Ausgabe 
(20.11.1897) 66
 
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Ferner möchten wir noch die Bemerkung des gegenden Fatalismus der Blavatsky ankämpfenden Autors ver-zeichnen:Der freie Wille " ist ein iZnia katuus, einIrrlicht, und Jene, die ihm folgen, werden sich früheroder später in der Sackgasse des Fatalismus oder in derFallgrube des Dualismus befinden (pux. 91). Späteraber tritt merkwürdigerweise unser Antitheosoph wiederfür den freien Willen ein.

Wir hatten uns wirklich schon darauf gefreut, nachso vielen verworrenen theosophischen Produkten ein rechtvernünftiges Werk eines kritischen Vertreters derwahrenGnosis", möglichst für weitere Kreise verständlich, lesenzu können, und können nur bedauern, daß so vielemyst-ische" Stellen in dem neuen Werke fürgrobstofflichcre"Autoren ohneIntuition" undsechsten Sinn" unfaßbarbleiben. Dazu gehören auch die Behauptungen über dasVerhältniß des Anglikanismus zum Okkultismus undlateinischen Christenthum".

Vielleicht finden dietheoretischen und praktischenOkkultisten" der Bereun Loeiet^ noch einmal Zeit, auchtiefer in die Mystik des letzteren einzudringen, um zu er-kennen, daß die Vorschule für die wahre Mystik undThcosophie", die von gewissen reformatorischen Kreisenseit demManncsalter der europäischen Nasse" nichtmehr aufgesucht wurde, in jenemkatholischen Glauben"noch zu finden ist, der einen geraderen und näheren Wegals die Nachfolge zweifelhafter Mahatmas in der Nach-folge Christi bietet zur Heiligung und Verklärung, zurwahren Weisheit in Gott .

Recensionen und Notizen.

Predigten über das Vaterunser." Ein CyklusPredigten für alle Sonn- und Festtage vonAllerheiligen bis zum Feste des Apostel-fürsteu Petrus und Paulus , gehalten in derAllcrheiligen-Hofkirche zu München von JosephHecher, kgl. geistl. Rath, Hofprediger und Stifts-kanonikus. Mit Approbation der hochwürdigstenerzbischöflichen und bischöflichen Ordinariate Mün-chen-Freising und Rottenburg. Stuttgart. Jos.Roth'sche Verlagshandlung. 1898. VIÜ. 366 S.Preis M. 3,.

Die hohen Erwartungen, mit welchen wir an dieneueste homiletische Publikation des durch seine herrlichenFastenpredigtenDie sieben Kreuzesworte Jesu Christi" (1893) undDas Lanim Gottes" (1897) rühmlichst be-kannten Münchener Hofpredigers herantraten, wurden invollem Maße befriedigt. Hecher ist es gegeben, sich eingroßartiges Thema zu setzen, dasselbe in Cykluspredigtenzeit- und sachgemäß zu theilen und bis ins feinste Detailhinaus kunstgcmäß durchzuführen, ohne sich zu wieder-holen, ohne zu langweilen, ohne zu ermüden. Sind esauch naturgemäß die alten christlichen Wahrheiten, welcheHecher vorträgt, nie werden sie in seinen! Munde trivial,stets erfahren sie eine originelle Fassung und neue Be-leuchtung. Dies trifft auch bei den vorliegenden Predigtenüber das Gebet des Herrn zu, über welches bereits eineumfangreiche homiletische Literatur vorhanden ist. Die-selben wurden in der Allerhciligen-Hofkirche,der Haus-kavcllc der kgl. Residenz in München", vom Feste Aller-heiligen bis Peter und Panl 1896/97 gehalten und jetztauf vielfach und lebhaft geäußerten Wunsch der Oeffent-lichkcit übergeben. In 46 Vortrügen wird das erhabensteund gedankentiefste Gebet erläutert,jedoch so, daß Hiebeidie einzelnen Zeitabschnitte des kirchlichen Jahres, dieGedanken, welche uns jede Periode der weihevollen Zeitan jedem Sonn- und Festtag nahelegt, stets ihre Berück-sichtigung finden". In der That werden in ungezwungenergeistvoller Weise die leweiligenPerikopen,Heiligengestalten,Feststimmungen in den Cyklus hineinverwoben, so daßsich das Ganze als eine gelungene Synthese vonCyklus- und Perikopenpredigten darstellt. Bei-Ivielsliglber sei verwiesen aus die zu den Einleitungsvor-

