Ausgabe 
(27.11.1897) 67
 
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44 Patres, die bei Aufhebung des Stiftes ihm ange-hörten, ein Gelehrter, ?. Mich Schiegg (1752-1810),Professor der Mathematik, Physik und Astronomie inSalzburg , der 1784 die zwei ersten Luftballons inDeutschland steigen ließ. Seine Verdienste wurden, als1802 die Säkularisation die herrliche Benediktiner -schöpfung Ottobeurcn schonungslos zerstörte, durch Be-rufung in das topographische Bureau auch staatlich an-erkannt. Bezeichnend für den Geist der Klosterstürmerist die Thatsache, das; 18 Ordensmäuneru, die nach derAuslösung des Konventes Ottobeuren in gemeinsamerLebensweise vereinigt blieben, seit 1805 das Chorgebetverboten wurde. Ein einziger Ordcusmauii ivar soglücklich, die Wiederherstellung Ottobeureus 1834 zu er-leben, nämlich Ist Basilius Miller.

Die nächstgröstte Anzahl Benediktiner stellte dasaltchrwürdige Stift St. Ulrich in Augsburg (14 Patres),ihm folgte Füssen (12 Patres), bekannt durch GallusKnöringer, der die Jahrgeschichte Konrad Peutinger's fortsetzte, und Basilius Siuner, der 1795 einen Tele-graphen aufstellte. Noch aus 20 anderen Vcnediktiucr-stistcn wirkten Ordeusmänner in der Seclsorge. Esmögen hier nur noch erwähnt werden Ettal (völligLttonig) mit seiner merkwürdigen Kirche, Zwiefaltcn,dessen große Orgel jetzt in der protestantischen Stifts-kirche zu Stuttgart steht, Weihenstephan, Bencdikt-beuren, wo Karl Meichclbeck (16691734) seine Ge-schichte deS Hochstifts Freising (2 Bände) schrieb. Bene-diktbeureu ist nun Militärfohlenhof, Weihenstephan Staats-branerei.

Ein besseres Geschick waltete über Andechs undMehr er an. Mehrerau , bei Brcgcuz am Bodensee anjener Stelle errichtet, wo 610 der hl. Colnmban landete,ward erst 1806 durch Bayern aufgehoben, nachdem esunter Kaiser Joseph II. diesem Schicksal entgangen war.Die Steine der abgebrochenen Kirche verwandte man zumHafenbau von Lindau , die Bibliothek ward verschleudertoder verbrannt, die Klostergebäudc bot man der Königinvon Bayern an. Doch wies diese hochherzig das Ge-schenk zurück. Für Mehrerau brach ein neuer Tag au:in den Räumen der alten Benediktinerabtei entfalten jetztCistcrzienser ihre reiche, vielseitige Thätigkeit. Auch Andechsblühte wieder empor. Die Wiederherstellung von Andechsdurch Ludwig I. war eine für die Gerechtigkeitsliebe diesesHerrschers zeugende Sühnnng der bei der Säkularisationgeschehenen Frevel. Erbrach man ja damals sogar dieSärge der Bayernfürsten und warf deren Gebeine aus-einander. Schmnckgegenstände wurden mit solcher Hastvon den Leichen gerissen, daß der Schädel des HerzogsAlbrecht vorn Rumpfe getrennt wurde. Mit brennenderPfeife betrat der königliche Commissär die Gruft. Alsder König von diesen Schandthaten vernahm, sagte er:Das hat mein Vater (Max I.) nicht gewollt!" Auchvon dem durch Auffindung des sogenannten WessobrunncrGebetes so viel genannten Kloster Wessobrunn wirkten8 Ordensmänncr im Exil; Weingarten , wo einstJohannes Hablizel durch kirchlichen und wissenschaftlichenEifer hervorragte (vgl. G. Heß, OatAlvZrm ivap. wo-»asterii IVoinZartiensis), stellte 3 Vertreter Zu dieserWackeren Schaar Benediktiner.

