503
ganze intellektuelle und moralische Entwicklung ruhtwesentlich auf seiner Theologie, welche die Geister be-herrscht und leitet. — — Dieser Einfluß war höchstsegensreich, denn er hat nicht nur die geistige Bewegungin Europa genährt und befruchtet, es war vielmehr ebendadurch ein System gegeben, das unendlich höher standals alles, was die alte Welt gekannt hatte."
Fürwahr, vom Lichte, welches die unsterblichen Sonnendes Mittelalters, ein Albertus d. Gr., ein Thomas vonAquin , ein Alexander v. Hales u. a.. ausgestrahlt, ist Hr.Dr. Wahrendorp sicherlich noch nie beschienen worden;man merkt es feiner Wissenschaft an.
Herr Wahrendorp kann sich auch die Gelegenheit nichtentgehen lassen, den Jesuiten einen — Fußtritt zu ver-setzen, ja deren Vernichtung als die wichtigste Cultur-aufgabe aller europäischen Staaten „mit aller Wärme"zu vroclamiren (S- 40, 42 ff.). Daß hier fanatische Ge-hässigkeit den Stift geführt, springt in die Augen. Erwärmt den alten Kohl „vom Zwecke, der die Mittelheiligt", wieder auf; er erlaubt sich diese „wissenschaftliche"Verleumdung, ohne nur im geringsten einen Beweis fürseine Behauptung zu versuchen, und doch hätte er sogardabei ein kleines Profitchen machen und die 1000 Guldenverdienen können, die einstens L. Roh auf der Kanzelzu Frankfurt demjenigen geboten hat. welcher diesen Satzals in Jesuitenschriften enthalten und von Jesuiten ver-treten nach dem Schiedssprüche von drei Universitätennachgewiesen hätte. Die Summe ist noch immer deponirt,trotzdem wird das alte Lied in allen Tonarten weiter ge-leiert. Mit solchen rostigen Waffen sollte man nicht alsVorkämpfer für die Wissenschaft auf den Plan trercn.
Was Herr Wahrendorp über den Streit zwischenJanscnisten und Jesuiten sagt, berechtigt zu der Annahme.Herr Wahrendorp kenne den eigentlichen Streitpunkt garnicht, und er habe anch nie mit einem Auge einen Blickin die einschlägige Literatur gewagt; trotzdem fühlt ersich berufen, große Worte auszusprechen. Ja, wenn manWortmacherer und Wissenschaftlichkeit für identisch hält.dann gebührt allerdings Herrn Wahrendorp Krone undPalme. Den Eindruck, den die Broschüre des HerrnWahrendorp auf die Jesuiten gemacht, die er mit Schmutzbeworfen, ersieht man daraus, daß sie sich um sein Ge-schreibsel gar nicht gekümmert nnd ihn nicht einesWortes der Erwiderung gewürdigt haben.
(Schluß folgt.)
Als Antwort auf die Erwiderung
des „einzig autorisirten Uebersetzers" in Beilage 68 gelteFolgendes:
1. Es ist dieser Erwiderung gelungen, den oiroulnsMiosns seiner ganzen Schrift recht deutlich zu machen.
Der Zweck seiner Schrift ist doch der, die letzte Schriftdes Kardinals Manning recht hochbedeutsam und gewichtigerscheinen zu lassen. Darum will er die Autorität Pur-cells retten. — Obwohl nun die wiederholt zugestandenenWidersprüche desselben, bei dem „die angeborne Wahr-heitsliebe endlich doch zum Durchbruch kommt",dieselbe gewiß nicht heben, besonders da er ebenso un-glücklich in seiner ersten Zurückhaltung wie in seinerspäteren Erklärung der Widersprüche war, so fühlt Herr„Wahrmut" nicht, daß er, je mehr er die Autorität Pnr-cells zu retten sucht, die des Cardinals begräbt. — Wersich so viele psychologische Widersprüche, wie dieser, mußbeweisen lassen, welches Gewicht können denn feine Ur-theile auf einem Gebiete haben, wo die Psychologie sogroße Bedeutung hat? Kann man deutlicher beweisen,daß Wahrmuts Schrift „pro nibilo" ist?—Er liebt sicht-lich kräftige Citate: — also „partnrinnt wouiss u. s. w."
2. Ich bin weder blindgehässig genug, um Purcell zumFälscher zu stempeln, noch Lakai oder hochmüthig genug,um ihm je das Handwasser reichen zu wollen. Es ist mirgar nicht eingefallen, seine Wahrheitsliebe oder sein Wiffenzu bezweifeln, aber sein Standpunkt gefällt mir so wenig,wie der feines Uebersetzers. — Wenn dieser über der zogroßen Ehrfurcht vor Purcell und Spectator, nnd jenerüber seiner Wissenschaft die Ehrfurcht vor den Decretcndes cono. llü-icksnt. nicht außer Acht gelassen hätte, sowäre xa§. X und noch mehr unterblieben, und Herr„Wahrmut" hätte die Expectorationen seiner englischenAutoritäten nicht nachgebetet.
