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wandtniß habe, worauf der Vezir erwiderte: „Ich suchtemeinem König von einem Widerstände gegen Dich abzu-raten und rieth ihm aufrichtig, Dir gehorsam zu sein.Er faßte jedoch Argwohn gegen mich und ließ mich ver-stümmeln. Sodann begab sich mein Herr aus eigenemAntriebe an einen Ort, den man nur nach einer sehrlangen Tagereise erreichen kann, wenn man der Land-straße folgt, den man aber bald zu erreichen vermag,wenn man die Mühe nicht scheut, quer durch eine da-zwischen liegende Wüste zu reisen, vorausgesetzt, daß manfür so und soviele Tage Wasser mit sich nehmen kann."Da sagte Kanik: „Dies läßt sich leicht machen," befahlWasser mitzunehmen und ließ sich von dem Vezir denWeg zeigen. Dieser ging vor dem Könige her und führteihn in eine endlose Wüste. Als die bestimmte Reisezeitvorüber war und der Weg noch immer kein Ende nahm,fragte der König den Vezir, was er thun solle. Da er-widerte dieser: „Tadle mich nicht, daß ich versucht habe»meinen Herrn zu retten und seine Feinde zu verderben.Der nächste Weg, welcher aus dieser Wüste führt, ist dernämliche, auf dem Du gekommen bist. Thu' jetz mit mir,was Du willst, denn Keiner wird diese Wüste lebendverlassen." — Der König aber bestieg sein Roß, ritteine runde Vertiefung in den Boden, stieß im Mittel-punkte derselben seinen Speer in die Erde, und siehe da,plötzlich sprudelte Wasser in so reicher Menge hervor,daß nicht nur der König und seine Soldaten ihren Durststillen, sondern daß sie auch noch Wasser auf den Rück-weg mitnehmen konnten. Der erstaunte Vezir abersprach: „Meine List war nicht für mächtige Engel, son-dern für schwache Menschen berechnet. Wenn die Dingeso stehen, so erhöre meine Fürbitte für den König vonKanoj, meinen Wohlthäter, und verzeihe ihm." Kanik,entgegnete: „Ich kehre zurück von diesem Orte. DeinWunsch sei Dir gewährt. Dein Herr hat bereits em-pfangen, was ihm gebührt." Kanik verließ die Wüste,und der Vezir kehrte zu seinem Herrn zurück. Als erheimkam, erfuhr er, daß dem Könige von Kanoj andem nämlichen Tage, an welchem Kanik seinen Speerin die Erde gestoßen hatte, Hände und Füße vom Leibegefallen waren.
Eine andere, nicht minder interessante Geschichte istfolgende: Ein König, Namens HiranyahastpL, wargar fromm und hatte sich durch seine beharrliche Fröm-migkeit das Recht erworben, daß alle seine Gebete Er-hörung finden sollten. Einmal flehte er nun um ewigesLeben. Es wurde ihm jedoch nur ein langes Leben ver-sprochen, da Ewigkeit dem Schöpfer allein znkomme.Weil ihm dieser Wunsch nicht gewährt wurde, so wünschteer, nicht durch die Hand eines menschlichen Wesens, einesEngels oder Dämonen zu sterben, und daß ihn der Todweder bei Tag noch bei der Nacht, noch auf der Erde,noch im Himmel treffen mochte. Auf diese Weise hoffteer nämlich dem Tode ganz zu entgehen. Dieser Wunschwurde ihm gewährt. König HiranyahasipL hatteaber einen Sohn, Nomens Prahlada , den er, als erherangewachsen war, einem Lehrer zum Unterrichte über-gab. Eines Tages wollte er sich von den Kenntnissenseines Sohnes überzeugen und ließ sich deßhalb von ihmseine Lektion aufsagen. Da trug der Knabe ein Gedichtvor, dessen Inhalt war, daß nur Vishnu (d. i. derAllbcfruchtende, eine der drei Hauptgottheiteu) cxistire undalles Andere Täuschung sei. Dies war aber der An-schauung des Vaters gerade entgegen, denn dieser haßteVishnu , und er übergab deßhalb den Knaben einem
