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MahLdeva den Fluß und legte ihn auf feinen Kopf.Als der Ganges nicht mehr fort konnte, wurde er sehrzornig und machte einen Heiden-Lärm. Der Geist hieltihn jedoch fest, so daß Niemand hineinfallen konnte.Dann nahm er einen Theil des Flusses uud gab den-selben dem Könige Bhagiratta, welcher den mittlerender sieben Arme des Ganges über die Gebeine seinerAhnen fließen ließ, wodurch diese von ihrer Strafe be-freit wurden."
„Deßhalb, sagt Alberunk, werfen die Hindus dieverbrannten Gebeine ihrer Todten in den Ganges, welchernach dem Namen des Königs, der ihn auf die Erde- brachte, auch Bhagiratta genannt wird." (Aus Edw.Sachau's ^^Iberuni's Inäia", I-oucl. 1888.
2 vol.)
„Ein Tag im Kloster."
Bilder aus dem Benediktinerleben von D. Sebaftianv. Oer, Benediktiner der Benroner Congregation.*)
„Preis den braven schwarzen Mönchen,
Preis den wack'ren Kuttenträgern,
Alles menschlich schönen Wissens
Frommen Hütern, treuen Pflegern!"
„Dreizehnlinden".
Wer hat des Sängers von „Dreizehnlinden" unver-gleichliche Schilderungen in den Gesängen „Das Kloster"und „Die Mette" gelesen, ohne dabei den stillen Wunschgehegt zu haben, ein solches Kloster einmal zu sehen, solchebrave Mönche einmal zu belauschen? „Der Name odergar der Anblick eines Klosters hat von jeher einen be-sonderen Reiz auf die Kinder der Welt ausgeübt." Demeinen ist es nie geglückt, ein Kloster nach St. BenediktusRegel besuchen zu können, der andere sah sich bei einemsolchen Klosterbesuch arg enttäuscht, und doch gibt esthatsächlich solche Klöster. Wer sich davon überzeugenwill, lese das Buch „Ein Tag im Kloster". Wie esin einem Benediktinerkloster auf und zu geht, schildertuns der Verfasser meisterhaft in den Abschnitten: DieKlosterpforte, Das Klaustrum, Vor der Statue des Ordens-stifters. Die Nacht, Das Gotteslob, Der Morgen, DieArbeit, Das Hochamt und die Klosterkirche, Der Abt unddie klösterliche Familie, Das Refektorium, Rekreation,Gäste, Die Laienbruder. Die Kunstschule. Vesper undEinkleidung, Abschied. Wir lernen das beschauliche Kloster-leben kennen von der einladenden Klosterpforte bis in denhochgewölbten Klosterchor, vorn ersten Morgenglockenschallbis zum späten Abendläuten, von der feierlichen Gelübde-ablegung bis zum ergreifenden „Susoixs wo Domino" aufdem ärmlichen Todtenbette. Der Verfasser selbst, der inder Welt draußen anr königlichen Hofe zu Dresden dieErzieherstelle beim Prinzen Max inne hatte, hat dasAdelsschloß seiner hochgeboruen Vorfahren verlassen, umin einen Adelsstand erhoben zu werden, dessen langeAhnenreihe bis in die ersten Anfänge unserer Zeitrechnunghinaufreicht: als Benroner Benediktiner ward erzum Ritter der Kirche geschlagen. Der hohe Ver-fasser verräth sich an zahlreichen Stellen durch seine ein-fache und doch blumenreiche Sprache, durch seine unge-suchten und doch anregenden Gedanken, unbewußt alsbegabten Dichter, dessen frommes Herz in dem verzehrendenFlammenfeuer gottseliger Liebesaufwallung ganz aufgeht.Wenn er gesteht, er habe bei Schilderung des mönchischenOrdenslebens kein bestimmtes oder überhaupt bestehendesKloster im Auge gehabt, so glauben nur ihm dies auchherzensgern. Gleichwohl ist das Kloster kein anderes alsdie Perle des oberen Donauthals selber oder eines ihrerTochterklöster. Im Geiste verbringen wir einen Tag imKloster, wie es nach der Regel des gotterlcuchteten Patri-archen von Subiaco sein soll. Dieses herrliche Idealklösterlicher Vollkommenheit zu erreichen, ist aber dasangelegentlichste und eifrigste Bestreben der BenronerCongregation:Mittelpunkt des christlichen Volkes,Vorbild für die christliche Familie, Glühherd
*) Nationale Verlagsanstalt vormals Manz, Regens-burg . 1897. Preis: geb. M. 3,80; im Prachtband M. 4.
