Haslach, Prediger in Dillingcn, welcher jedoch den ver-langten Eld leistete; ferner die Prediger Speiser undFrosch in Augsburg , bei welchen sich aber das Dom-kapitel einem Einschreiten des Bischofs mit Erfolg wider-setzte. Nur von Aqnila wissen wir, daß er gesanglicheingezogen wurde und zu einem Widerruf wohl nie wärezn bestimmen gewesen. Dazu kommt, daß wir Aqnilaalsbald nach der Dillinger Affaire in Beziehungen zuKnrsachsen finden. Noch im Sommer 1523 ließ er einePredigt zu Zwickau in Druck gehen; im folgenden Jahreaber lehrte er an der Universität Wittenberg Hebräischund versah sehr wahrscheinlich zugleich das Amt einesPredigers in der Schloßkirche daselbst (Schlegel 146).Sodann findet gerade in einem unrühmlichen Ende derHaft, wie es in der widerrechtlichen Entfernung durchFlucht gegeben war, das Bedürfniß und Bestreben nachVerherrlichung dieser Haftbefreiung seine Erklärung.Endlich — und das ist charakteristisch für Legenden-bildungen — ist in dem Berichte des Ritters und in demBerichte Liebe's ein gemeinsamer Zug enthalten, welcherfür die Beziehung des erstgenannten Berichtes auf Aqnilaspricht, nämlich die Erledigung aus der Haft im letztenMoment — dort am Vorabend vor der Äbschwörnng,hier am Vorabend vor der Hinrichtung.
Wenn nun, wie es als in hohem, Grade'wahr-,scheinlich bezeichnet werden mutz, Hans von der Planitz in seinem Briefe von Aquila spricht, so ist es klar, daßdessen Haft in Dillingen lediglich eine Untersuchungshaftwar, welche wohl kaum ein halbes Jahr lang und darübergedauert hat, und daß das Ende derselben nicht durchdie an sich unwahrscheinliche hohe Intervention, sonderndurch Flucht herbeigeführt wurde.
Selbstredend wurde Aquila nach diesen Vorgängenseiner Pfarrei kanonisch entsetzt. Später, als Aquila beiGelegenheit des Augsbnrger Reichstages 1530 mit BischofChristoph zusammentraf und diesem nicht mehr als un-botmäßiger Diöcesanpriester, sondern als Superintendentvon Saalfeld gegenüberstand, erfuhr er von Seite desBischofs eine ehrenvolle Aufnahme. Freilich hatte sichunterdessen auch Christoph von Stadion selbst innerlichdem Protestantismus mehr genähert.
vr. A. Schröder, Domvikar.
Die ehemalige Stiftskirche zum heiligen Geistuud die Lib1iotd66L kg-lLtina in Heidelberg .
Von Frz. Jac. Schrnitt, Architekt in München .
(Schluß.)
