73
M AllgS
«
> l >
S4 . Aq . W7 .
Lücksbantam : Düm - v , Rümsti wackburam
maäbnrskcsbaram ,
Lrubz » icavitä - eLIckäm , vsncks
V slmürj - lcokrilam .
Den Valmiki will ich preisen , diese süße Nachtigall ,
Die der Dichtung Zweig bestiegen , nun in süßer
Töne Schall
Unablässig , nimmermüde , Rama ' singt mit Widerhall .
ck : So preist der Inder poesievoll , wie er von Haus
aus ist , seinen Lieblingsdichter , den Verfasser des herr¬
lichen Raina - Liedes . Die Hochschätzmig , die dieser Fürst
im Reiche der Dichtkunst bei seinem Volke genießt , die
Huldigung , die Jahrhunderte ihm zollen , ist sie nicht zu¬
gleich ein Ehrenzengniß für das ganze Volk ? Ja , der
Ruhm Valmikis strahlt zurück auf den , so begeistert ihm
zujubelt :
Vor dem Hort des reichsten Wissens , vor Valmikis
hehrer Muse ,
. Will ich mich zum Gruß verneigen , huldigend zu
frommem Gruße .
„ Wie Jlias und Odyssee , so gehören auch die zwei
großen indischen Epen , das Mahabharata und das
Ramayana , zu den Marksteinen der Weltliteratur . . Die
Sagenwelt , das Geistesleben , die Bildung und Eigenart
eines der merkwürdigsten alten Kulturvölker hat sich darin
zu einem großen Gesammtbilde verkörpert , an dem die
folgenden Geschlechter durch mehr als zwei Jahrtausende
sich erfreuten und begeisterten , belehrten und heran -
schultcn . " ( Al . Baumgartner . ) Das Ramayana ( IkLmn -
llz ' ML - stüvz ' nnr ^ das sich auf Rama beziehende Ge¬
dicht ) soll nunmehr zum ersten Mal vollständig in deutscher
Sprache erscheinen ' ) , und die meisterhafte Uebertragung
obiger , der Widmung „ an den Dichter " entnommener
Verse berechtigt uns zur Annahme , daß der Uebersctzer
seiner schwierigen , nicht wenig Geduld erheischenden Auf¬
gabe - auch gewachsen sein wird .
Mahabharata und Ramayana : was bedeuten diese
Worte für uns ? Wir hoffen nicht , daß unter den Lesern
dieses Blattes solche Barbaren sind , welche das Volk der
Inder , dem die wohllautendste , reichste und ausgebildctste
Sprache eignet , die wir bisher kennen , das Volk , aus
dem ein Kalidasa , der Dichter der Sakuntala , hervor¬
gegangen , kurzer Hand den „ ivrlden Stämmen " zurechnen
( eine Ansicht , die man von manchen „ Wilden " unserer
Umgebung d . h . von sog . „ Gebildeten " leider zuweilen
hören kann ) ; wir nehmen schon aus Höflichkeit au , daß
unsere Leser mit den „ Marksteinen der Weltliteratur "
vertraut sind , gleichwohl befürchten wir , es möchten
Manche aus dem litcraturgeschichtlichen Unterricht der
Mittelschule sich mir eine etwas traumhafte Erinnerung
an die beiden Worte „ Mahabharata " und „ Ramayana "
bewahrt haben . Es seien darum einige Erörterungen
gestattet . Das Mahabharata nun , das eine der beiden
großen Heldengedichte der Sanskritlitcratur , ist ein Riesen¬
werk von 100,000 Doppelversen ; es setzt sich aus Theilen
von sehr verschiedenem Werth und Inhalt , von ver¬
schiedenen Verfassern und weit anseinanderliegenden Ab -
' ) KLmrlMua : Das Lied vom König ULwa , ein alt¬
indisches Heldengedicht des VSlrmüi in sieben Büchern ,
zum ersten Mal ins Deutsche übertragen , eingeleitet und
angemerkt von vr . I . Menrad , k . b . Gymnasiallehrer .
1 . Band . 12 ° . Ist ! - s - 307 SS . M . 4,80 . München , Th .
Ackermann , 1897 .
fassungszeiten zusammen . Ihm gehört z . B . an die
namentlich durch Nückert bekannt gewordene reizende
Exisode „ Nala und Damayanti " , das liebliche Savitri -
Idyll , ferner der „ Raub der Draupadi " sowie die hoch¬
berühmte „ Bhagavad - gita " , ein tiefernstes , erhabenes
Lehrgedicht ? ) von A . W . von Schlegel meisterhaft ins
Lateinische übersetzt . — Das Ramayana , das andere
große Epos der Inder , ist ein Knnstgedicht von einheit¬
lichem Gepräge ; als sein Verfasser wird Valmiki genannt .
