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Recensionen und Notizeui
Karl Ernst von Baer nnd seine Weltanschau-ung. Von Dr. Remigius Stölzle, Professorder Philosophie an der Universität Würz bürg. 8".(XI u. 687 S.) Regensbnrg, Nationale Verlags-anstalt, 1897. Preis 9 M.
Karl Ernst v. Bacr (gest. 1876) war der Begründerder vergleichenden Keimesgeschichte (Embryologie) als einereigenen Wissenschaft. Er ist daher in den Kreisen derNaturforscher ebenso hochgeschätzt wie in denjenigen derDescendenztheoretiker, die in seinen embryologischen Ent-oeckungcn eine Hauptstütze der Entwicklungslehre zu findenglaubten. Baer war aber zugleich auch ein denkenderNaturforscher und als solcher ein entschiedener Anhängerder teleologischen Weltanschauung und ein ebenso ent-schiedener Gegner der rein mechanischen Naturerklärungdes Darwinismus. Von ganz verschiedenen Seiten, javon feindlich einander gegenüberstehenden Lagern wirdBaer als Bundesgenosse citirt; er ist einer von jenenseltenen Männern, die bei allen Parteien Achtung ge-wonnen haben, und die daher alle gern auf ihrer Seitesehen möchten, um dadurch ihrer Sache größeres Gewichtzn verleihen. Um so bedeutungsvoller sind die Fragen:Welches waren eigentlich die philosophischen AnschauungenBaers? Welches war sein geistiger Entwicklungsgang?Eine zuverlässige Antwort hieraus gibt uns das oben-erwähnte Werk von Pros. Rem. Stölzle. Dasselbe bietetdaher nicht bloß das rein persönliche Interesse einer bio-graphischen Skizze, sondern ein viel weiteres und höheres.Es ist ferner eine durchaus wissenschaftliche Studie, nichtetwa eine leichte, oberflächliche Unterhaltungsschrift. Mitder gewissenhaftesten Objectivität geht der Verfasser aufjeden einzelnen Zug des geistigen Porträts ein, das erentwerfen will: er selbst vergleicht daher seine Studie miteiner nicht retonchirten Photographie, in welcher dasGeistesbild jenes modernen Naturforschers mit seinenVorzügen und seinen Mangeln treu wiedergegeben wird,ohne ctivas hinzuzufügen oder hinwegzulassen, zu ver-schönern oder zu entstellen. Stölzle will Baer schildern,wie er wirtlich war, namentlich aber will er über seinephilosophischen und religiösen Anschauungen volles Lichtverbreiten. Hierbei steht der Verfasser jedoch nicht etwaaus dem Standpunkte einer „farblosen Neutralität", son-dern voll und ganz auf demjenigen der theistisch-christ-lichen Weltanschauung. Diese bildet den Maßstab derWahrheit, der hier an Baers Gedankenwelt gelegt wird.Durch diese kritische Beleuchtung der philosophischen An-sichten Baers erhebt sich Stölzle's Baer-Stndie zugleichzu einer indirekten Apologie der christlichen Weltanffassnng.Hierin liegt ein neuer Werth des vorliegenden Werkes,dem wir deßhalb besonders in den Kreisen der modernenNaturforscher, die weiteste. Verbreitung wünschen.
(Stimmen von Maria-Laach 1897 Heft 10.)
I In dem Verlage der Alphonsus-Drnckerei inMünster erschien ein neues Bündchen von 1'. GeorgF reund. 0. 8s. R., dessen populäre Abhandlungen über„Die Gesellschaft" binnen drei Monaten schon diezweite Auflage erreichten. Das neueste Werkchcn bietet„Sociale Vortrüge" über aktuelle Fragen, überWissenschaft, Kommunismus, Reichthum, Armuth, Reli-gion ist Privatsache, Liberalismus des vierten Standes,Fraucnemancipntion, Selbstmord, Duell u. s. w. und wirdjedenfalls viele Freunde finden. Beide Bände kosten ele-gant gebunden je 3 M.
Der Katholik. Redigirt v. Joh . Mich. Raich. 12 Hefte.
Inhalt von 1897, Heft XII. Dezember: A. Wibbelt ,Die Unbefleckte Empfängnis ) in Calderon's -suitos säora-nioutalos. — Carl Maria Kaufmann , Die Fort-schritte der monumentalen Theologie auf dem Gebietechristlich-archäologischer Forschung. — Thomas Esser,Vrä. kramt., Beitrag zur Geschichte des Rosenkranzes. —vr.Nirschl, Panagia Cavnli bei Ephesus. — k. Mar-tin Gcinder O. 8 . 1 )., Die Geologie und die Sündfluth.— Literatur: I-uäovicus äs 8au, 8. ck., ll'ratatus<lb Deo uno. — Dr. Paul Schanz , Apologie desChristenthums. — k. Herrn. Jof. Graf Fugger-
Glött, 8. ü., Kreuzfahrerblätter. — Dr. G. Bülow,Des Dominikns Gundissalinus Schrift: Von der Unsterb-lichkeit der Seele. — Dr. M. Baumgartner, DiePhilosophie des Alauns äs ivsulis. — L. v. Hämmer-st ein, 8. I., Charakterbilder aus dem Leben der Kirche.
