L75
(oder früheren Archidiakon) in Briefen undTagebuchnotizen selber sprechend einführt.Wohl an 1000 Briefe von Manning und andern, sowieaußerordentlich zahlreiche Tagebuchblätter sind in demWerke in extoimo wörtlich abgedruckt, Purcell sagtDrekaes, VI: „it vas rn^ dut^ and deliZdt, toIst tsto ostiek actor in tstw cowxlsx drarna teil tdotals ok ttis ovn like, and, ao kar a8 ma^ krs, in Iiiaovn rvordg". Hiemit schlug der Biograph einen Wegein, der ganz der Anschauung des hochberühmten undtiefgelehrten Cärdinals Newman entsprach, eine Methode,die, aller Bemäntelung, Jdealisirung und stillschweigendenUnterdrückung abhold, den Helden des geschichtlichenDramas — selbst in seiner innersten Jnnen-Seite —darstellt. Newman schreibt in Bezug auf Verschweig-nngen in großen Geschichtswerken: „Dsrs anotflor xroatsudz'eot opev8 upon N8, vllan I ongstt to be drinZingtsteso reinarlr8 to an snd; I inoan tirs oudornioporennial kidZot vstidi po8368868 U8astout giving ooandal; kaet8 ars onritted inZreat distorisZ, or glosses are put on rnomoraUIsL 0 t 8 , b6L3.u8s tUo^ are tttonxflt not odik^inZ,v?U6r63>8 ok all 8candal8 8uolr ornilli83ion8,8Uoli §108868 aro tlro §roat68t." („Iliatorioal8lreteli68'', Vol. II, x§. 231.)
Wollte nun Purcell eine wahre Geschichte Mauuingsschreiben, so konnte er es nicht ohne Veröffentlichungder meisten ihm überlassenen Documente, Diarien undBriefe. Mag man auch seufzen über „Indiskretion"N. dergl., Purcell stellte sich durch die Mittheilung selbstder intimsten Briefe des Cardinals nur auf den Stand-punkt Newman's, welcher schreibt: „It sta,8 doon astostdx ok mine, tlrougli perlrap8 it ie a truiom andnot a stobst^, tlrat tste true liks ok a man i8in die Iotts r 8. . . . Not on!^ kor tlie intere8t8ok a diograxh^, stut kor arrivinZ at tlie in-vids ok tstinA8, tds pudlioation ok lettergi8 tsts true metlrode. Liograplierg varnisst,tlre^ L83ign wotiv68, tlie^ eongeeturs keelings . . .;but oontswporarx lettero aro kaot8." Das-selbe gilt von Tagebucheinträgen und von Skizzen, wieManning sie z. B. niederschrieb über die Orden undüber die „Neun Hindernisse" u. dergl.
Bei solcher Methode der Geschichtschreibung ist esdem Leser ermöglicht, sich sein eigenes Urtheil zubilden. Dies ist auch der Fall bei Purccll's „Diko ok6ard. UanninZ«, wie jeder weiß, der es gelesen hat.
Unter diesen Umständen fallen die etwavorkommenden, sich widersprechenden Ur-theile nicht so sehr in's Gewicht, daß mansogleich die ganze Glaubwürdigkeit einesAutors mit Recht in Zweifel ziehen dürfteund könnte.
Wenn Purccll's Mittheilungen überdies in irgendeinem Punkte intcrpolirt oder gefälscht wären, dann hätteCard. Vaughan und hätten die vier Testamentsexecntoren(Nob. Butter, Thomas Dillon, Walter Richards undCornel. Keens) und hätten die Väter der GesellschaftJesu dies längst bewiesen — aber das ist unmög-lich! Hieraus wird klar, was die Verdächtigung derAutorität Pnrcell's zu bedeuten hat — und: aus welchedlen, großen Motiven diese versuchte Verdächtigung ent-springt. Nicht alles, was unbequem empfundenwird, ist deßwegen auch schon unwahr!
