Ausgabe 
(20.11.1897) 66
 
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besitze ein Reich, das unr Niemand streitig macht, ichwar in meinem Leben niemals von Sorgen nnd Krank-heiten heimgesucht, die ganze Welt schien mein Eigen znzn sein, allein ich wandte mich davon ab, als ich ein-sah, das; das, was der Welt als ein Gut erscheint, zu-letzt in der That schlecht ist. Ich wünsche gar nichts,als was ich zur Zeit besitze, mein einziger Wunsch ist,von diesen Banden befreit zn sein." Da sagte der Gott:Dies wirst Du erreichen, wenn Du Dich von der Weltferne hältst, allein bleibst in beständiger Betrachtung undDeine Sinne iu Dir zusammenhältst."Gesetzt auch,erwiderte der König, das; ich dies zu thun im Standebin, infolge der Heiligkeit, welche sich Gott mir zu ver-leihen würdigte, wie sollte dies aber irgend jemandAnderer zu thun vermögen, denn der Mensch bedarf derNahrung und Kleidung, wodurch er mit der Welt zu-sammenhängt, wie kaun er auf etwas Anderes bedachtsein?"Verwalte Dein Reich so gut Du kannst, mitGeradheit und Klugheit, antwortete hierauf der Gott,richte Deine Gedanken auf mich bei Allem, was Duthust, sei es, daß Du mit der Civilisirnng der Weltoder mit dem Schutze ihrer Bewohner, mit Almosen-spenden oder mit irgend etwas Anderem beschäftiget bist,und wenn Dich menschliche Vergeßlichkeit befällt, so macheDir ein Bild, wie das ist, in welchem Du mich siehst,opfere ihm Weihrauch und Blumen und mache es zueinem Denkmal für mich, damit Du mich nicht vergessenkannst. Bist Du in Sorgen» so denke au mich, sprichstDu, so sprich in meinem Namen, thust Du etwas, sothue es für mich." Der König, mit dieser langenBelehrung noch nicht zufrieden, sagte:Jetzt weiß ichwohl, was ich im Allgemeinen zu thun habe, alleinwürdige Dich, mich auch im Einzelnen zn unterrichten."Der Gott erwiderte jedoch:Dies habe ich bereits gethan.Ich habe Deinen Richter Aasistha über all das genaubelehrt, was Dn zu wissen begehrst. Verlass' Dich daherauf ihn in allen Dingen." Dann verschwand die Gestaltvor Ambarisha's Augen. Der König kehrte in seineResidenz zurück und that, wie ihm befohlen war. Seitdieser Zeit, sagen die Hindus, macht sich das Volk Götzen-bilder, bald mit 4, bald mit 2 Händen. Die Götzen-bilder mußten übrigens, wie uns Alberuni berichtet, nacheinem bestimmten Maße gesertiget werden. Die genaueEinhaltung dieses Matzes brachte dem Verfertiget des^Götzen Heil und Segen, hatte er aber das richtige Maßverfehlt, so trafen ihn nach dem Volksglauben verschiedeneUebel, ja selbst der Tod. Je kostbarer das Materialwar, aus welchem das Götzenbild gesertiget wurde, umso größer war auch der Segen, den dasselbe demjenigenbrachte, der es hatte herstellen lassen.

Die alten Jndier trieben auch schon Alchemy, sienannten ihre Kunst: rasL^anL von rasL Goldund Alberuni sagt, daß die Goldgier der indischen Fürsten so groß gewesen sei, daß, wenn einer von ihnen wirklichein System um Gold zu machen erfunden und man ihmgesagt hätte, er müsse zu diesem Zwrcke eine Anzahlschöner kleiner Kinder umbringen, dieses Ungeheuer vorsolch einem Verbrechen nicht zurückgeschreckt wäre, sonderndie Kinder ruhig verbrannt hätte. Dem GeheimmittelrgLZFLvL schrieben die Jndier auch die Kraft zu, un-sterblich, siegreich und unüberwindlich zu machen, wieurS der arabische Gelehrte durch nachstehende rührendeSage zu beweisen versucht.

