Ausgabe 
(4.12.1897) 69
 
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seine Erlebnisse und Untersuchungen bei den Indianern inCentral-Brasilien ?) Er gab einen Ueberblick über dieExpedition, welche er mit Herrn Dr. Meyer nach demQüellgebiet des Schnigu im Herbste 1895 antrat. Diescharfe Beobachtung und die geistreiche Form der Dar-stellung machten den Vortrag zu einem wahrhaft genuß-reichen. Bei einer gemeinsamen Sitzung der Anthropo-logischen und Geographischen Gesellschaft am 24. Nov.sprach Herr Roman Oberhummer über die VogelweltKleinasiens . Seinen Vortrag konnte er dnrch seine reicheSammlung trefflich illustriren. Am 26. November wardie erste Sitzung im Kunstgewerbehaus unter dem Vor-sitze des Herrn Professors Dr. I. Ranke. Vor der Tages-ordnung stellte Herr Hammer. Director des Münchener Panoptrküms, den Skelettmenschen Castagna vor. Denersten Vortrag hielt Hr. Rcichsarchivrath Dr. Franz LudwigÄaumannüber die geschichtliche Aufeinanderfolge derBevölkerung des bayerischen Schwabens ". Schon umdas Jahr 400 v. Chr. wanderten vindelicische Kelten imbayerischen Schwaben ein und verdrängten die uns un-bekannten Einwohner. 15 v. Chr. wurden sie vonden Römern, unterworfen und romanisirt. Vorn 2. bis5. Jahrhundert hatten sie unter den Einfällen von Chattenund Älamannen zu leiden. Reste derselben waren aberauch noch unter den von Thepdorich dem Großen zwischenJller und Lech 506 angesiedelten Schwaben. Einen Unter-schied zwischenSchwaben und Älamannen zu machen, wie diesnach der Sprachgrenze zwischen den sogenannten Älamannenund sogenannten Schwaben geschieht, ist nicht angängig.Schwaben und Älamannen sind ein und derselbeStamm. Der Name Älamannen wurde nur von denRömern und den späteren, lateinisch schreibenden Schrift-stellern gebraucht, und war ursprünglich nur ein Zuname.Das Volk selbst nannte sich Schwaben . Weitere Bei-mischungen fremder Völker erfolgten erst in Folge des30 rührigen Krieges, indem aus Salzburg , Tirol, Vorarl-berg und Graubünden Einwanderungen m das menschen-leer gewordene Gebiet erfolgten. Hierauf sprach HerrDr. Sundberg, amerikanischer Consul in Bagdad a. D.,über Land und Leute in Mesopotamien " und illustrirteseinen Vortrag durch Vorführung von Photographienmittelst Skioptikon. vr. B.

Recensionen nnd Notizen.

Glück wider Willen." Von Gräfin Julie Quadt- 2 Bände in 8«; 1. Bd. 343 SS 2. Bd. 320 SS.Negensburg, 1897. Nationale Verlagsanstalt (früherG. I. Manz). Preis brosch. 5 M., gebd. in zweiLeinwandbänden 7 M.

L. Die katholische belletristische Literatur Deutsch-lands ist im Aufschwünge. Lange lag sie im Argen. DerMangel geziemender Anerkennung und genügender Unter-stützung seitens des lesenden Publikums hielt die Schaffens-freude vieler zum Schreiben Befähigter nieder. Dre so-genannten unparteiischen Schriften hatten den Eingangin die Salons versperrt. Leider sind dieselben auch heutenoch vielfach dort herrschend, obwohl sie die scheinheiligeMaske versprochener Objectivität läimst abgeworfen habenund offen den Kampf führen gegen Kirche, Glauben undSittlichkeit. Die alte Liebe, welche frühere Jahrgängeund Bände mancher Werke sich zu erobern vermochten,macht zahlreiche Leser blind gegenüber ihrer wesentlichgeänderten Haltung. Ein falscher Conservatismus duldetnicht, daß das gewohnte Abonnement aufgegeben oder dieSerie unterbrochen werde. Man hat sich außerdem indie gegnerische Literatur so hineingelesen, daß ausgesprochenkatholische Schriften als zu viel moralisirend und alseinseitig bei Seite gelegt werden. Was andersgläubigeoder ungläubige Bekannte gelesen und für reizend be-funden haben, das muß angeschafft werden. So verlangtes die moderne Bildung und die andernfalls entstehendeGefahr, als Ignorant zu gelten. Ein schönes katholischesWerk wir haben deren schon viele «katholischen undsogar katholischen Freunden oder Freundinnen anzu-empfehlen, zu leihen oder zu schenken, verbietet oft dietyrannisch herrschende Furcht, daß man verletzen, in-tolerant oder extrem katholisch erscheinen könnte. DenUnte rlassungssünden im Punkte der Unterstützung kathol-

ch Der Vortrag erscheint ausführlich in der BeilagederAllgemeinen Zeitung" Nr. 270.