Was die zum Theil zugegebenen WidersprüchePnrcell's speciell angeht, so wurde er in den von mirangedeuteten Widerspruch bezüglich der StellungManntngs zu den Jesuiten gewissermaßen hinein-gedrängt. „Lvsn dskoro Publication (ok tboDiko ok Oard. UanninZ) I va>8 urgsd, rvitb dn-gular vobemonos and pertinadt^, toadopt tbo polier ok onpproodon" — so ge-steht der Biograph selbst (Nineteenth Century, Okt. 1896,pz. 537). Damit war er vor die schwierige Aufgabegestellt, zwei Parteien gerecht zu werden, bis endlichdie angeborene Wahrheitsliebe dieses englischen Schrift-stellers zum endgiltigen Durchbruch kam auch in diese mPunkte (okr. meine Schrift, pag. 79, 81, 83). Um soweniger kann aber dann auf diesen vom Autor selbst be-seitigten Widerspruch ein genereller Zweifel an seinerGlaubwürdigkeit gegründet werden. Kurz: wie wünschens-wert!) es manchen auch erscheinen mag, Purcell alsFälscher und Lügner gebrandmarkt zu sehen — dieserhöchst begreifliche Wunsch bleibt unerfüllbar!
Ebenso ist es „Iovo'3 Iv8t labour", den „Spectator"zu verdächtigen. Dieser tiefgelehrte Kenner der Kirchen-und Profangeschichte steht höher, als daß ihm ein oli-Recensent das Handwasser zu reichen vermöchte. Nurhat Spectator den Fehler, den Shakespeares „JuliusCäsar" rügt: „Er denkt zu viel, die Leute sind ge-fährlich" (1. Act, Sc. 2). *)
2. u. 3. Psychologische Widersprüche in einemCharakterbilde sind keine logischen Widersprüche. Letztereverstoßen allerdings por 86 gegen die unwandelbarenund nothwendigen Naturgesetze des Denkens; erstere be-wegen sich auf dem Gebiete des freien Willens undharren infolgedessen oft lange ihrer Lösung.
Im klebrigen bitten wir den eb-Recensenten, mitRuhe und ohne Gehässigkeit unsere „Klärung und Er-gänzung" nochmals lesen, aber nicht bloß durchstiegenzu wollen: dann wird ihm sein dritter Punkt von selbstals Verzerrung und Verkehrn»g klar werden.Ein altes englisches Sprichwort lautet: „NoEtz? igtbo b63b polio^" (Ehrlichkeit — ohne Parteigehässigkeitund blinde Voreingenommenheit — ist die beste Politik)!
Dies Wort gilt auch von jenem „Kritiker", dermich wegen eines vergessenen Schlußzeichens interpellirt.Wenn er weiß — und das kann er aus dem Zusammen-hang wissen — daß ich es vergaß: warum dann d»Frage?
Auch ich habe eine Frage: Wenn man sich in seltenerMikrologie an ein Schlußzeichen hängt, warum hat manso beharrlich geschwiegen über Dr. Braun's grobe Ikeber-sctzungsfehler, welche dieser ganz stillschweigend bis aufeinen (im 2. Hinderniß Mauuings) corrigirt hat?(okr. 3. u. 4. Aufl. seines „DiZtivgno").
Zum Schlüsse spreche ich den beiden Kritikern denbesten Dank aus für die Beweise, welche sie mir für dieS. 82 und 89 meiner Schrift niedergelegten Behaupt-,ungen geliefert haben.
Friedrich Nietzsche sagt einmal: „Schauen wir unsin's Angesicht, mein Herr, wir sind Hyperboräer." . . .Aber: ist die döcadonco, die der unglückliche Philosoph
' Diese Argumente erinnern uns sehr an eine Zeit,welche Herr „Gerb. Wahrmnt" nicht miterlebt hat — andie Zeit der „Döllingerei". Daß der „Spectator" ein sehrgelehrter Herr ist, weiß man ziemlich allgemein; aberebenso ist Thatsache, daß es viele denkende Leute undmaßgebende Stellen gibt. die seine Autorität eben doch'-nur mit gewisser Reserve anerkennen. D. Red.