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Gottesurtheile Im allgemeinen und besonders gegen denZweikampf geäußert. Ihm folgt das kleine Kaiserrecht.In allen Kreisen hat sich während des 13. Jahrhundertseine den Zweikampf vernrtheilende Auffassung Bahn ge-brochen. S. 317—319. Die Kirche hat lange eineschwankende Haltung eingenommen. Päpste oder allge-meine Concilien haben sie nie gebilligt. S. 320—321.Hier merkt der Verfasser auch die Ergebnisse der Unter-suchung v. Belows über den Zusammenhang des mittel-alterlichen und modernen Zweikampfes an, natürlich inbeifälligem Sinne. Es gibt in der That nichts Er-götzlicheres als den Eiertanz unserer modernen Ritter,vermöge dessen für die gebildeten Stände die Noth-wendigkeit des Duelles reklamirt wird; es gibt nichtsEmpörenderes als diesen Fanstschlag in das Gesicht derThemis; es gibt nichts Vernunftwidrigeres als diese Ein-bildung einer Extrastandesehre und nichts Schändlicheresals das leichtsinnige Spiel mit dem eigenen und fremdenLeben. — Kamen die Gottesnrtheile mehr und mehr inAbgang, so erlangte mit dem Eindringen des römischenRechtes die Folter die Bedeutung eines neuen, furcht-bareren Ordals. S. 321.
Das römische Recht drang seit Kaiser Otto III.langsam zwar, aber sicher und verderbenbringend wie eineschleichende Krankheit, wie ein langsam wirkendes Giftin den deutschen Nechtskörper ein. Man fühlte undbeklagte den Vorgang, der namentlich für den Bauern-stand von den unseligsten Folgen begleitet war; denn dieJuristen wendeten das römische Sklavenrecht auf diemannigfachen Dienstverhältnisse, der deutschen Bauern an.Als Typus eines schlimmen Juristen jener Zeit zeichnetder Verfasser das Bild des Heinrich von Kirchberg. S. 328—326. Von nun ab mehren sich die Klagenwegen Rechtsbeugung bei allen Schriftstellern» und dieSeufzer nach der guten alten Zeit, die man nicht kannte,wurden immer lauter. S. 326—329.
Das römische Recht ist trotz seiner nmstergiltigenForm und strengen Logik noch lange nicht das geschriebeneVernunftrccht. Wiederholt hat sich die Kirche gegen eineblinde Begeisterung und einseitige Pflege des römischenRechtes auf Kosten des einheimischen mit aller Ent-schiedenheit ausgesprochen. Es liegt das im Wesen derKirche und ihres Erziehungsberufes. Anderseits gibt eskeine Macht, welche die Bestrebungen Einzelner wieganzer Völker, sofernc durch dieselben das Sittengesetznicht verletzt wurde, hochherziger geduldet und wirksamergefördert hätte, als die konservativste und zugleich imedelsten Sinne des Wortes freisinnigste Macht auf Erden,die Kirche und in ihr das Papstthum. S. 329 — 331.
So sind wir denn am Ende des Weges angekom-men, den wir an der Hand des wohlbewanderten Weg-weisers durch das landwirthschaftliche, städtische undstaatliche Leben des 13. Jahrhunderts zurückgelegt haben.Ist auch dasjenige, was wir bloß auszugsweise aus demtrotz einiger Ausstellungen ganz hervorragenden Werkeinnerhalb des Nahmens dieser Blätter haben bringenkönnen, nur gering, und gibt es nur ein blasses Bildvon dem farbenprächtigen Gemälde des Verfassers, soschmeicheln wir uns doch mit der Hoffnung, daß der eineoder andere Leser nach dem Buche selbst greifen wirdauf die Anregung dieser Zeilen hin. Das wäre derinnigste Wunsch des Schreibers und der beste Lohn fürdie Mühe, in der vorliegenden Arbeit die Aufmerksam-keit auf eines der schönsten und werthvollsten Bücherunserer historischen Literatur gelenkt zu haben.