— Edmund Kreusch, Der letzte Franziskaner zu Ber-lin . — Miscellen: Eine unbekannte Canisi-Ausgabe.
— „Der Ultramontanismus".
Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monat-schrift. Jahrgang 1897/8. 12 Nummern. Mk. 4,—.Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung.
Inhalt v on Nr. 3: Die deutschen Dominikanerinnen>n Südafrika. — Die Mission von Alaska. (Fortsetzung.)— Nachrichten aus den Missionen: China (EineMissionsrcise in Kiangnan(Schluß): Vorderindien(Hungers-noth): Madagascar (Uebcrblick); Südafrika (Unter-Sam-besi : Natal, Hilferuf): Aus verschiedenen Missionen. —Miscellen. — Beilage für die Jugend: Die Schiff-brüchigen. (Fortsetzung.) — Diese Nummer enthält achtIllustrationen.
Literarische Rundschau für das katholische Deutsch-land . Herausgegeben von Dr. G. H oberg, Pro-fessor an der Universität Freiburg i. Br. Dreiund-zwanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M. 9. —.Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlnng.Inhalt von Nr. 12 u. A.: Die Berliner Ausgabeder alten griechischen Kirchenschriftsteller. (Bardenhewer.) —Nowack, Handcommentar zum Alten Testament. (Peters.)
— Schulz, V.S psklmis Draäualibns. (Vandcnhoff.) — Hauck,Kirchcngeschichte Deutschlands . (Kraus.) — 8sraxbieasDs^islatiovis tsxtus originales. (Albers.) — Wasmann,JiMinkt n.Jntelligenz imTierreich.lSchneider.)—Wasmann,Vergleichende Studien über das Seelenleben der Ameisenund der höhcrn Thiere. (Schneider.) — Fischer, Geschichteder neuern Philosophie. (Äraig.) — Die FreimaurereiOesterreich-Ungarns. (Franz.) — Grimme, Geschichte derMinnesinger. (Hellinghaus.) — Steinte, Edw. v. Steinle'sBriefwechsel mit seinen Freunden. (Keller.) — Röhm, DerProtestantismus unserer Tage. (Paulus.) — Nachrichten.
— Büchertisch. ' '
Franz Wörther, ein Dichter und Denker ansdem Volke. Von Karl Schrattenthal. Preß-bürg, Selbstverlag, 1897. 8°. VI, 6l S. M. 1.ssH Professor K. Weiß-Schrattenthal ist bekanntlichder literarische bezw. publicistische Impresario mehrererNatur- und Volksdichter und Dichterinnen. Sein neuesterStern, eine Art Hans Sachs , lebt in Klein-Hcnbach amMain (daselbst geb. am 6. Dezbr. 1830) als Schuhmacher.Der Erlös der vorliegenden Publikation ist als Bencfizinmfür diesen bayerischen Volkspoeten gedacht. Die Samm-lung birgt einige recht ansprechende Gaben: manches aberist sehr hausbacken, unklar und schwülstig, die Lebens-phitofophie des Dichters nicht frei von Hnmanitätsphraseneines Autodidakten. Und dann, wieviel überhaupt gehtauf Conto des Impresarios dieser Sammlung?
Gott , Natur und Menfchenherz. Gedichte vonCordon de Seda. München , Pfeiffer, 1894.8°. 139 S.
t Nur wenig einigermaßen Annehmbares! Die Metrikwie die Poesie sind für den Autor nicht das Land, wieer es nennt: „Wo der Lorbeer Ruhmgier fächelnd steht",und es gehört etwas dazu, wenn er (S. 42) von sichsagt: er „walte im Reich der Geister weihemächtigein Poet". _
Wie Studenten Schauspieler werden. Lustspielin 5 Aufzügen von I. v. Terberdi. Speyer .Jäger, 1897. Kl. 8°, 59 S. 60 Pf.
- 2 . Das Stück ist kein „Lustspiel", sondern eine Bur-leske von bisweilen drastischer Urwüchsigkeit. Es passirtviel auf der Scene, doch kann von einer „Handlung" indramaturgischem Sinne nicht immer die Rede sein. DieFormel der „Nutzanwendung" klingt ziemlich hausbacken.Als FastnachtsschwaNk aber und durchaus wohlanständige»Volkswitz dürfte das Stück mit Recht auf Verbreitungrechnen! ,