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und so wurde das Dekret vom 10. Juli 1780 in dasJndexdekret vom 11. Jänner 1796, worin noch vierWerke von anderen Autoren verworfen wurden, aufge-nommen, dasselbe am 29. April vom Papste bestätigtund am 23. Mai in Nom pnblicirt. Durch ein Dekretvom 10. Juli 1797 wurden dann die I^ool tkieologioi,die ItiooloZta, ehristinvo, ttmorstiou und die erwähnteLxistokn xarasnotioa Stattlers und zugleich die au-thentischen Aktenstücke wegen dem zu Nom theils be-triebenen, theils abzuwenden getrachtcten Verdammnngs-urtheil über das Stattler'sche Buch Oarnoimtrntio err-tüoltoa, die Stattler anonym 1796 im Drucke heraus-gab, auf den Index gesetzt. Einem weiteren Vorgehengegen Stattler bezüglich der Unterwerfung unter die Ent-scheidungen der Jndexcongrcgation machte der bald daraufin Folge eines Schlagflnsses eingetretene Tod Stattlersein Ende.
Lippert — ein Anti-Jansscu.
(Fortsetzung.)
L. II. Eine merkwürdige Erklärung gibt LippertS. 20 für das Erscheinen der Wiedertäufer, welche 1533bis 1535 vereinzelt in der OLerpfalz sich zeigten: „IhrEntstehen war bei der ganz verknöchert gewordenen röm-ischen Kirche in falschem Subjektivismus zu suchen, sowieim Widerwillen gegen den verdorbenen Klerus." Männer,welche mitten in der religiösen Bewegung ihrer Zeit ge-standen haben, wie Professor Fr. Naphylus, sind derAnschauung gewesen, die Wiedertäufer seien aus Luthers Lehre hervorgegangen; denn Luther hatte ja behauptet,es sei besser, daß man die Taufe an jungen Kindernunterlasse, denn daß man sie ohne ihren Glauben taufe.(Vcrgl. Näß, Die Konvertiten I, 355.) Wie konnte dennLuther aus der hl. Schrift allein die Kindertanfe undderen Nothwendigkeit erhärten? Er stützte sich hier aufdie Tradition, die er sonst verwarf. Thomas Münzer hatte die Conseqncnz auf seiner Seite, wenn er nur Er-wachsene taufte.
Im Jahre 1538 baten die acht Bezirksstädte Am-bcrg, Ncnmarkt, Chain, Weiden , Nabbnrg, Nennbnrg,Anerbach und Kemnath den Kurfürsten Ludwig V. , derselbst katholisch blieb, um Aufstellung lutherischer Predigerund der Fürst gab unter gewissen Verwahrungen seineZustimmung. Der 8. Oktober 1538 wird von LippertS. 23 als der Geburtstag der evangelischen Reformationder Obcrpfalz gefeiert, indem nach der Resignation deskatholischen Pfarrers Joh. Mvdler Wolfgang Straßcr alserster evangelischer Pfarrer an der unteren Gemeinde inAmberg aufgestellt wurde.
Doch in Amberg lebte auch noch der „streng ka-tholisch gebliebene Franziskancrguardian Koch und derkatholische Pfarrer Helbling, welcher seine Rechte gegen-über dem neuernngssüchtigen Rathe der Stadt ver-theidigte, bis er 1553 starb. (Lippert S. 42.) Zu einervöllig evangelischen Kirchenordnnng konnten die Amberger und Obcrpfälzcr erst unter Ottheinrich übergehen. DieserFürst, nach Lippert S. 43 „der Liebling des Volkes",erließ am 16. April 1556 ein Mandat „zur Abstellungdes Papstthums nach heiliger Schrift und AngsburgerConfession und führte damit erst die volle Reformationin der Obcrpfalz ein". (Lippert S. 43.) Zur Charakter-zeichnung Ottheinrichs sei nach den Annalen des Priors
zu, trennende Ehehindernisse zu statuiren, wie er dennüberhaupt bei dem Verhältnisse zwischen Kirche und Staatganz dem GMkaner Fleury folgt.
