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Gewinn- oder Verlustantheil ein anderer. Die Handels-gesellschaften entwickelten sich naturgemäß früher und groß-artiger ini Süden Deutschlands infolge der Verbindungmit Italien und im Norden infolge der Nähe des Meeres,als in Mitteldeutschland. S. 166 — 170. Die Geschäfts-tvie die Gelehrtensprache war durchgängig Latein. S. 170.
Für die Belebung und Sicherheit des Verkehrs hatdie Kirche mehr gethan, als es auf den ersten Blick denAnschein hat. Bischöfe und Orden haben Brücken undWege gebaut, für sicheres Geleit gesorgt; Papst undBischöfe haben vielfach Ablässe zum Bau von Brückengewährt, was der Verfasser durch viele Beispiele undStellen aus Schriftstellern belegt. Die Kirche hat denSchuh und die Förderung des Verkehres als verdienst-liches Werk empfohlen, und darum hat die Frömmigkeitdem Pilger und Kaufmann auch an abgelegenen Ortendie Wege gebahnt. Trotzdem waren diese oft genug nochbodenlos, das Mittelalter hatte dafür wenig empfindlicheNerven. S. 170—173. Mit den Bemühungen derKirche verbanden sich die Gesetze der weltlichen Macht.War auch das Waffentragcn den Kaufleuten verboten,wollten sie nicht wehrlos sein, mußten sie wohlbewaffnetreisen. S. 174.
Eine lästige Störung des Verkehres überhaupt wardas Strand- und Grnndrnhrrccht. Dieses Recht war vonAnfang an ein Mißbrauch, ein schreiendes Unrecht, w nnes auch nach Michael in seiner streng rechtlichen Be-grenzung nicht jene Härte besessen haben soll, die manmit seinem Begriff zu verbinden pflegt. Darum forderteKaiser Friedrich II. reichsgesctzlich die Rückerstattung ge-strandeter Güter an den Eigenthümer (1220). S. 174bis 175.
Kein Kaufmann war verpflichtet, sich um das Ge-leite zu bemühen. Forderte er es von dem Herrn desLandes, durch welches er reiste, hatte er dafür einen Zollzu erlegen. Besser geborgen aber war der Kaufmannunter der Uuvcrletzlichkeit, welche die Pilger genossen.S. 175-176.
Für die Sicherheit des Reifens und die Verpflegungder Fremden sorgten in ihrer Art die Klöster. Gewerbs-mäßige Wirthshäuser gab es nicht allzuviele, es herrschtedie Gastfreundschaft. Die Regel des hl. Bcnedikt be-fiehlt mit Nachdruck die Aufnahme besonders der Armen»nd Pilger. Die Klöster haben für die Bewirthung derFremden zumeist an einsamen, weltverlassenen OrtenHospitäler gebaut. Die Gründung des Johanniterordcuserfolgte von Kaufleuten nur für die Pflege der Fremden.Die größte Wohlthat waren entschieden die sogenanntenHospize in wilden Gebirgsgegenden und au Alpcnpässen.S. 176 — 177. S. 178 zählt Michael die bekanntestenTiroler Hospize auf, ein Denkmal des cnlturfrenndlichenOpfergcistcs und der wcrtthätigen Nächstenliebe desChristenthums. Must stand vor den Thoren der Städteein Spital, welches zu jeder Tages- und Nachtszeit demFremden offen stand. S. 179.