sicher Literatur steht gegenüber eine, wenn auch in denletzten Jahren bedeutend verringerte, so doch noch vor-handene schriftstellerische Indolenz und Allenergie solcherPersonen beiderlei Geschlechts, welche das wissen und dieZeit hätten, um den Büchermarkt zu bereichern. Es wirdheutzutage zwar sehr viel, ja zu viel geschrieben und ge-druckt leider aber mehr Schlechtes als Gutes. Da istes, doppelte Pflicht, mitzuarbelten auf allen Gebieten desgeistigen Lebens. Die Concurrenz muß gewagt unddurchgeführt werden. Wem Wissen lind Verhältnisse esgestatten, der greife zur Feder, und wer es nicht wagt,ein geistiges Product allein der Oeffentlichkeit zu über-geben, der lasse sich ermuthigen durch wohlwollende Be-kannte, welche fähig und bereit sind zur vorherigen Durch-sicht und Eorrectur des Manuskripts. Also mit Muthund Begeisterung heraus zum edlen Wettkampse!ImMuthe wächst die Kraft, und dem Muthigen gehört dieWelt." Aus diesen Erwägungen begrüßen wir besonderseiil vor Kurzem erschienenes Erstlingswerk, den RomanGlück wider Willen" voll Gräfin Julie Quadt. DieVerfasserin, welche schon wiederholt die Schriftstellereinicht ohne Erfolg in Zeitschriften versucht hat. bietet hierin zwei Bänden ein interessantes Charakterbild einerchristlichen Erzieherin. Angela, die feingebildete Professors-tochter aus einem Provinzialstädtchen, schwärmt für höhereMusik. Ein hartes Familiengeschick führt sie statt ausdas Conservatorinm als Erzieherin in ein gräflichesHaus. In der reichen Schule der Erfahrung spielt ihrder Erzichelm Amor einen boshaften Streich. Ein beider gräflichen Familie anfBesuch weilender Cavalier ver-liebt sich in das brave Mädchen und sie in ihn. Diedurch die Mutter des Ersteren energisch vertretene Rück-sicht auf die Standesschrankcn läßt es nicht zu einer Ehekommen. Die platonische Jdealliebe findet ihre endlicheLösung in dem baldigen Gelübde der Keuschheit seitensder, Erzieherin und in einer nach Jahren der Trauer überzerstörtes Liebesglück abgeschlossenen Ehe zwischen demGeliebten und einem reizenden Zöglinge der einstig Er-sehnten. Angela, welcher nach dem frühen Tode der edle»Gräfin doppelte Aufgaben erwachsen, bleibt im Hanse bisnach Versorgung sämmtlicher Kinder der Familie. IhreTage beschließt sie als Directrice eines größeren Mädchen-pensionates. Das in aller Kürze der geschichliche Faden.Die Sprache ist meistentheils einfach, bei manchen Er-örterungen philosophisch, bei Naturschilderungen lebhaft,bei einigen Bildern etwas kühn, bei religiösen Erwäg-ungen warm und packend. Inhaltlich zeichnet sich dasWerk aus durch eine Fülle sittlicher Grundsätze, einenReichthum praktischer Lebensregeln und eine große Samm-lung pädagogischer Lehren. Anmuthig berühren die herr-lichen Ergüsse über die Liebe des göttlichen Heilandes imAllerheiligsten Sacramente. Sie sind ein ebenso un-verkennbares wie ungewolltes Selbstzeugniß einer m Leidund Freud sich zum Tabernakel flüchtenden Seele. Dieheutzutage so oft verkannte und vielfach unbekannte großeWohlthätigkeit von Adeligen gegen Arme nnd deren werk-thätige Liebe zu verlassenen Kranken findet einen zeit-gemäßen. von Selbstlob völlig freien Anwalt, der aberauch nicht zurückschreckt vor einer scharfen Kritik wirklicherFehler in eigenen Standeskreisen. Die Liebe zu Gott undzu dem Nächsten leitet alle Regungen des Herzens unddes Verstandes im Leben der schön gezeichneten, edlenCharaktere, insonderheit der Gräfln und Angela's. Diesebedeutenden Vorzüge des Romans versöhnen auch nuteinigen vorhandenen Mängeln. Als Schwächen erscheinenuns die allzu langen Schilderungen unwichtiger Details,die vielen Wiederholungen bei Darstellungen von Natur-schönheiten und bei den philosophischen Erörterungen überdas Wesen und den Werth der Kunst. Ein Liebesbundmuß mindestens in einem Roman geknüpft werden; wennaber gleich netto ein Dutzend Ehen zu Stande kommen,so erinnert das allzuviel an unsere unidealen Heiraths-büreaux. Der Glaube, daß die Ehen im Himmel ge-schloffen werden, wird einem dabei gänzlich geraubt.Langweilig wirkt die allmähliche Vorführung von zu-sammen über dreißig Babies, deren Vorleben als besondersuninteressant oft unerwähnt bleiben dürfte. Die Ver-suchung der Anfangsschriftsteller, möglichst große Seiten-zahl zu erreichen, wurde nicht ganz überwunden.Inder Beschränkung zeigt sich der Meister." Es bedarf derMahnung an die Leser, die beiven Bände ganz auszu-lesen und sich durch einige weniger spannende Partieen