Ausgabe 
(4.12.1897) 69
 
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soeben in sechster Auflade erschienene Handausgabe desReger'schen Krankenversicheruugsgesetz es in derFassung der Novelle vom 10. April 1892 besonders auf-merksam zn machen. Dieses bereits bei seinem erstmaligenErscheinen von Seite des r. Staatsministernms des Innernzur Anschaffung empfohlene Buch ist auch in der vor-liegenden neuen Auflage mit Rücksicht auf die durch-greifenden Aenderungen, welche das Krankenversichernngs-gesek durch die Novelle vom 10. April 1892 erfahren hat,von dem Bearbeiter der fünften Auflade, Herrn Bezirks-amts-AsfesforHenlc, sorgfältigst revidirt worden, und istHiebei insbesondere auch die gefammte einschlägigeRechtsprechung nebst Literatur in seltener Voll-ständigkeit berücksichtigt. Da die Reger-Henle'scheAusgabe zudem die sämmtlichen, bis in die allerjüngsteZeit ergangenen Vollzngsbekanntmachungen enthält undgebunden (tröst des großen Umfangs von Äll Seiten)nur auf 4 M. 80 Pfg. zn stehen kommt, kann auch dieseAuflage allen Interessenten insbesondere den Verwalt-nngs- und Gemeindebehörden, den Rechtsanwältcn,Aerzten rc. wärmstens empfohlen werden. Gleich em-pfehlenswert!) dürfte die NeuauSgabe des Heimath-gcscstes sein, welche in vierter Auflage soeben in dem-selben Verlage erschienen ist; die Neubearbeitung dieserAusgabe ist von Hrn. Staatsanrvalt Reger (am k. Ver-waltnngsgerichtshofe) selbst besorgt, und wurde Hiebeiselbstverständlich nicht nur die bisherige, sondern auch dieallerjüngste Rechtsprechung dieses Gerichtshofes ins-besondere zur Novelle vom 17. Juni 1896 eingehendberücksichtigt. Schon hiewegen dürfte auch diese Hand-ausgabe den Bedürfnissen der Gemeinden:c. rc. sehr ent-sprechen, zumal deren Preis (2 M. 40 Pfg. für das ge-bundene Exemplar) gleichfalls als sehr mäßig bezeichnetwerden kann.

Eine Philosophie des Schonen in Natur undKunst von Dr. pbil. Joseph Müller. Mainz 1897 Franz Kirchheim. gr. 8. (IV und 270 S.)Preis M. 5., eleg. gebd. M. 6.50.

Die Ankündigung einer Aesthetik und ein leisesGruseln fallen für manchen Gebildeten in eins zusammen.Dieser Gcfühlsavriorismus hat dem Werke I)r. Müllcr'sgegenüber keinen Sinn. Nicht steife Vortrage über denBegriff und die Forderungen des Schönen füllen dieSeiten, sondern lebenswarme und lebenswahre Schilder-ungen der wirklich vorhandenen Schönheitsobjekte aufdein Gebiete der Literatur und Kirnst bilden den Inhaltdes Buches. Unsere realistische Zeit verlangt auch fürprincipielle Darlegungen und abstrakte Erörterungen einanschauliches Substrat,' diesem Verlangen hat der Ver-fasser in meisterhafter Weise entsprochen. Dabei tritt dieFülle geistvoller Gedanken in einer Sprache uns entgegen,wohlgeeignet dem Leser ein wirklich ästhetisches Genießenzu vermitteln und bis zum Schluß seine volle Aufmerk-samkeit zu fesseln. Nirgends eine Tirade, nirgends einüberflüssiges, wenn auch noch so schönes Citat. Der Ver-fasser spricht, iveil er uns etwas zu sagen hat; er corri-girt und ergänzt zugleich. Seinem scharfen Blicke entgehtrein wesentlicher Zug in dem fast verwirrenden Bilde desmodernen ästhetischen F-ühlcns und Denkens. Dabei ver-einigt der Verfasser frische Lebendigkeit und Anschaulich-keit der Darstellung mit Gründlichkeit und Gediegenheitder Gedanken und verzichtet im Interesse der Kürze aufweitläufiges Eingehen in längst erledigte Details. Wirhören ebenso von Nhde wie von Rafael, von GerhardHanptmann ivic von Schiller, von Wagner wie vonPalestrina , und überall sehen wir das Urtheil fest sichstutzend auf die innere Wahrheit des ästhetischen Objectesselbst. Weil demnach Dr. Müller's Werk durch und durchmodern ist, indem es seine Darstellung nicht auf theo-logischen oder einseitig philosophischen Grundlehren auf-baut und zugleich die neuesten künstlerischen Gebilde in denKreis seiner Besprechung zieht, so können wir dasselbespeciell für gläubige katholische Kreise nicht warm genugempfehlen. Der lebhafte Widerspruch aus dem anderenLager wird beweisen, wie nothwendig dieses Buch warfür jeden, der sich mit seiner positiven Weltanschauungnoch in: modernen Kunstlebcn zurechtfinden will. Dabeimacht die leichtverständliche Sprache das Werk auch fürein gebildetes Publikum überhaupt, ohne philosophische

Bor-kenntnisse zu verlangen, zur anregenden Lectüregeeignet. Dr. I. M.B.

