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Montgelas , wir sind Esel gewesen, daß wir mit diesenKlöstern so umgegangen!" Die Unterdrückten aber könnenvon ganzem Herzen in die Worte einstimmen, die dergreise Cardinal Pacca 1845 Lei Eröffnung einer Aka-demie sagte: „Man darf hoffen, in Zukunft zwar einenweniger reichen, aber einen desto erleuchteteren undfrömmeren Klerus zu besitzen."
Ein arabischer Aristoteles und was uns derselbeaus dem Wunderlande Indien erzählt.
Von vr. Widder.
(Fortsetzung.)
Sehr abenteuerlich lautet die indische Sage über dieEntstehung des Südpols, welche uns Albernni gleichfallsaufbewahrt hat. Es lebte nämlich, heißt es da, einKönig mit Namen Samodatta, der infolge seiner edlenThaten verdient hatte, in das Paradies aufgenommen zuwerden. Allein der Gedanke war ihm unerträglich, daßbeim Uebergange in die andere Welt Leib und Seelegetrennt werden sollten. Deßhalb rief er Rishi-Vasishtha an — Rishi sind Mittelwesen zwischenGeistern und Menschen mit menschlichen Leibern — underklärte ihm, daß er seinen Körper liebe und nicht vonihm getrennt werden wolle. Rishi bedeutete ihm aber,daß mau unmöglich seinen irdischen Leib in das Para-dies mitnehmen könne. Nun wendete sich der König andie Kinder des Vasishtha und trug diesen seinenWunsch vor. Diese spuckten jedoch dem Könige in dasGesicht, verhöhnten ihn und verwandelten ihn in einecnuäain, d. i. eine gemeine Person, steckten ihm Ringein beide Ohren und bekleideten ihn mit einem kurzenHemde, wie es die Frauen tragen, das bis auf dieMitte des Leibes reicht. Als der König in dieser Ge-stalt vor dem Rishi-Visvamitra erschien, empfanddieser Ekel an seinem Aussehen und fragte ihn, weßhalber in dieser Gestalt erscheine. Da erzählte ihmSamodatta den ganzen Vorgang. Nun wurdeRishi-Visvamitra sehr zornig, ließ die Brahmancnkommen, unter denen auch die Kinder des Nishi-Vasishtha waren, damit sie ein Opfer veranstalteten,und sagte zu ihnen: „Ich will für den frommen KönigSamodatta eine neue Welt und ein neues Paradiesschaffen, damit er daselbst seinen Wunsch erreiche."Hierauf begann Visvamitra den Pol zu machen undden großen Bären, aber der Herrscher Jndra — d. i.der Gott der Aetherbewegungen, des Blitzes rc. — unddie geistigen Wesen fingen an, sich vor Visvamitra zu fürchten, warfen sich vor ihm nieder und baten ihn,von dem begonnenen Werke unter der Bedingung wiederabzustehen, daß sie den König Samodatta sammtseinem Leibe, geradeso wie er war, in das Paradiesaufnehmen würden. Dies thaten sie auch wirklich, undRishi-Visvamitra stand deßhalb davon ab, eineneue Welt zu machen, was er aber bereits gemachthatte, blieb bestehen, und so entstand der Südpol .