Es wird dein Buche nicht an neidischem und bös-willigem Widerspruch fehlen, es wird ihm Tendenz,ultrainontane Tendenz — nach der Meinung vieler dieverwerflichste von allen — vorgeworfen werden. Waswir an Widerspruch geltend gemacht haben, fließt wahrlichnicht aus der trüben Quelle der Mißgunst. Jeder Menschist in Fühlen und Denken abhängig von seinem Tempera-ment und seiner Umgebung; diese zwei Umstände bildenden Maßstab für seine Betrachtnngs- und Anschauungs-weise, an ihm messen wir die Menschen und Verhältnissevergangener Jahrhunderte und glauben doch die Objektivi-tät nicht verletzt zu haben. Jene reine Objektivität, dieder Wirklichkeit eignet, vermögen wir trotz eifrigstenStrebens und besten Willens nicht zu erreichen. Diemenschlich erreichbare Objektivität meinen wir nicht ver-letzt zu haben.
Schließlich möchten wir noch eine kleine Nachlesevon Unrichtigkeiten und Ungcnanigkeiten halten. Der betden Münchenern mit Recht so beliebte Wirm- oderStarnbergersee hat mit „Würmern" gar nichts zu thun.Wirm-See bedeutet soviel wie warmer See. 05r.Schmeller-Frommann, Bayerisches Wörterbuch II,1000. — Auf S. 190 wollte der Verfasser dem Zu-sammenhange nach „die landschaftlichen", nicht „die land-wirthschaftlichcn Reize" preisen. — Ein „erbliches Wahl-reich" S. 268 ist ein Unding, ein Wahlreich schließt dieErblichkeit so ipso aus. —tt.
Die Jesuitcmmllen Prantls an der UniversitätJngolstadt und ihre Leidensgenossen.
Eine biobibliographische Studie von Franz SalesRomstöck, Lucealvrofeffor, Bibliothekar und I. Vorstanddes historischen Vereins in Eichstätt.*)
? Anläßlich der vicrhundertjährigcn Stiftungsfeierder Ludwig-Maximilians-Universität München verfaßteim Auftrage des akademischen Senates Dr. Carl Prantl eine Festschrift, in welcher hauptsächlich die Entwicklungdieser Hochschule in Jngolstadt und Landshut zur Dar-stellung kam. Mit der eines Historikers unwürdigenLeidenschaftlichkeit gießt Prantl die Schale seines deutsch -nationalen Zornes über die Jesuiten aus, welche von1556 — 1773 an der Universität Jngolstadt lehramtlichthätig waren. Nach Prantl „war das Eingreifen desJesniten-Ordens an sich schon ein unermeßliches Unglück;denn hier handelt es sich um die Wirkungen eines gemein-gefährlichen Institutes, welches jedem einzelnen seinerMitglieder bewußt oder unbewußt, in höherem oder ge-ringerem Grade ein Element des Bösen einimpfte; . . .sobald der Jesuit als Mitglied seines Ordens wirkte,mußte er in Folge der Obcdienz zum unsittlichen Werk-zeug eines verwerflichen Zweckes werden". Deßhalbtadelt der Münchener Professor auch die Vorliebe bayer-ischer Fürsten für die Jesuiten ; „die Universität — dasedelste Kleinod des Landes — hätte von einer solchenVergiftung frei bleiben dürfen" (Prantl I, 220). Ange-sichts dieser Voreingenommenheit darf es daher nichtWunder nehmen, wenn Jesuiten , welche an der Jngol-städter Hochschule verschiedene Disciplinen lehrten, in ge-hässigster Weise als „leere Namen", „bloße Figurantendes Ordens", „Jesuitennullen" „ohne literarische Be-deutung", nur dem Namen nach bekannt", gebrandmarktwerden.