Ausgabe 
(24.12.1897) 73
 
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Gabe, oft aber auch ein kostbares Beutestück oder dieHand einer Dame. S. 240245. - Solange die Turniereblos; Kampfspiele blieben zum Zwecke der Waffenübnng,lies; sich dagegen nichts einwenden. Allmählich indeßkamen die scharfen Rennen auf von durchaus gefähr-lichem Charakter, die ein Spiel waren mit dem Lebenund daher von der Kirche strenge verboten wurden, wennauch einzelne, namentlich deutsche, Kircheufürsten geneigtwaren, sie mit mildern Augen anzusehen. S. 245246.

Wir meinen, daß überhaupt nur Menschen ausgröberem Holze geschnitzt an Kampfspielen Gefallen findenkönnen. Jedenfalls aber ist es dem mittelalterlichen Rittereher nachzusehen, als dem akademischen Bildnngsritter vonheute, der die Zahl seiner Semester an der Zahl seinerSchmisse erkennt! Waffcnspiele und ähnliche Bergnügentragen den Keim der Ausartung schon bei ihrer Ent-stehung an sich. Das Nitterthnm ist darum so bald ander eigenen inneren Unwahrheit umgekommen.

2. Raub- und Fehde Wesen. Gottes- und Land-f r i e d e n. S t ä d t e b ü n d n i s s e.

Kampflust bis zum Uebermaß war von Alters herdas Erbthcil der germanischen Stämme. Die künstlichePflege, welche sie im Nitterthnm fand, die Verachtungder andern Stände, welche nur die materiellen Interessenförderten, und der dadurch genährte, sich selbst überschätzendeHochmuth waren ungesunde Elemente und mußten nurzn bald unliebsam in die Erscheinung treten. Manbraucht im Raub- und Fchdcwesen mit Michael gar nichteine Abkehr von der Gesetzgebung Karls d. Gr. und einebedauerliche Rückkehr zu der leidenschaftlichen Ungebunden-heit des Hcidenthnms" zu erblicken. S. 247. Die Kirche,welche durch ihr ganzes Wesen sänftigend auf die germanischeRaub- und Rauflust wirkte, entbehrte vielfach der Unter-stützung der weltlichen Macht. S. 247.

Von dem Lütticher Bischof Heinrich ging das In-stitut des GotteSfriedens aus, welches der Znchtlosigkeitdes Adels heilsame Schranken zog, 1082. Im nächstenJahre folgte Erzbisck^f Siegwien von Köln dem Beispiele,geistliche und weltliche Strafen schreckten bor Verletzungdec ervur-a, zurück. S. 247 250. 1085 bereits er-

folgte die Ausdehnung des GotteSfriedens über ganzDeutschland . Wahr ist, daßdas Ideen des echtenNitterthnms" sind (S. 250), nur gingen sie nicht vondiesem aus, richteten sich vielmehr gegen einen großenTheil desselben, welches hartnäckig gegen jede Beschränkungseiner Zügellosigkeit sich wehrte.

Der Gottcsfriede ist in der Folgezeit noch oft er-neuert worden, aber ebenso oft verletzt worden. S. 250bis 251.

Zeitlich später waren die Landfriedensbcstrebuugenauf dasselbe Ziel gerichtet. Gottes- und Landfriedenwaren gewaltige Anstrengungen, welche die von Lebens-kraft und Kampflust überschäumenden Geister in denGrenzen der Gesittung halten sollten. S. 251252.

Die politischen Wirren unter Kaiser Friedrich Bar-barossa durchkreuzten dessen Friedensbestrebungen underleichterten den Freibeutern ihr Treiben. Im 13. Jahr-hundert haben der Sachsenspiegel nnd Friedrich II. deröffentlichen Sicherheit gewaltig vorgearbeitet; doch auchjetztwar dem Landfrieden nicht zn tränen". S. 252bis 254. Es gelang wohl manchmal, so einen adeligenNanbgeselten in die Mitte zn nehmen nnd ihn radikal znknrireu. Die Besitzer der jetzt von dem Lichtzanbcr derRomantik nmflossenen Burgen am Rheine waren besonders

gefürchtet. S. 254255. Hier vermissen wir ganz be-sonders die von den bayerischen Herzogen entfaltete Land-friedensthätigkeit, wie Hermann von Niederaltaich sie unsüberliefert hat. Der Landesherr hat bei dem wachsendenVerfalle der Reichsgewalt die Rechte und Pflichten diesersich selbst beigelegt und geübt.