des Gebetes, die ewige Lampe der Gottesver,ehrung — eine Burg der Selbsthciligung zusein. Die anmuthigcn Klosterbilder sind ein prächtigesWerk mit einer Gedankenfülle und einem Bilderrcichthnm,der uns lebhaft in heilige Gottesnähe entrückt. Äehnlich°sie der graubärtige Burgwart, der dem Fremden die ver-ödeten Gemächer und Gelasse der epheuumsponnenen Burgzeigt, in seinen schlichten Worten hie und da über einstigeRittersherrlichkeit Vergleiche mit der rastlosen Zeit desDampfes und der Elektricität anstellt, macht es der liebens-würdige Ordcnsmann, der uns durch den Kreuzgang, dieHallen und Räume des Klosters führt. Oft hält er inseinem stillen Wandeln inne, legt den Finger an denMund und erzählt von den Zeiten lebendigen Glaubensund dem Jahrhunderte frechen Unglaubens, von den Kin-dern des Lichtes und den Kindern der Welt. Wenn wirihm so vertrauensselig zuhören, kommt es uns vor, alslegte sich der Ernst milder Trauer auf seine ehrwürdigenGesichtszüge. Wir werden gekräftigt und gefestigt inunserem Glauben, denn dieweil wir mit deni freundlichenMönche wieder durch die Gänge gehen, benützt er geschicktdie Gelegenheit, uns in die mystischen Tiefen der trost-reichen Glaubensgeheimnisse zu versenken. Dies thut ermit unnachahmlicher Einfachheit und Kürze, in anmuthen-der Wahrheit und Innigkeit. Deßhalb wird das Buchdem Laien nicht weniger willkommen sein als demKleriker. Dieser findet darin eine passende Anleitungzu frommem Stundengebet und frommem Geistesleben:„ksallits oapisvtsr!", ,ener erquickende Unterhaltung, dieBelehrung und Erbauung miteinfließen läßt: „Doos guambomun et guam .juemiäuw, lmbitaro kratroo in unuml"?8. 132, 1. „Er führt die Besucher gleich lieben Gästenin das Innere eines regulären Klosters, damit sie ausdem, was sie dort sehen und hören, einen kleinen Ruhenfür sich, für ihr inneres und äußeres Leben schöpfenmögen/ Dabei weiß ?. Sebastian so anschaulich zureden und so beschaulich zu denken. Wie geistreich undsinnig ist — um von vielen Beispielen nur eines anzu-führen — die Erklärung von „Ora et labora!" Der alteDenkspruch wird schon m der hl. Schrift versinnbildet inder um den Heiland weilenden Marra und der im Hausegeschäftigen Martha. Die eine verpersönlicht And ach ts-gluth, die andere Schwester Emsigkeit.
Wir empfehlen das treffliche Buch allen Katholiken,besonders jenen, denen in unserer glaubensarmen Zeitdas Verständniß für das Mönchsleben abgeht; auch wün-schen wir recht sehnlichst, das Buch allen verbissenenKlosterfeindcn in die Hand. Unverstand und Bosheitwürden nicht mehr das Mönchsleben mit den absonder-lichsten Beschuldigungen belasten. — Die Ausstattung desBuches ist nach jeder Hinsicht tadellos. Druck und Formentsprechen den jetzigen Anforderungen der Buchdruckerei-und Buchbindercikünst. Die sinnigen Bilder und Bildchen,die zahlreich eingestreut sind, geben dem Ganzen einengeschmackvollen Schmuck und jenes alterthümelnde Ge-präge, das der heutige Buchhandel aus seinen ersten An-sängen wieder hervorgeholt hat.
Haben wir das schöne Buch „Ein Tag im Kloster"nur erst einmal gelesen, dann werden wir auch verstehen,warum im vergangenen Sommer die kaiserlichenMajestäten in der stillen Abgeschiedenheit des Laacher Thals, an den Ufern des blauen Sce's sich als Kloster-gäste'so heimisch fühlten und den Klosterbesuch in bestemAndenken behielten. Der Sterbliche aber, den keine Kronedrückt, wird, nachdem er an der Hand des Büchleins wievon einem verborgenen lauschigen Plätzchen aus dasklösterliche Stilleben beobachtet hat, fast mit leiser Weh-muth aus dem Weichbild der Abtei treten:
„O. wie zieht's nach Deinen Hallen
Sehnend Herz und Seele mein.
Hier möcht' ich im Frieden wallen
Und ein frommer Bruder sein!"
ll. B.