3. Da ich mich nur mit feiner Broschüre beschäftigte,auch kein Ueberietzer bin, so hatte ich UebersetznugsfeblerAnderer nicht zu erwähnen. Aber zu meiner' Inter-pellation hatte ich allen Grund; denn faktisch fehlen dieSchlußzeichen, ferner ist das Citat pax. X so kraß, daßich nicht wagte, es einem so katholischen Purcell zuzu-schreiben. Aber mußte es nicht allen Verdacht erwecken,wenn ein unbekannter Jemand so kräftig auftritt underklärt sich für den einzig autorisirten Uebersetzer; undwenn man dann fragt: „Wer sind Sie denn?" so beliebtes ihm, sich hinter den Busch der Pseudonymität zu ver-stecken und sich noch überdies „Wahrmut" zu nennen. —karturiunt montos .... Er braucht weder als Schrift-steller die „Hyperboreer", noch als Geisterseher die ein-gebildeten Gespenster von — „Katholicismus" zu citiren,sein eignes „Zuvieldenken" ist ihm gefährlich geworden.Larturlunt ., . . Der -eb-Recensent.
Recensionen und Notizen.
Dr. X. Dichtungen von Cordula Peregrina.Die rühmlichst bekannte Dichterin des herrlichen, schon in7. Auflage beiFelician Rauch in Innsbruck erschienenenBündchens „Was das ewige Licht erzählt". Cor-dula Peregrina(Schmid-Wöhler), hat seit diesem Erst-lingswerk eine seltene poetische Fruchtbarkeit bewiesen.Und die geistvolle Convertitin schreibt keine Alltagsrcimeund Alltagsgedankcn; alles, was aus ihrer Feder kommt,hat hohen poetischen Gehalt, athmet Frische und Be-geisterung und ist kernig und von tiefer Frömmigkeit undwahrer Glaubensbcgeisterung durchdrungen. Die Dichterinhat in diesem Jahre ein wahres Füllhorn von poetischenGaben über ihre zahlreichen Verehrer und Verehrerinnenausgegosscn. Wir nennen zuvörderst ein 416 Seitenstarkes Bündchen Gedichte, das im Verlag von AntonPustet in Salzburg nach Gebühr glänzend aus-gestattet wurde. „Singt dem Herrn! Das Kirchen-lahr in Liedern", betitelt sich diese dankenswcrtheneueste Gabe der gottbegnadeten Sängerin. Im erstenTheile ist für jeden Sonntag des Kirchenjahres einpassendes Lied geboten, welches den doppelten Zweck derHerzenserhebnng und des guten Vorsatzes erfüllt, imzweiten Theile wird ganz besonders den lieben Heiligengehuldigt. Der geschmackvolle Goldschnittband eignet sichauch seinem Aeußeren nach vorzüglich als werthvolles Fest-geschenk. Als solches empfiehlt sich ferner das Bündchen:„Feierglocken zu heiligen Freudenlagen" (Ver-lag von Andreas Göbel in Würzburg ), in einemsehr ansprechenden Einbande mit Goldschnitt (Preis 3 M.).Das Bündchen ist als Festgabe namentlich für die weib-liche Jugend zur ersten hl. Communion oder zur Firm-ung gedacht, wird aber anch Knaben und Jünglingennicht unwillkommen sein. Die tief empfundenen, glaubens-bcgeisterten, frommen Poesien der gottbegnadeten Sängerinsind so recht geeignet, die jungen Seelen auf jene schönstenTage ihres Lebens vorzubereiten und die gehobene Stim-mung immerdar wach und lebendig zu hatten. — Einweiteres Werk der Dichterin erschien soeben im Verlagevon Felix Rauch in Innsbruck : „Aus LebensLiebe, Lust und Leid, ein Pilgersang zurAbendzeit". (Gebd. 3 M. 40 Pfg.) Diese mit demPorträtbilde der Dichterin geschmückte, reiche Folge vonLiedern in sechs Abschnitten wird in ihrem Zusammen-hange erst durch die Vorrede verständlich, die für Manchefast ebenso interessant sein wird, wie die Gedichte selbst-Tenn Frau Cordula Schmid-Wähler erzählt uns hier,zwar nicht an der Hand ihrer Tagebücher, aber doch inanschaulichen Commcntaren zu den einzelnen Liedern undLiederkreisen, die Geschichte ihres Lebens und hauptsäch-lich ihrer Bekehrung und ihrer wechselvollen Schicksalenach dem Uebertritt zür katholischen Kirche. Dasrührendste Capitel der Vorrede und der Gedichtsammlungumfaßt die Zeit, als die von den Eltern verstoßene, fein-gebildete mecklenburgische Pastorentochter sich zur dienen-den Magd erniedrigte, um ihr tägliches Brod zu erwerbenund ihrem Glaubet: leben zu können. Doch. wir wollen-dem Leser nicht vorgreifen. Das vierte neue Werk vonCordula Peregrina ist ganz dem Dienste der heil. Jung-frau geweiht, enthält ausschließlich Marienliedcr undbetitelt sich „Marienrosen, entsprossen zu Füßenunserer lieben Frau". Wohl selten hat man in einemBündchen (222 Seiten) so viel wahre Madonnen-Poesiq.