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hervorgehen, daß die Charakterisirtlng am Anfang unsererBesprechung nicht zu viel verhieß. Das Werkchen wirdeinen: Jeden, der es zur Hand nimmt, manche innigfroheStunde bereiten. Die Gedichte sind so rein, daß sie auchjungen Leuten in die Hand gegeben werden dürfen undsollen. Da auch die Ausstattung eine sehr geschmackvolleist, möchten wir das Büchlein unter keinem Christbaumvermissen. Dr. Du.
Forschungen zur bäuerischen Geschichte von Dr.G. Rätzinger. Verlag der Kösel'schen Buchhand-lung, Kemvlen.
' Von dem Abgeordneten Dr. G. Rätzinger erschiensoeben ein historisches Werk „Forschungen zur bäuer-ischen Geschichte" (653 Seiten, 9 Mark). Das vomKösel'schen Verlage sehr hübsch ausgestattete Werk ent-hält sechzehn Abhandlungen über verschiedene Periodender bäuerischen Profan- und Kirchengeschichte und beruhtauf durchaus sclbstständigem Quellenstudium. Der Ver-fasser kommt zu vielfach neuen Resultaten. Namentlichwird seine Abhandlung über den letzten AgilulfingexThassilo und über die Ursachen des Sturzes des Agilul-finger'schen Herrscherhauses Aufsehen erregen, da vr.Rätzinger hierüber ganz neues Material beibringt. Auchzur Baugeschichte in Bayern bietet eine Abhandlung überdie lombardischen Innungen in Bayern neues Licht. DenHauptthcil des Werkes bringt eine interessante Mono-rayhie über Albert Behaim , päpstlichen Legaten amayerischen Hofe zur Zeit des Kampfes zwischen derpäpstlichen Kurie und Kaiser Friedrich II. Albert Be-haim war eine der treibenden Kräfte bei der Vernichtungdes gewaltigen Herrscherhauses der Hohenstanfen. In derAbhandlung „zur älteren bayerischen Kirchengeschichte"unternimmt der Verfasser auch eine neue Lösung dersogen. Nnpertussrage, indem er den Nachweis antritt,daß der hl. Rnpcrt gar nicht Bischof von Salzburg war,sondern nur Klostcrgründer, und daß die Errichtung einerKirchenprovinz ihn: ebensowenig gelungen war, wie Kor-binian und Emmeran, sondern erst Bonifazius. Bisherhatte man angenommen, daß Rnpert in Bayern das ersteÄisthnm gegründet hat. Dr. Rätzinger führt den Beweisdes Gegentheils auf Grund der neu entdeckten Vita sanetiRuxerti, die ein Jahrhundert älter sei als die Vita primi-Aania, auf die man sich bisher stützte.
Wie die äußere Umhüllung, der Umschlag, bei jedemHefte neue, phantasievolle, künstlerisch durchgearbeitete ab-wechslungsreiche Bilder zeigt, so bietet auch der Inhalteines jeden neuen Heftes von „Alte und Neue Welt"eine Fülle wohlgcwählten, mannigfaltigsten, ansprechendstenStosses in künstlerisch feiner Form. Das soeben ausge-gebene Novemberheft z. B. läßt den Verfasser des sichimmer spannender entwickelnden Romans „Die FamiliePolaniecki" mehr und mehr als einen feinen Beobachter,Denker und Humoristen erkennen. Außerdem bietet diesesdritte Heft eine ergreifende Lebensgeschichte: „FörsterReichert" von L. Volker, zu welcher in wohlerwogenerAbwechslung die humoristische Erzählung „Die Löwen-bändigerin" aus dem Artistenleben, von Karl Pauli,einen vollkommenen Gegensatz darstellt, während WilhelmLaurin unter der anmuthigen Form eines Märchens, be-titelt „Krauseminze und Bilsenkraut", eine seineSatire beiträgt. Aus den Schilderungen dieses Heftesragen besonders hervor die „N ord land streife reisn"von Oskar Hirt, begleitet von einem Viertelhundert Il-lustrationen: nordische Landschaften und Städtebildcr vonpackender Eigenart und prächtig harmonirend mit derin geistreichem Planderton gehaltenen Darstellnng dessen,ivas ein „Schweizer Hirt" mit scharfem Auge erschaute. Einfernerer köstlicher Beitrag stammt aus der kundigen FederDr. Georg Grupps: „Die Entwickelung des Schön-heitssinnes in der Renaissance", welchem eben-falls ausgezeichnete Bilder beigefügt sind. Aus den hohenSphären künstlerischer Betrachtung entführt uns „Diedumme Gans" in andere Regionen, aber keineswegsetwa tief, denn diese zum Martinsfeste von Hugo Stern-berg angestellte Herbstbetrachtung liefert den Nachweis,daß die Gans klüger ist. als ihr Ruf besagt. Schneidigbehandelt I. M. „Das höhere Duell", anschaulich er-
klärt in einer technischen Erläuterung M. Roda-Roda„Einiges von den Geschützrohren", und die natur-wissenschaftliche Abhandlung: „Die Arbeit desStaubes" voir V. Freudenberg zeigt Miss neue, wie dieNatur oft gerade mit den kleinsten Mitteln die wunder-samsten Wirkungen erzielt. Dem reiht sich noch eineMenge interessanter Kleinigkeiten an: eine musikal-ische Beigabe, eine astronomische Skizze, Gedichte, dieFraucnbeüage, die Monatsrundschan und allerhand No-tizen, von denen die gemeinnützigen sich bis in denJnseratentheil erstrecken.