In der Stadt DHLva, der Hauptstadt von Mlllava,berichtet er nämlich, sieht man am Thore des königlichen '

Palastes ein längliches Stück gediegenen Silbers liegen,in welchem die Umrisse der Glicdmaßcn eines Mannessichtbar sind. Damit soll es aber folgende Bcwaudtnißhaben: Vor alten Zeiten kam einmal ein Mann zu einemKönige, brachte ihm das Zanbcrmittel rLsaxana, dasihn, wie der Mann sagte, unsterblich, siegreich, unüber-windlich und fähig machen würde, Alles zu thun, waser nur wünschen könne. Der Mann bat den König,allein au einen verabredeten Platz zu kommen, was derKönig auch versprach, und er gab zugleich Befehl, Allesbereit zu halten, was der Mann verlangte. Dieser kochtenun mehrere Tage lang Oel in einem Kessel, bis esschließlich dick wurde, dann sprach er zum Könige:Spring'jetzt hinein, und ich werde den Prozeß beendigen." DerKönig aber erschrak über das, was er sah, und hattenicht den Muth, in den Kessel zu springen. Als derMann die Furcht des Königs bemerkte, sagte er:WennDu Dir selber nicht getrau'st, in den Kessel zu springen,so gestatte mir es zu thun." Der König entgegncte:Thu', was Du willst." Nun brachte der Mann ver-schiedene Päckchen mit Spezercien herbei, und sagte zumKönige, er solle, sobald sich gewisse Erscheinungen zeigenwürden, die er dem Könige näher bezeichnete, dieses oderjenes Päckchen auf ihn hineinwerfen. Dann sprang derMann iu den Kessel mit Oel und sogleich war er aufgelöst,und in Brei verwandest. Jetzt that der König, wie ihmgeheißen war, als er jedoch seinen Auftrag nahezu er-füllt hatte und nur mehr ein Päckchen übrig war, wan-delte ihn plötzlich eine Angst an, denn, dachte er, waswird zuletzt aus meinem Reiche werden, wenn der Mannwirklich wieder lebendig wird und dann unsterblich, sieg-reich und unüberwindlich ist. Deßhalb hielt er es fürgerathener, das letzte Päckchen nicht mehr in die Massezu werfen. Die Folge davon war nun, daß der Kesselkalt wurde und der ausgelöste Mann in ein Stück Silberverwandelt war." Daß die alten Hindus auch anZauberei nnd Hexerei glaubten, ist selbstverständlich, ebensoglaubten sie, wie Alberuni erzählt, der nichts auf Zaubereihält, daß die Zauberer Schlangenbisse heilen können.

(Fortsetzung folgt.)

Theosophie und katholischer Glaube.

Von Charles Saint-Paul.

(Schluß.)

Kurze Zeit nachher muß derKoot-Hoomi"-Wahnaufgetaucht sein, wie auch Harrisoir annimmt, denn wirsehen ihn 1879 Briefe an Herrn Sinnestprä-cipitiren" und denselben iu den Anfangsgründen desesoterischen Buddhismus" unterrichten, welcher plötzlichin der Theosophischen Gesellschaft Annahme fand undbeinahe eine Spaltung zwischen den östlichen und west-lichen Zweigen verursachte".

Thatsächlich war aber die Theosophische Gesellschaft,wie aus OlcottsOld Diary Leaves" hervorgeht, vor-nehmlich zur Verbreitung eben diesesesoterischenBuddhismus" gegründet worden. Frau Blavatsky warnach demKiddle-Zwischcnfall" im Anfange des Jahres1883, wie Harrisou bemerkt,vollkommen iu Freiheit",die Breschen wieder auszubessern, dieKoot-Hoomi" ge-macht hatte. DieErinnerungen" enthalten (S. 114)einen Auszug aus demPatl" (der amerikanische», frühervon W. Jndge redigirteu theosophischen Zeitschrift), iuwelchem zwei gcheimnißvolle Zeugnisse in Bezug aufdie Autorschaft derGeheimlehre" mitgetheilt werden.