Der Aufschwung des Handels im 13. Jahrhundertwurde bedingt durch die Fortschritte der Laudwirthschaftund des Gewerbes, insbesondere aber durch die Kreuz-züge, die unmittelbar die Blüthe der südenropäischcnStädte herbeiführten. Bis zum Ende des 12. Jahr-hunderts ivar die mächtigste Handelsstadt SüddcutschlandsNcgcnsbnrg, seine Kaufleute waren unter den ersten,welche im b'miäaeo clei 'Illäkaatii zu Venedig Handels-geschäfte erledigten. Ihm zunächst stand Nürnberg „mitseinen künstlerisch vollendeten Metallarbciteu", wozu wir
aber ein großes, großes Fragezeichen machen, dann Ulm und Augsburg . Die Produkte des Südens und Nordenswanderten herüber und hinüber. S. 179 — 183. Seitdem Anfange des 13. Jahrhunderts wurde Wien die Be-herrscherin des Donauhandels und kam die von Judengerne besuchte Frankfurter Messe in Aufschwung. S. 183bis 184. (Hier fügt Michael sehr bemerkenswerthe Auf-schlüsse über die Juden im Mittelalter ein, „des hl.römischen Reiches Blutegel". Ihre maßlose Ausbeutungdes Wucherprivilegs ließ die Christen wiederholt Re-pressalien üben. Jude und Wucherer waren identischeBegriffe.) Die erste Nheinstadt war Köln , danrStraßburg. Stark besucht waren auch von deutschen Kaufleuten die Messen der Champagne. S. 184—186.
Die größte Schwierigkeit für den Verkehr mitItalien bildeten natürlich die Alpen ; von ihren Pässenwaren die wichtigsten der große St. Bernhard, der Sep-timer, der St. Gotthard und der Brenner, welche sicheiner wechselnden Beliebtheit erfreuten und deren Höhenmeist Hospize krönten. S. 186 — 189.
In ihrem Verkehr mit Italien gaben die deutschen Städte fast nur Rohstoffe, insbesondere des Bergbaues.Dieser hatte bedeutende Ausdehnung über ganz Deutsch-land auf alle Metalle und Mineralien und ein hochent-wickeltes Recht. Das Jglauer Bergrecht enthält dieKeime des gesammten deutschen, ja des europäischenBergrechtes. Deutschland war im 13. Jahrhundert dasPeru Europa's. S. 189 — 194.
In dem Verhältniß, in welchem Italien mit seinenHandelsprodukten zu Deutschland stand, stand dieses zudem europäischen Norden und Osten. Sammelplatz desOstseehaudels ist seit 1163 Wisby auf Gotland ; vonhier aus ist die Gründung des deutschen Hofes inNowgorod erfolgt. Deutsche Kaufleute unterhieltenHandelsbeziehungen mit Dänemark, Schweden und Nor-wegen (Bergen), wo sie jedoch nicht gerne gesehen waren»weil sie dem Laster der Trunksucht der Einwohnerschmeichelten. S. 194 — 196. Auch die Nordsee be-herrschte der deutsche Kaufmann. In London besaßendie Deutschen schon im 12. Jahrhundert eine Gildchalle,den später bedeutend erweiterten Stahlhof, ein kleiner,sclbstsrändiger Staat, eine eigenthümliche Welt mit fastklösterlicher Zucht. Hier begegnet uns 1282 bei einemzwischen den deutschen Kaufleuten und der Stadt London ausgevrocheueu Streit zum erstenmale der Name „DeutscheHansa". Er bezeichnete damals lediglich einen Gestimmt--verein, welcher sich aus den Verbrüderungen der Kauf-leute einzelner Städte gebildet hatte. S. 196 — 197.Vorausgegangen waren schon Bündnisse zwischen den ver-schiedensten Städten. Von hervorragender Bedeutung fürdie Bildung des Hansabuudcs wurde Lübeck , welches 1226nach wechselvolleu Schicksalen von Friedrich II. die Ncicks-freihcit bestätigt erhielt. Seine Machtstellung vor allenübrigen Städten gewann es durch seine Tapferkeit undKühnheit in den Kriegen mit den nordischen Reichen.S. 197—200. Die Verbrüderung der deutschen Kauf-leute also im Auslande, die Bündnisse der festländischenSeestädte und der unbestrittene Vorrang der Stadt Lübeck hat das einigende Band um den Hansabund geschlungen.S. 201. Die Handelsartikel waren von der verschiedenstenArt, eine nicht unbedeutende Rolle spielte der Häring, einsehr geschätztes Tauschobjekt für den Verkehr mit dendeutschen Binnenlanden. S. 202 — 203.
Wir schließen unsere rcferirenden Ausführungen ambesten mit den Worten des Verfassers: „Stramme Zucht