trägen gehörende Predigt vom 24. Sonntage nach Pfingsten,wo das Vaterunser als himmlisches Samenkorn eingeführtwird. welches in der Menschenwelt zahllose gute Früchteerzeugt hat und bis zum Ende der Welt solche hervor-bringt; am 25. Sonntage nach Pfingsten wird Eingangseine auf die hl. Elisabeth von Thüringen sich beziehendeVaternnser-Legende verwerthet; am hl. Weihnachtsfesteschlingt sich die Behandlung der AnredeDer Du bist indem Himmel" schön zusammen mit den Gedanken an dasewige Wort, das im Anfange bei Gott war und Gottselber ist (Joh . 1. 1 u. 2) und das Fleisch geworden istund unter uns Menschenkindern Wohnung genommen hat(Joh . 1, 14), wie am darauffolgenden Tage mit der Er-innerung an den hl. Erzmartyrer Stephanus, der in-mitten seiner Leiden betheuerte:Ich sehe den Himmeloffen und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottesstehen" (A.-G. 7,55); ähnlich am Josephsfeste, an Ostern,Pfingsten und anderen Festtagen. Hecher ist ein Sängerder Liebe und weiß in begeisterten und begeisterndenWorten die echte Gottes- und Nächstenliebe zu feiern,was in unserer Zeit des Egoismus und der Lieblosigkeitgewiß noth thut. Wenn, wie eine gesunde Homiletik stetsbetonen muß, der biblische Gehalt einer Predigt das besteKriterium ihres inneren Werthes ist, so müssen HechersPredigten in die erste Reihe gestellt werden; denn seineArt, die heilige Schrift zu verwerthen, ist einfach meister-haft. Etwaige Ausstellungen können sich höchstens aufden ausgefallenen 8. Dezember, einige stehengebliebeneDruckfehler, wie leider gleich auf dem Titelblattdes"Apostelfürsten Petrus und Paulus stattder" Apostel-fürsten, wie es S. 358 richtig heißt, u. Ae. beziehen. Hecherbietet nicht bloß dem geschulten Prediger eine Fülle vonGedanken, sondern auch dem Lernenden und Weiter-strebenden treffliche Muster der Komposition und Aus-arbeitung guter und wirkungsvoller Predigten. Dahertolle IsZe!

1. Dr. 8. L.

HellerJoh. Ev. (s.ck.). Das nestorianische Denk»mal in Sing an Fu. 4°, 64 SS. m. 2 Tafeln.Budapest, Druck des Franklin-Vereines. 1897.

7 Vorliegende Abhandlung ist ein Sevaratabdruck ausdem II. Bande des Werkes:Wissenschaftliche Ergebnisseder Reise des Grasen B. Szöchenyi in Ostasien (1877 bis1880)". Die in: Kreise der Sinologen viel besprochenesyro-chinesische Inschrift, deren Echtheit jetzt außer allemZweifel steht, wird hier von einem gelehrten Kennerbeider Sprachen einer eingehenden Durchforschung unter-zogen, die sich auf genauere Copien, als es bisher gab,gründet. Nach den Vorbemerkungen, die sich unter andern!auch mit der Frage der Transkription befassen, folgt dasLiteraturverzeichniß, das schon erkennen läßt, welchesInteresse das berühmte Denkmal bei Philologen wieKirchenhistorikern von jeher hervorgerufen hat. Auf denfolgenden Seiten (1029) gibt der Verfasser eine aus-führliche und genaue Geschichte der Auffindung, Ver-öffentlichung und Erhaltung des nestorianischen Denk-mals. Daran schließt sich die Beschreibung der Inschrift,sowie deren Wortlaut in chinesischen und syrischen Zeichenmit Uebersetzung. Die nun folgenden Erläuterungen zumText der Inschrift (SS. 472492) bringen eine Füllevon philologischen, kirchen- und cnlturgeschichtlichen No-tizen, in denen wir den Scharfsinn, wie die ausgebreiteteBelesenheit des Verfassers anstauuen. Der Nachtrag bringtnoch einige Ergänzungen. Zrvei Tafeln stellen das Denk-mal dar, und die Zeichen der zweiten Tafel sindgroß genug, um mit freiem Auge gelesen werden zukönnen. Die Abhandlung, welche für Alle, die sich mitSprachwissenschaft oder Kirchengeschichte befassen, ganzhervorragendes Interesse hat, ist das vollkommenste, waswir bis jetzt über dieses wichtige Denkmal aus altchrist-licher Zeit!n China besitzen. Eine weitere Arbeit stehtuns von einem Ordensgenossen des Verfassers, von?.Heinrich Havret (8. ck.) in Shaughai nächstens in Aus-sicht. Die Spuren der Jesuiten finden wir in der altenwie neuen Geschichte des Christenthums in China aufSchrift und Tritt. Sie haben nicht nur das Evangeliumunter Lebensgefahr verkündet, sondern auch sich der Er-forschung chinesischer Sprache und Literatur mit einemEifer hingegeben, der ihre Namen unzertrennlich mit derSinologie verknüpft. Dafür findet der Leier auch in dieserSchrist in vielen berühmten Beispielen Bestätigung. Wenn