Aus anderen Orden weilten im genannten Jahreim Augsburger Bisthum: 21 Cistcrzienser, 16Dominikaner, 14 Augustiner, 5 Piaristen ,3 Karthäuser aus Buxheim , das 1402 mit Mönchenaus der Karthcnrse Christgarten im Ries besiedelt wurde,

2 Theatiner von München , 4 Ordensmänner aus demHl. Geistorden von Mcmmingen, 9 Karmclitcn und39 Prämonstra teuf er. Von den letzteren waren11 aus Ursberg, 2 aus Neustift bei Freising .Ursbcrg hat durch die Opferwilligkeit eines wüthigenPriesters eine würdige, der Bethätigung der Nächstenliebegeweihte Verwendung gefunden. Neustift lvard nach demBeispiel eines Constantin Kopronymus, der 767 syste-matisch aus den Klöstern des Ostreiches Kasernen schuf,militärischen Zwecken zugewendet. Wer denkt da nichtan das Wort des hl. Angnstin:Oadis impio wiliti,tzuoä non vi3 Zar« snosräoti." Auch auS Alto-mnnster, wo 1520 Occolampadins eintrat» nach zweiJahren jedoch wieder zurücktrat, war ein Mitglied desBrigittenordens im Bisthum thätig. Altomnusterist seit 1841 als Francnkloster wieder hergestellt.

Die Bettelord eu, denen der Weihbischof Leon-hard Hakler 1553 das schöne Zeugniß ausstellte, daßaus einem einzigen Beitelkloster mehr taugliche Personenzur Verkündigung des Wortes Gottes genommen hättenmögen werden weder jetzt und aus einer ganzen hohenSchule", lvaren vertreten durch 49 Franziskaner,28 Kapuziner, 5 Minoritcn; letztere entstammten,mit Ausnahme eines einzigen, dem Kloster Maihingcn,in dessen Räumen sich jetzt sehr werthvolle literarischeund künstlerische Sammlungen, Zum größten Theil ansalten Klöstern stammend, befinden.

Sogar 8 Jesuiten ,der Popanz und der Sünden-bock der liberalen Partei" (Heinrich Heine ), jene vielge-schmähien und wenig gekannten Ordeusmänner, die ein-mal sogar ein Erzbischof, Wolf Dietrich von Raittenau,Erzbischof von Salzburg (16. Jahrhundert), im Zorndes Teufels Hausbuben " schalt, wagten es, im Jahre1823 im Augsburger Bisthum zu weilen. Man hat sie,dienmthvollen Helfer der Armen" (Heinrich Lander,Anfang des 17. Jahrh.), dieausgezeichneten und scharf-sinnigen Philosophen, die feinsten und gewandtesten Lehrer"(Wilhelm Roding, protestantischer Professor am Päda-gogium zu Heidelberg ), dietreuen, nützlichen und un-schuldigen Unterthanen" (Kaiserin Katharina II. vonRußland in einem Briefe an Papst Pins VI. vom Jahre1785), aus den deutschen Gauen verbannt. Wie vielegelehrte und fromme Männer gingen aus diesem Ordenhervor! Ein Christoph Schmier, Mathematiker undAstronom, welcher die Rotationszeit der Sonne und die.Lage des Zlequators bestimmte und als einer der erstendie Somicnflecken entdeckte; ein Petrus Campus,anFrömmigkeit und Redlichkeit gleich den Vätcrn des christ-lichen Alterthums" (Nürnberger Arzt Paul Freher), derden Wahlsprnch führte:Liebe, Wahrheit und Einfaltsei und bleibe unsere Fahne"; ein Friedrich Spce, undwie sie alle heißen mögen, die Heroen der Wissenschaftund Tugend, wer könnte sie genug preisen, wer siezählen? Ihre herrlichen Schöpfungen, ihrevortrefflichenInstitute, dergleichen nicht leicht wieder zusammen zubringen sein werden" (Johannes von Müller ), hat einekurzsichtige Politik ausgerottet.Oonstituib avkns, dornäissolvit." (Lonoea.) Ihre Convitte wurden durchCommissäre aufgehoben, die so unwissend waren, daß siegeneigt waren, den Jesuiten die Abendmesse zu gestatten,wenn sie nur keine Morgenmesse läsen.

Was war nun aber der Schlnßeffekt der Säkulari-sation? Die Stimmung auf Seite der Unterdrückermag am besten durch die Worte gezeichnet sein, die KönigMax I. zu seinem Minister MontgelaS sprach:Aber,