Reizend aber ist die poesievolle Schilderung der Er-schaffung des Meeres beim Beginne der Schöpfung.Zum Ersatze gleichsam dafür, heißt es da, daß dieWasser des Oceans in die Tiefe versenkt wurden, erhieltdas Meer die in ihm sich bewegenden funkelnden Fische,die schimmernden Juwelen in seinem Grunde und die sichhin und her schlängcluden Schlangen. Mit Perlen undEdelsteinen schmückte Agastya , der Sohn des Wassers,den Ocean und ließ Bäume darin wachsen. Wenn die
Fische aufspringen und die Muschellagcr und Perlen-Austern an der Oberfläche erscheinen, gleicht das Meereinem Teiche, dessen Wasser im Herbste mit dem weißenLotus bedeckt ist. Kaum läßt sich zwischen den Wasserndes Meeres und dem Himmel ein Unterschied entdecken,denn der Ocean ist mit Juwelen, der Himmel mit Sternengeschmückt, das Meer ist geziert mit vielköpfigen Schlangen,ähnlich den Strahlenfäden der Sonne des Himmels,Krystall glänzt darin, wie die Scheibe des Mondes, undweißer Nebel schmückt es, über welchen des HimmelsWolken dahinschwcben. Wenn Agastya sich erhebt unddas Wasser in den Flüssen und Thälern sich mehrt,bieten die Flüsse dem Monde all das zum Opfer an,was auf ihrer Oberfläche schwimmt: die verschiedenenArten von rothem und weißem Lotus, den Papyrus, dieEnten und die Pelikane. — Die rothen Flamingos, welchean den beiden Ufern des Flusses stehen, und das Hin- undWiederschwimmcn der weißen Enten inmitten des Wassersvergleicht die kühne indische Phantasie mit den beidenLippen einer schönen Frau, welche ihre Zähne sehen läßt,wenn sie vor Freude lacht. Der schwarze Lotus aber,der zwischen dem weißen blüht, und das eilige Hinfliegender Bienen zu demselben, die nach seinem süßen Duftverlangen, wird mit dem Schwarzen der Pupille mittenim weißen Ringe des Auges der schönen Frau verglichen,wenn sie dasselbe kokett und schwärmerisch hin- und her«bewegt, umgeben von dem Haare ihrer Augenbrauen.
Hinsichtlich der Zeitangabe der geschichtlichen That-sachen und Ereignisse sind die Jndier ebenso gleichgiltigwie die Chinesen und deßhalb auch, was Albernni sehrbeklagt, bezüglich der chronologischen Reihenfolge ihrerKönige höchst unzuverlässig. Bringt man sie dann durchdiesbezügliche Fragen in das Gedränge, sagt unser Ge-lehrter, und kommen sie in Verlegenheit, so helfen siesich einfach durch Erzählung von Märchen. Ein solches,das zwar ebenfalls aller Zeitangaben, aber gleichwohlnicht des Interesses entbehrt, ist z. B. folgendes: Eslebte einmal ein indischer König, Kanik mit Namen,der ein Buddhistenklostcr in Puru shavar gebaut habensoll, das nach ihm „Lunist-oaitZg." genannt wurde.Dieser König erhielt einst von seinem Nachbarfürsten,dem Könige von Kanoj, unter Anderem ein äußerstkostbares und seltenes Tuch zum Geschenke. Kanikwollte sich aus diesem Stoffe ein Gewand machen lassen,allein sein Schneider getraute sich nicht, das Kleidungs-stück zu verfertigen, „denn, sagte er, in der Stickerei be-findet sich die Figur eines menschlichen Fußes, und trotzaller Mühe, die ich mir gebe, trifft der Fuß immer andie Stelle zwischen beiden Schultern." — Dies gilt aberbei den Jndiern als ein Zeichen der Unterjochung. —Da war Kanik überzeugt, daß der König von Kanojihn dadurch hatte beschimpfen und verächtlich machenwollen, und zog in großer Eile mir seinem Heere gegenihn zu Felde. Als der König von Kanoj dies erfuhr,wurde er sehr bestürzt, denn er war zu schwach zumWiderstände. Er berieth sich deßhalb mit seinem Vczir.Dieser sagte: „Du hast einen Mann gereizt, der vorherruhig war, und hast dadurch eine unwürdige Handlungbegangen. Schneide mir jetzt Nase und Lippen ab, undlaß mich verstümmeln, dann will ich eine List anssinnen,denn offenen Widerstand zu leisten, ist unmöglich." DerKönig that nach dem Rathe seines Ministers, und dieserbegab sich sodann an die Grenze des Königreiches. Hierfand ihn das feindliche Heer und brachte ihn zu Kanik,welcher ihn sogleich fragte, was es mit ihm für ein Be«