Ausgabe 
(2.6.1897) 31
 
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die Frau Proele für sich ins Feld führt. Soldaten lagenallerdings auch dort, und zwar ziemlich viele; aber es warauch Platz genug für sie da in einer besonderen Abtheil-ung. mehr als in der alten Davidsbura. da die Räumlich-keiten einer ganzen Stadt glichen. Dazu hatte sie denVorzug einer so großen Festigkeit, daß die Römer siegar nicht anzugreifen wagten, sondern lieber ungemeinschwierige Dämme durch den Teich errichteten und nebender Burg durch die Mauer des Tempelplatzes eindrangen.Warum sollte Pilatus, der gewaltthätige und rücksichts-lose Mann, einen so einladenden Vortheil nicht erkanntund benutzt haben? Warum so engherzig sein und ihmblos eine einzige Wohnung zu lassen? Herrscher habenauch sonst mehrere Wohnungen und wählen sie. Kaiphashatte außer seinem Hause auf dem Sion seine Amts-wohnung im Nathhause. Pilatus war nicht so unklugwie Sabinus oder gar Festus, der sich auf die Antoniaretten wollte, aber nicht konnte. Gegen ihn wagten auchdie Juden keinen Aufruhr (nur Galiläer, Parteigängerdes Herodcs, versuchten einen Putsch, der aber kläglichmißlang), sondern ergriffen das Mittel der Anklage beimKaiser.

Die Civilvcrwaltung bei den Juden war damals demHohenpriester und seinem Beirathe überlassen. DenOberbefehl über das Militär aber gab kein Statthalteraus der Hand. Aus den Evangelien geht unzweideutighervor, daß er die ganze Cohorte zur Verfügung hatteund zur Geißelung sofort verwendete. Ebenso hatte ervorher die Galiläer im Tempel niederhauen lassen, waszur bekannten Feindschaft mit Herodes führte. Geradevon diesem Oberbefehl, welcher Ünterbefehlshaber natür-lich nicht aus-, sondern einschließt, rührt der NamePrätorium her, an den sich dann der BegriffRichthaus"knüpfte. Jener Name eignet eigentlich mir dem Stand-gnartier, und das war die Antonia. Dahin also (in xras-torium) führte man den göttlichen Heiland (Joh . 18, 28).Uebrigcns ließen es sich die Statthalter nicht nehmen,zu richten, wo sie wollten; Pilatus richtete einmal in derRennbahn. (Jos. II. 9.) Das ist das Prätorium, welchesnach dem heiligen Cyrillns zerstört wurde. Warum dennnicht? Berichtet ja auch Fl. Josephus , daß die Antoniageschleift wurde, und Christus der Herr sagte, daß keinStein auf dem andern bleiben werde. vr. Scpp willjetzt glauben machen, daß das Serail in der ehemaligenBurg dcii Anlaß gab, die Wohnung des Pilatus dort zusuchen. Es ist schon viel, daß er die Beschuldigung gegendie Franziskaner nicht mehr aufrecht erhält. Allein dieTradition für die Antonia bestand schon Jahrhundertelang vor den Muhamedanern. Der Kaiser Heraklius(628) fing auch seine Krenztragung dort an. Den nahenTeich habe ich keineswegs Israel, sondern Jsrain genannt,wiewobl Banrath Schick, der 60 Jahre lang schon inJerusalem wohnt, und Andere ihn so nennen. Es istauch nicht einzusehen, warum die Türken das aus demPersischen entlehnte und noch gebrauchte Wort Serai(Konstantinopel) sollten in Jsrain verwandelt haben.Labe auch mit keinem Worte gesagt, daß Pilatus denPalast des Herodes das ganze Jahr habe leer stehenlassen?) Habe kein Wort gesagt, daß auf dem Sion auchein Lithostrotns gewesen sei, sondern gerade das Gegen-theil. Ob der Leoo Homo - Bogen von der Antonia oder demTriumphbogen des Hadrian herrührt, ist nicht mehr aus-zumachen, ledenfalls zeugt er von der Tradition in jenerGegend. Diese lag zwar außerhalb der zweiten Mauer,aber in der stark bevölkerten Neustadt, welche später vonNgrippa auch noch mit einer Mauer umfangen wurde?*)Tobler hat sich mit der Frage gar nicht besaßt." Dieseserweckt den Schein, als wenn meine Angabe erfundenwäre. Mit der Streitfrage hat er sich freilich nicht be-faßt, dafür habe ich ihn anch nicht angezogen, wohl abermit der Topographie des Kreuzweges, wie nicht leicht einzweiter; in seiner Topographie von Jerusalem Band ISeite 220267. Die angeführte Aeußerung steht S. 26-1.Dinge, welche der Gegner nicht behauptet hat, lassen sich

") Es wäre zuviel zu behaupten, daß Pilatus nie-mals im Westen Wohnung genommen; aber noch vielmehr, daß er nie, besonders in kritischen Zeiten, die An-tonia benutzt habe.

