidenmüssen. Geschieht dieses, dann werden sich die Contro-versen, welche Aventin veranlaßt hat, sofort beilegenlassen und keine weiteren Preisfragen mehr zu lösen sein.
Loh. Ev. Ritter von Koch-Sternfeld , der letzte nam-hafte Vertheidiger der aventinischen Tradition, hat in seiner
'°) Vergl. Grafen von Abenberg 1869 S. 3 ff.
") Der Eintrag im Kloster Weltenburg (beim Oz'elusdes Jahres 1058) III Kon. Nnrtii (5. März) Lnbo Oomooeum XXX tiliis et VII tlliabus und im Nekrologe desKlosters s. Lmmeram zn Regensburg II Xoims Llartii(6. März) nennt Abensberg nicht.
") Karl Heinrich von Lang über die Fabel vondes Grafen Babo von Abensberg dreißig Söhnen.München 1813.
altgefeyerten Dynastie des Babo von Abensberg be-merkt: *") „Das älteste Manuskript des LioZraphugEonracii I. araüiexmcopi hatte B. Pez zu Raiten-haslach aufgefunden. Das war auch die letzte Stiftungdes Erzbischofs (1146) und seiner Stammgenosscn;"allein hiegegen ist zn bemerken, daß k. Bernhard Pez allerdings Wissenschaft davon gehabt hat, daß das Cistcr-zienserklostcr Naitcnhaslach bei Burghausen die vita Oon-rucii besitze, 20 ) daß jedoch seine Ausgabe einer Handschriftdes Beucdiktinerklosters o. Peter in Salzburg entnommeu ist, hat er uns am angeführten Orte selbstbezeugt.
Die sehr interessante neue, von Dr. Lindauer auf-gefundene Naitcnhaslacher Handschrift der vita, Obunrackibefindet sich in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek inMünchen in dem Ooä. M8?>) Lnnalcw Raittenlirwlg,-0611818 M0llU8t6rii 6X cckartaeeo 6a.2ophxIaoio erutia I?. flv. Ovnr. 'I'aclilvr anno ÄIO6XII Lara primnxriA. 15 — 39. Dieselbe ist sehr schön und zierlich incontinuo und ohne Capiteleinthcilung geschrieben, mit-unter, jedoch nicht sehr häufig, sind Correcturen daranvon dem Abschreiber vorgenommen worden. Ich habesie mit den Ausgaben von Pez und Wattcnbach genauverglichen und sehr viele Abweichungen und bessere Lese-arten gefunden, weßhalb sie den früheren Ausgaben nachSalzburger Handschriften vorzuziehen sein dürfte. DieVeröffentlichung mit guter deutscher Uebersetzung, etwain den monumentm Loicio, würde Vieles zur Klärungdes wirklichen Sachverhaltes und Sicherstellung der Genea-logien der Grafen von Abenberg und Lcchsgemünd, derMarkgrafen von Vohburg und der Burggrafen von Ne-gensburg beizutragen vermögen. Die Ansicht Avcntinsaber, welche Hansiz^ und unzählige Andere nachge-schrieben und weiterverbreitet haben, muß endlich auf-gegeben werden, weil sie dem Biographen des Erzbischofsund der Wahrheit nicht entspricht.
(Fortsetzung folgt.)
Die Vorbildung des Klerus zunächst in Bayern .
(Fortsetzung.)
6 Dem Studium der Philosophie muß ergänzend andie Seite treten das Studium der Geschichte derPhilosophie, lind welch umfassendes Gebiet schließtnickt auch diese ein! Zwei große Perioden hat der Lehrerzu durchwandern, die eine beginnend im grauen Alter-thum, die andere abschließend mit unseren Tagen. Wasist nicht alles zn sagen von Aristoteles und Plato allein,von diesen beiden größten Denkern der vorchristlichen Zeit,welche ihrerseits wieder die christlichen Philosophen be-einflußt haben! Aristoteles und Plato und ihre Schulensind auf dem Wege des discursiven Denkens zu vielenWahrheiten vorgedrungen, aber gerade auf dem Gebieteder höchsten Wahrheiten fehlt es auch bei ihnen nicht anmannigfachen und weitgehenden Irrthümern. Was istnicht alles zu sagen von der Philosophie der Kirchen-väter, dieser Periode der Genesis der christlichen Philo -
") Regensburg 1857 bei Gg. Jos. Mauz S 6. Ichhabe diese Notiz in meine Grafen von Abenberg 1869S. 6 A. 15 hernbcrgenommcn.
"") Pez hatte diese Nachricht der Netropolio Salis-burg'cmsis unseres Hund entnommen. Vergl. vissortatioisaM^iea, in tom. II. ^ueollot. blov., wo sich auch derinteressante Brief des Abtes Emanuel vorn 6. Dezember1719 findet.
-') (lock. bav. 916. voll. lat. 1912.
") Oeiinania, «acra II, 202. 0 riKc> generis erLrineipibns Leb^reusidns, gnibns Lollie snpor-snnt IVittelspaobii Rnvsrias lluees. H.bavusOonralli knit, Labs Lelrznornm krinceps. Xvu«trillern Laba et Rorae llxnasts. . . .