Soeben erschien in Andreas Gvbel's VerlagsbuchHandlung in Würzburg :
„Heilige und selige Kinder." Eine kleine Legenden-sammlung von heiligen und seligen Kindern. Derlieben christlichen Jugend gewidmet von I. Hof-mann, weiland Priester der Diöcese Würzburg.Neunte Auflage«, bearbeitet von L. ArseniusDotzler, O. 8. I'r. Mit oberhirtlicher Appro-bation und Erlaubniß der Oberen. 16°. 66 S.Preis elegant in Kalbleder-Jmitation geb. 35 Pfg.
Ein goldenes Büchlein für die Jugend! Das hand-liche Büchlein enthält 33 kleine Beschreibungen heiligerKinder, wahre Heiligenbilder, liebliche Miniatnrgemäldeder erzählenden Kunst, gemalt von alterprobter Hand:sie sind von unnachahmlicher Kürze, Anmuth^ Kindlichkeitund Klarheit, so wie sie nur immer ein Kinderfreund,wie Herr Pfarrer I. Hofmann war, hinzuzaubern ver-mag. Acht rasch vergriffene Auflagen verrathen bereitsaus dem Titelblatte des Büchleins Werth. Die Legendenselbst fesseln aber auch jedes kindliche Herz und begeisternzur Nachfolge. Das ist es aber auch, was der Seelsorgervon solch' einem Büchlein erwartet- darum wird er nichtermangeln, es als Fleiß- und Preisbüchlein, als Namens-tags-, Weihnachts- und Neujahrs-Gcschenk zu benützen.
Bilder-Atlas zur Geographie der außereuropäischenErdtheile mit beschreibendem Text von Dr. AtoisGeistbeck.
Damit haben wir die zweite Lieferung des bereitsfrüher besprochenen Werkes vor uns. Während in derersten Europa behandelt ist, hat diese zum Inhalte: Asien ,Afrika, Amerika, Australien und Ozeanien. — In derThat, wenn schon die geographische Erschließung des va-terländischen Bodens der anschaulichen Behelfe nicht ent-behren kann, so erscheinen diese bei der Betrachtung unddem Studium fremder Länder und Erdtheilc geradezuunerläßlich. Darum heißen wir auch diesen Band mitFreuden willkommen und wünschen ihn: dieselbe günstigeAufnahme, welche der erste allenthalben gefunden hat.Das Werk eignet sich bei anders zu einer vorzüglichenWeihnachtsgabe für unsere studirende Jugend.
Pros. Bisle.
Tascheubüchlein des guten Tones. Praktische An-leitung über die Formen des Anstandes für dieweibliche Jugend von Sophie Christ. 6. Aufl.Verlag von Franz Kirchheim, Mainz . 1897. 16.(XII u. 196 S.) Preis in Callico geb. M. 1,50.
Das Büchlein bietet eine sehr gediegene Anleitung,in welcher Weise die weibliche Jugend in allen Lagenund Lebensverhältnissen den Forderungen des gutenTones entsprechen soll. Dasselbe zeichnet sich vor denmeisten ähnlichen Schriften dadurch vortheilhaft aus, daßes jenen Anstand lehrt, der auf echt christlicher Grund-lage beruht. Gewöhnlich sind derartige Schriften weiternichts als Komplimentirbücher, aus welchen man sich einglattes, geschmeidiges Wesen, einen gewissen, rein äußernSchliff aneignen kann, der oft genug die innere Hohlheitverdecken soll. Die Verfasserin unseres Taschenbüchleinsaber, eine Überzeugungstreue Katholikin, stellt als oberstenGrundsatz auf: „Strebe nach Veredelung des Herzens,nach christlicher Vollkommenheit, und dem ganzes Be-nehmen stehe im Einklänge mit deiner inneren Ge-sinnung."