Jfabella. Eine Erzählung aus der Bretagne . VonMarg. Levray. Mit 26 Originalillnstrationenvon E. Vulliemin. Stuttgart , Jos. Roth'sche Ver-lagshandlung. Preis eleg. brosch. M. 3.20; inhochfeinem Salonemband M. 4,20.

Eeines jener seltenen Bücher, das den Leser undnamentlich junge Leserinnen von der ersten bis znr letzte)!Seite fesselt, dabei zugleich belehrt uud Geist und Gemüthin edelster Weise befriedigt. Vom Inhalte selbst wollenwir aber nicht allzu viel verrathen: Die Erzählung spieltin den höheren Ädelskreisen der meerumbrandeten Bre-tagne . Die Charaktere sind flott gezeichnet. Namentlichdie Heldin, die junge, reiche Schloßherrin von Kermenenr,ist cme Prachtgestalt, die sich sofort alle Herzen gewinnt.Aber trotz Glanz und Sonnenschein bleiben auch ihrschwere, innere Kämpfe nicht erspart. In lebenswahrerSchilderung entrollt uns die Verfasserin ein Bild von derbestrickenden Macht, die blendende äußere Vorzüge leichtauf ein unschuldiges Gemüth ausüben können. Erleichtertathmet der Leser auf, als endlich der Bann sich löst undder Schluß froh ausklingt. Dabei hat es die Ver-fasserin aber auch vorzüglich verstanden, Land und Leute,besonders die wetterharten Seeleute und Fischer der Bre-tagne naturgetreu zn schildern. Die ganze Erzählung istin echt christlichem Geiste, rein und gemüthvoll gehalten. Mit einem reizenden Titelbild und vielen künstlerischenIllustrationen geziert, ist das Buch zumal in seinen!schmucken Aenßern als Festgeschenk vorzüglich geeignet.Wir können daher das Buch für Jung und Alt, beson-ders aber für die weibliche Jugend nicht warm genugempfehlen.

Im Reiche des silbernen Löwen betitelt sichdie neue Reiseerzählung von Karl May , die derDeutsche Hausschatz im soeben erschienenen drittenHefte beginnt. Die zahlreichen Verehrer des beliebtenSchriftstellers werden die neue Erzählung, die ebensospannend zu werden verspricht, wie ihre Vorgänger,freudig begrüßen. Außerdem bringt das Heft die Fort-setzungen der beiden Romane: Im Banne der Kunstvon B. Corony und der Roman eines Egoisten vonCbampol, die durch spannende Handlung und feine Cha-rakter-zeichnung unwiderstehlich feffeln. Neben diesen dreiRomanen enthält das Heft auch noch die außerordentlichanziehende Novellette von Karl Theodor Zingeler: Einverhänguißvoller Weihnachtsabend, der unserzählt, wie ein Offizier am hl. Abend nur durch einewunderbare Fügung vom Tode errettet wurde. Aus denbelehrenden Artikeln heben wir folgende hervor: KnechtRuprecht und St. Nikolas von Moritz Lilie ; dreibedeutsame Weihnachtstage aus derGeschichte> von Dr. F. I. Holly, Etwas über VolkstrachtenI von August von Heyden ; Dr. Joseph Lingens von! Rhenanus, der den hochverdienten Centrnmsmann schildert.! Besonders machen wir auf die drei Artikel: Neue ka-! tholische Belletristik von E. M. Hamann und H.Keiter aufmerksam. Der Bilderschmuck dieses, dem heil.Weihnachtsfeste gewidmeten Heftes ist überaus reich undschön. Namentlich begrüßen wir die herrliche Kunst-beilage in Farbendruck: Gin seltsamer Fang, mitder der Verlag des Hansschatzes deir Abonnenten einegroße Freude bereitet.

Adalbert Stifter's Ausgewählte Werke. Volks-ausgabe in 3 Bänden. Preis gebd. in HalbfranzM. 10, oder Fl. 6. ö. W. C. F. ArmelangsVerlag in Leipzig .

* Von dieser bereits vor Kurzem angekündigten Aus-gabe erschienen soeben die Abtheilungen II und III.-Einen besonderen, den Hauptvorzug bilden beiStifter"die glänzenden Naturschilderungen und Landschaftsbe-schrerbnngen, welche diesen Erzählungen einen ganz eigen-thümlichen Reiz verleihen und den Leser veranlassen, immerwieder zu der meisterhaften Darstellung zu greisen. Wir;können die Anschaffung dieser Ausgabe aufs wärmsteempfehlen.

Verauliv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druckn. Verlag des Lit. Instituts von Haas LGrabherr in Augsburg