anderen Lehrer, damit, wie er sagte, sein Sohn denFreund von einem Feinde zu unterscheiden lerne. Nach-dem der König einige Zeit gewartet hatte, fragte erseinen Sohn abermals aus. Dieser aber sagte: „Ichhabe gelernt, was Du gewollt hast, allein ich brauchedies nicht, denn ich habe keinen Feind, sondern lebe mitJedermann in Freundschaft." Da wurde der Vater zornigund befahl, seinen Sohn zu vergiften. Der Knabe nahmdas Gift in Gottes Namen, indem er seine Gedankenauf Vishnu richtete, und siehe, das Gift schadete ihmnicht. „Kannst Du hexen und zaubern?" fuhr ihn nunder König ergrimnü an. „Nein, entgegnete der Knabe,ich nicht, wohl aber Gott , der mich erschaffen und, wieDu siehst, mich beschützt hat." Dies steigerte die Wuthdes Königs noch mehr, und er befahl, seinen Sohn ineinen tiefen See zu werfen. Der See spülte jedoch denKnaben wieder aus, und er kam wieder zurück. Nun ließihn der König vor seinen Augen in ein großes, hellauf-loderndes Feuer werfen. Aber auch dieses verletzte ihn nicht.Mitten in den Flammen stehend, begann der Prinz Mitseinem Vater über Gott und dessen Macht zu sprechen.Als er unter Anderem auch sagte, daß Vishnu all-gegenwärtig sei, fragte der König: „Ist er also auch indieser Säule der Halle?" Der Knabe bejahte dies..Da sprang der König auf die Säule los und schlug sie.Kaum hatte er dies gethan, als Na rast mha, einemenschliche Gestalt mit einem Löwenkopfe, sohin wederein menschliches Wesen, noch ein Engel oder ein Dämon,aus der Säule hervorkam. Der König und seine Leutebegannen mit diesem Geiste zu kämpfen, was dieser auchgestattete, denn es war noch Tag; als es aber gegen Abendging und die Dämmerung kam, ergriff Na rast mha denKönig, hob ihn in die Luft und tödtete ihn daselbst, alsoweder auf der Erde noch im Himmel. Der standhaftePrinz wurde aus dem Feuer befreit und regierte nunstatt seines Vaters, der seine Thorheit und seinen Hoch-muth mit dem Leben gebüßt hatte.
(Schluß folgt.)
Manning's neun Hindernisse.
Aus Würzburg.22. Nov., geht uns Folgendes zu:„Die .Beilage der Augsburger Postzeitung' Nr. 65 S. 454bringt eine Besprechung der Schrift: Cardinal Manning's.Neun Hindernisse' rc., übersetzt und ergänzt von GerhartWahrmut, in welcher folgender Satz emer Richtigstellungbedarf: „Mag nun diese Nachahmung der Broschüre Schellvon England oder von dem jungen Gelehrten inWürz bürg stammen, jedenfalls beweist sie. daß zurAusbildung von Priestercandidaten noch etwas Anderesals .Freiheit der Wissenschaft ' und .Universitätsbildungzu Würzburg , Oxford oder dgl.' recht nothwendig ist, undmögen darum die, welchen diese sehr nöthige Eigenschaft(welche Eigenschaft denn?) mangelt, das von Herrn Wahr-mut lobend erwähnte Büchlein .Das ewige Priesterthum'von Cardinal Manning recht betrachten, um wahre Priesterund nicht bloße Räsonnirer zu sein, besonders in ihrem sowichtigen Berufe." Wir wollen über den Stil und dasSelbstbewußtsein des Einienders. ein wahrer Priester undnicht bloßer Räsonnirer zu sein, nicht rechten, auch nichtfragen, ob er seine oder keine Logik an einer Universitätoder an einem Lyceum gehört hat, aber soviel Mutterwitzdürfen wir ihm doch wohl zutrauen, daß er begreift, darrdas Dilemma, die Nachahmung der Broschüre Schellstamme von England oder von dem jungen Gelehrten inWürzburg nicht logisch richtig gestellt sei. Kann sie dennnicht von einem Landsmanne des Recensenten, der seinetheologische Bildung an einem Lyceum genossen hat, her-stammen? Wir können dem Kritiker, der es besondersaus die Würzburger Theologen abgesehen hat. versichern,daß der Gerhard Wahrmut kein Franke ist und seineAusbildung an einem Lyceum gefunden hat. Jung