I Das Thor Benjamin war eher auf der Nord-vstscite.

leicht widerlegen. Noch bequemer ist es, ex outbeär»Jeden mit dem unfehlbaren Anathem zu belege», der dasGegentheil behauptet.

Recensionen nnd Notizen.

Geschichte der Weltliteratur von Alex. Baum-gartn er. 8. ?. Frciburg. Herder. 1897. 8°. Bd. I.Lieferung 1 u. 2. L 1 M. 20 Pfg.

8 Dieses Werk will in allgemein verständlicher, an-ziehender Form eine ausführlichere Darstellung der ge-stimmten Weltliteratur geben, als sie, wegen engerer Be-grenzung des Raumes, bisher von ähnlichen Werten ge-boten werden konnte. Es ist auf 6 Bände berechnet:I. die Literatur Westasiens nnd der Nilländer; II. dieLiteraturen Indiens und Ostasiens; III. die griechischeund lateinische Literatur des klassischen Alterthums undder späteren Zeiten; IV. die Literatur der romanischenVölker: V. die Literaturen der nordgermanischen undslavischen Völker; VI. die deutsche Literatur. Währenddiese Hauptgruppirung vorzüglich der sprachlichen, natio-nalen und religiösen Zusammengehörigkeit der verschiedenenLiteraturen Rechnung trägt, wird die weitere Gliederungauch die zeitliche Aufeinanderfolge und den gegenseitigenEinfluß derselben in Betracht ziehen. Poetische Probensollen die Darstellung beleben, und genaue Literaturnach-weise werden es dem Leser ermöglichen, sich in derSpecialliteratnr der einzelnen Gebiete zurechtzufinden.Dem religiösen Moment, als dem tiefgreifendsten imGeistesleben der Völker, ist die ihm gebührende Stelle ge-wahrt. Die zwei ersten Bände, welche die sämmtlichenLiteraturen des Orients umfassen und kür sich schoneinigermaßen ein selbstständiges Ganze bilden, liegen imManuskript druckfertig vor und werden noch im Lausedieses Jahres erscheinen. Für die anderen Bünde sindbereits ausgedehnte Vorarbeiten vorhanden, so daß die-selben im Laufe der nächsten Jahre werden nachfolgenkönnen. Jeder der Bände bildet ein für sich abgeschlossenesGanze und wird auch einzeln käuflich sein. Der ersteBand wird in circa 7 Lieferungen von durchschnittlich5 Bogen zum Preise von 1 M. 20 Pfg. pro Lieferungausgegeben. Der Name des Autors erweckt wie kaumein anderer Vertrauen, denn der Verfasser hat Probenseines Wissens und Könnens in den mannigfachstenEinzelstudien bereits gegeben. Das Werk verfolgt zwarim allgemeinen das gleiche Ziel mit der Literaturgeschichtevon Norrenbcrg-Macke. Allein Grundlage undRahmen sind, wie die vorliegenden zwei Lieferungen er-kennen lassen, viel breiter und weiter. Die Darstellungfolgt der Methode Janssen's. Wenn der 1. Band ab-geschlossen ist, werden wir ausführlicher darauf zurück-kommen; für heute möchten wir die Aufmerksamkeit desLeserkreises derA. Postzeitung" auf das monumentaleUnternehmen hinlenken nnd die Anschaffung desselbenaufs Wärmste empfehlen! .

Dr. L. (Zur Canisins-Feier.) Unter den zahl-reichen Festschrifen zum 300jährigen Gedächtnisse des sel.Petrus Canisius nimmt das von Präses I. B. Mehl erin Regensburg im Selbstverläge herausgegebenehandliche Büchlein (136 Seiten Kl.-Oktav) eine der erstenStellen ein. Namentlich den bayerischenKatholikenist diese volksthümlich gefaßte, von edler Begeisterung ge-tragene und zum Herzen gehende Schrift des rühmlich be-kannten Verfassers auf's allerwärmste zu empfehlen. Mitbesonderer Liebe nnd Ausführlichkeit schildert Mehlcr dassegensreiche Wirken des großen Jesuiten in Bauern undseine Verdienste um die Erhaltung des kathol. Glaubensin großen Theilen des heutigen Königreiches Bauern, inOesterreich und der Schweiz. Der sel. Petrus Canisius war nach den Wirren der Reformation in Wahrheit derApostel Deutschlands. Der Rhein und der Main hörtenseine Stimme, und die Berge Tirols vernahmen seineWorte; Böhmen sah ihn auf der Kanzel, Schwaben widerhallte von seinem Lobe. Das schöne Bauerlandblieb durch ihn und seine Ordcnsgcnossen der katholischenKirche treu; in Oesterreich und der Schweiz streute erreichlichen Samen aus. Wien und Prag, München nndJngolstadt, Altölting, Landshnt, Straubing, "Augsburg und Dillingen, Rcgcnsburg und Würzbnrg; Worms .Freiburg im Brcisgan. Trier, Köln. Mainz . Straßbnrg,