In dieser Lage haben die von dem Raubwcsen amschwersten Betroffenen, die Städte, in ihrer gegen-seitigen Verbindung das wirksamste Mittel der Selbst-hilfe gefunden. Zahlreich sind die Städtebündnisse des13. Jahrhunderts. Seit 1254 wuchs aus kleinen An-fängen ein mächtiger Friedensbund der Städte heraus:Mainz, Worms , Oppenheim nnd Bingcn bildeten denKern des Bundes; der erste geistliche Fürst nnd mächtigeErzbischof Gerard von Mainz schloß sich ihm unter demDrucke des Papstes Jnnozenz IV. an, am 13. Juli 1254beschwor er mit vielen Herren und Städten auf 10 Jahredas Bündniß, welches seine Spitze vornehmlich gegen dieadeligen Herren richtete, von denen die Vergewaltigungender Kaufleute und die Zollerpressungen ausgingen. Am10. März 1255 bestätigte König Wilhelm den Bund.1256 umfaßte er, nachdem er mit überraschender Schnellig-keit sich ausgebreitet hatte, .ganz Deutschland , von Loth-,ringen bis an die Ostsee, von Bremen bis nach Basel nnd Zürich . S. 255261.

Das Organ des Bundes war die Bundesversamm-lung, zusammengesetzt aus je vier Vertretern der ein-zelnen Herrschaften nnd Städte, betraut mit der Wahr-nehmung der hündischen Interessen. Was er im letztenGrunde bezweckte, war ein allgemeiner Landfriede undschloß damit an die Reichsgesctzgebnng des Jahres 1235an. S. 262.

Die Bemühungen des Bundes, vornehmlich seineRücksicht für die wirthschaftlich Schwachen, bekunden einegroße und freie Auffassung der socialpolitischen Verhält-nisse nnd eine staunenswerthc, schöpferische Kraft. S. 265.

Zerfiel er auch schon nach drei Jahren, so trugdaran zunächst die unglückselige Doppelwahl von 1257die Schuld. Gleichwohl bedeutet er einen gewaltigenAufschwung des bürgerlichen Lebens. S. 265.

Noch im Laufe des 13. Jahrhunderts ist man ausseine Grundsätze wiederholt zurückgekommen; er hat dieIdee des Mainzer Landfriedens über die Periode derAuflösung im Interregnum in das erneute Reich Rudolfs,von Habsburg hinübcrgerettet. S. 263265.

Die grundsätzliche, allerdings nicht thatsächliche Ab-stellung der Fehde erfolgte erst 1495, doch nur für dieRitterschaft, nicht für die Reichsfürsten. S. 265. Eintrauriges Vorrecht, die eigenen Händel mit den Bluts-strömen der Unterthanen auszntragen l(Schluß folgt.)

vr. xki!. Emil Wahrendorp's BroschüreKatholicismus als Fvrtschrittsprincip" ?

(Schluß.)

Um weitere Punkte in seiner Broschüre zu berühren,so spricht Herr Wahrendorp auch mit tiefer Entrüstungvon der Schrift des Moralprofessors am k. Lyceum inDillingen . Herrn Dr. Leistle,Die Besessenheit mit be-sonderer Berücksichtigung der hl. Vater . die derselbe vor10 Jahren abgefaßt hat, und die unseres Wissens vonkompetenter Seite eine beifällige Kritik erfahren hat. Wirerwarteten, Herr Wahrendorp werde den Versuch einerWiderlegung der in dieser Schrift vorgebrachten That-sachen und Beweisgründe machen, aber wir sahen unssehr enttäuscht. Herr Wahrendorp und Gesinmmas-