Zwei steinerne Wendeltreppen sind für die nördlicheund südliche Bibliothek-Empore ausgebaut und warensowohl von außen als auch vom Innern der Kirche zu-gänglich. Die zwei Emporen sind in einer Höhe von11 Metern über dem heutigen Kirchenfnßboden angelegt;in solcher Höhe würde man keine derartige bauliche An-lage gemacht haben, wenn es sich für die Besucher umAssistenz bei dem im Chöre stattfindenden Gottesdienstgehandelt hätte. Für die Bibliothekzwecke aber war esgeradezu ein großer Vortheil, möglichst abgeschieden undungestört von den im unteren Theile der Kirche vor sichgehenden Funktionen zu bleiben. Die unteren mit Kreuz-gewölben aus Sandsteinrippcn überdeckten Seitenschiffehaben ihre für sich abgeschlossenen, mehrtheiligen, gothischenStab- und Maßwerksfenstcr, und ebenso entsprechen denzwei oberen Emporen ganz gleiche Fenster, welche sich
über besonderen Kaffgesimscn erheben. Hätte man cSmit einer nachträglichen Bcnianlagc zu thun, so würdendie Fenster der Höhe nach ungethcilt von unten bis obendurchlaufen, wie es auch wirklich beim Chöre der Heilig-geist-Kirche zur Ausführung gekommen ist. Seitlich vomWestthurme hat sich bis zum heutigen Tage ein ebenfallsgewölbtes Bibliothekzimmer erhalten, das einen schlichtenKamin enthält; hier haben wir also den heizbaren Stndir-ranni für die kalten Tage des Jahres. Bei der 1886gelegentlich der 500jährigen Univcrsitätsfeier stattgehabtenRestauration der Heiliggeist-Kirche durch den Gr. Bad.Baurath Hermann Behage! in Heidelberg wurden an denachteckigen Pfeilern der zwei Emporen, gegen das Mittel-schiff, noch die Spuren ehemaliger Verglasnug gefunden.Möglich, daß diese sich an einen aus gothischem Stab-und Maßwerk anschließenden Einbau fügte, ivie solchesan vielen mittelalterlichen Kreuzgängen heute noch be-obachtet werden kann. Auch Neste kleinerer Kunstgegen-stände in Terrakotta fanden sich bei der in Rede stehen-den Restauration, und Baurath Behaget nahm wohl mitRecht an, daß diese Decorationswerke zur Ausschmückungder Bibliothekräume gedient hätten.
Das zweite Joch vom Langschiff besitzt ein einfaches'Sterngewölbe, und es tragen die Rippen einen kreis-runden Steinkranz, dessen Oeffnung offenbar dazu diente,um mit Hilfe einer im Äachraum aufgestellten Windealle Bücher und Bi'blioihetschätzc bequem zur Höhe derEmporen zu ziehen, welchem Zwecke die mit voller Spindelschmal angelegten Wendeltreppen nicht genügen konnten.So hatte denn das Ende des vierzehnten und der An-fang des fünfzehnten Jahrhunderts eine Bibliothek, welchevierhundert Quadratmeter Grundfläche bot, in durchgehendsfeuersicher gewölbten Räumen mit den Formen der goth-ischen Architektur in zweckentsprechender Weise angelegtund durch die große Höhenlage auch möglichst gegen etwabeabpchtigte widerrechtliche Beraubung geschützt, wozuaußerdem die Verbindung mit dem Gotteshause durchdie diesem naturgemäß gezollte Verehrung das Weiterebeitrug.
Die Pergament-Codices oder Quartanten lagen auflangen Pulten, jeder mit einer Kette angeschlossen, welchean den Enden der Pulte mit Schlössern, versehen war.Die zwölf Chorherren hatten die Schlüssel, jeder einenund immer zwei in ein Schloß passend. KurfürstLudwig III. (1410—1436) vermachte im Jahre der Er-findung der Bnchdruckerkunst feine aus 152 Bänden be-stehende Privaibibliothek dem Stifte; schon 1421 warddas Vermächtniß aufgerichtet, „damit alle StiftspersonenIvie auch Schüler und Meister des neuen Studiums die-selben brauchen mögen" n. s. w. Diese Bücher solltenaber Niemand in's Haus gegeben werden, mit alleinigerAusnahme der fürstlichen Personen, und auch diesen unr-einen Monat. Anfänglich waren es mir fünf Pulte,später wurden es acht, und mit dem Vermächtnisse desvr. Andreas Port von Brambach mit 28 Büchern kamein weiterer Pult hinzu, und kurz nach der Reformations-zeit wuchs die Bibliothek zn einer sehr bedeutenden Bücher-masse an. Der in der Heiliggeist-Kirche beigesetzte Hulderichvon Fnggcr-Kirchbcrg hinterließ der Universität als Ver-mächtniß seine ganze, sehr kostbare Bibliothek, die außerden gedruckten Büchern über tausend Handschriften ent-hielt. Die 150 Bücher, welche Ludwig III. dem Stiftevermacht hatte, waren nur gelehrte, meist lateinische Werke;die kostbaren, von ihm und seinen Vorfahren zusammen-gebrachten . deutschen Handschriften hatte er auf dem