Eine ausführliche Inhaltsangabe gibt Herm . Jacobs
( Das vamü ^ ana : Geschichte und Inhalt , nebst Con -
cordanz der gedruckten Recensionen . 1893 . S . 140 bis
208 ) , sowie das feinsinnige , ausgezeichnete Werk „ Das
Lümüyana und die Hünm - Literatur der Inder " ( Frci -
bnrg , Herder , 1894 ) des deutschen Jesuiten k . Al .
Baumgartner ( S . 140 — 208 ) . Wir geben hier den
Inhalt der sieben Bücher ( nach vr . Menrad , S . XV )
in gedrungener Kürze ' ' ) :
In Ayodhya ( jetzt Oudh ) , der Hauptstadt des blühen¬
den Reiches der Koealer , regiert der vortreffliche König
Dac ' - aratha aus der almenreichen Dynastie der zzkshvakuiden
oder Raghuideu , die ihr Geschlecht bis auf Brahma selbst
zurückführen . Seinem Glück fehlt nur ein männlicher
Nachkomme . Endlich erhält er durch ein Roßopfer nicht
nur einen , sondern vier Söhne : Nama von seiner vor¬
nehmsten Gemahlin Kau < ? al > ,a . dann Bharata von seiner
zweiten Gattin Kaikeyi ( d . i . Tochter des Kekaycrfürsten ) ,
Lakshmana und Oatrughna von der dritten , Snmitra . Der
älteste , Rama — nach späterer Auffassung eine Inkarna¬
tion des Gottes Nishnu — entzückt Hos und Land durch
seine Vorzüge . Er wird mit Sita vermählt , der Tochter
Dshanakas , des benachbarten Königs von Mithila , der
dieselbe erst als Mägdlein beim Ackern in einer Furche
gesunden und ihr nach dieser den Namen ( sita — Furche )
gegeben hat . Daearatha will seinem Sohne Rama schon
bei Lebzeiten Thron und Reich übertragen , allein eine
Palastintrigue durchkreuzt seinen Plan . Kaikeyi , die
zweite Gemahlin Dayaratbas , hintertreibt die Königs¬
würde Raums und weiß den König , der ihr einst die Ge¬
währung zweier Wünsche feierlich versprochen , zu bestim¬
men , ihren eigenen Sohn Bharata zum König zu weihen ,
Nama aber aus 14 Jahre in den Wald zu verbannen .
Gelassen fügt sich Raum aus Achtung vor seines Vaters
Willen in sein Geschick : dem alten König aber bricht die
Trennung von seinem ältesten Sohne das Herz . Sita ,
Rama und fein unzertrennlicher Lieblingsbruder Lakshmana
ziehen in den Wald und erbauen sich in der Nähe der
UaMuna am Berge Tshitrakuta eine Einsiedelei . Der zum
Thron bestimmte Bharata will aber die Regierung nicht
übernehmen und sucht Rama auf , um ihn . zurückzuführen .
Ein cdelmüthiger Wettstreit entspinnt sich zwischen den
beiden Brüdern . Rama bleibt fest in seinem Entschlüsse ,
das seinem Vater gegebene Versprechen zu halten , bis
Bharata zuletzt sich seine Sandalen erbittet , um sie als
Symbol der Herrschaft auf den Thron von Ayodhya zu
legen , während er selbst Nandikramä zu seinem Herrscher -
sitz erwählt . — Bald daraus wenden sich die Einsiedler in
Raums Nachbarschaft au diesen um Schutz gegen dämon -
2 ) Wilhelm von Humboldt wurde davon so tief
ergriffen , daß er an Gcntz schrieb : er danke Gott , daß
er ihn so Imme habe leben lassen , um dieses Gedicht lesen
zu können . Vergl . das vortreffliche Werk : Schröder »
Indiens Literatur und Cultur ( Leipzig 1887 ) S . 694 . —
Die auffallenden Anklänge der philosophischen Lehren
dieses merkwürdigen Gedichtes mit christlichen Grund¬
sätzen hat Lorinser so weit als möglich erörtert . Vor
neueren Versuchen , theosophisch - spiritistische Hirngespinnste
daniit zu verquicken , muß man warnen . Diese Bestreb¬
ungen , die mit einer gewissen Schwindlerin Blavatzky in
Zusammenhang gebracht werden , stehen nicht mehr auf
dem Boden sonder Forschung .
" ) Aus typographischen Rücksichten können wir der
Transscription des Verfassers nicht durchweg folgen .