Kilicm Leib von Nebdorf bemerkt, daß er in Folge seinerBauten und seiner Verschwendung (um nichts schlimmereszn sagen) eine Schuldenlast von einer Million Guldenseinem Ländchen an der Donau aufgeladen hatte. DenNürnbergern verpfändete er die Aemter Hilpoltstein ,Heideck und Allersücrg, welche 1542 in die neuen Be-sitzungen lutherische Prediger schickten; den Augsbnrgernverkaufte er seine Geschütze; schließlich verschacherte erauf Anrathen seines Finanzministcrs Gabriel Arnold ausRain seinen und seiner Unterthanen Glauben, um sichaus aufgehobenen Klöstern seiner Schulden zu erwehren.(Döllinger, Beiträge znr politischen, kirchlichen und Cultur-geschichte der letzten sechs Jahrhunderte II, 608, 609.Winter, Geschichte der Schicksale der evangelischen Lehrein und durch Bayern II, 107.)
Wie angesichts des gewaltsamen Vorgehens Ott-heinrichs Lippert S. 60 sagen kann: „Der gediegenenPredigt allein hatte die Reformation den Siegcszng znverdanken; sie hatte keine andere (?!) Gewalt als die derUeberzeugung durch die Predigt" ist historisch unbegreif-lich?) Warum sind denn die katholischen Pfarrer, wennauch mit Pension, wie Lippert S. 44 angibt, abgeschafftworden? Warum sind die Klöster eingezogen worden?Uebrigcns dauerte Ottheinrichs Herrschaft in der Ober-pfalz nur bis zum Jahre 1559. Ihm folgte Friedrich III. (1559 — 1576), welcher katholisch erzogen worden war,auf Betreiben seiner Gemahlin Maria, einer Tochter desMarkgrafen Kasimir von Brandenburg-Knlmbach znrlutherischen Lehre übergetreten war, bis sie schließlichbeide 1557 den Calvinismus annahmen. Nicht ohneInteresse liest man bei Lippert S. 84 den Unterschiedzwischen Calvinismus und Lnthcrthum. „Der Romanedringt mit unerbittlicher Dialektik in die Dinge ein, derDeutsche betrachtet sie mit Verstand, Gemüth und Ge-wissen. . . . Calvins „iimtitutionas" sind die logischsteDogmatik; der Heidelberger Katechismus ist ein Denk-werk, das die halbe protestantische Welt erobert... Mochteder Nhcinpfälzer, dem Romanen mehr nahe und ver-wandt, sich immerhin eine calvinische Reformation ge-fallen lassen, der Oberpfälzer , ein Gebirgsländer, sah indem sinnigen Luther seinen Mann und blieb bis zumUntergänge der evangelischen Kirche der Oberpfalz bisin die Knochen lutherisch, wenn auch vier Kurfürstenan ihm leider Gottes ihren doktrinären Calvinismus versuchten."
Friedrich III. handelte nach demselben Grundsätze,als er die Lehre Calvins einführte, den Ottheinrich be-folgt hatte, als er den katholischen Gottesdienst abschaffte:Wessen das Land, dessen die Religion. Aber Lippertmißt beide nach einem verschiedenen Maßstabe: für Ott-heinrichs Vorgehen hat er kein Wort des Tadels, da-gegen erscheint ihm Friedrich III. „als Fürst über dembeschränkten Untcrthancnverstand" (S. 85), „als Abso-tt Vergl. die Angaben der Klosterfrauen von Bergenbei Neuburg, denen Ottheinrich durch den HofpredigerAdam Bartlme, Meister Matches Vetter, Dechant zn Neu-burg, Christoph Arnold, obersten Secretari , solange zu-setzen ließ, bis 25 es vorgezogen, ihr friedliches Heim zuverlassen, um Unterkunft in Mariastein zu suchen. Beiihrem Abzüge gab man denen, welche 3—400 sl. einge-bracht hatten, 30 oder 20 sl., etlicher: gar nichts, nur dieAebtissin Eupheinia Pirkheimer erhielt 1200 sl. (wob!wegen ihrer Beziehung zn Nürnberg ) Past.-Äl. 1860.125 ff. Den Klosterfrauen in Gnadenberg, welche ihresGewissens halber das Kloster verlassen wollten, wurdennur 15 fl. und ihr Gerüche ausgeworfen: 30. April 1553(Binder, Gesch. der bayer. Brigittenklöster S. 99).