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Seit dem Erscheinen des Prantl'schen Werkes sind25 Jahre verflossen, ohne daß auf deutschem Boden eineEhrenrettung der hart angegriffenen Societät erfolgtwäre. Die zunächst Berufenen konnten in Folge der be-kannten Ausweisungsgcsctze ihre geschmähten Ordens-genossen früherer Jahrhunderte nicht wohl vertheidigen.Darum begrüßen wir es mit Freuden, daß endlich einProfessor des Eichstätter Lyceums sich der Muhe unter-zogen hat, an der Hand reichen archivalischen Materialsdie Qualifikationen Prantls eingehend zu würdigen. ImAnschlüsse an das große Sammelwerk Sommervogels:„Uibliotsiöiius ckes Lorivains 6a In OowpuZuis äsäöaus- hat Nomstöck die alphabetische Ordnung in derAufzählung all der Jesuiten eingehalten, welche einekürzere oder längere Lehrtätigkeit in Jngolstadt ent-faltet haben. Nach einer möglichst vollständigen Lebens-skizze der einschlägigen Persönlichkeiten folgen die literar-ischen Arbeiten, seien es Druckschriften oder Manuskripte,wobei die Eichstätter Bibliotheken sehr ausgiebige Bei-träge zu liefern vermochten.
Eine andere Frage ist jedoch diese: Wäre es nichtIm Interesse der sachlichen Polemik gegen Prantl vor-thcilhafter und wissenschaftlich erfolgreicher gewesen, wennder Verfasser in der Gruppirung und Charakterisiruugder einzelnen Professoren sich an die von Prantl gewähltenAbschnitte der Universitätsgeschichte gehalten hätte? Dannhätten die Urtheile verschiedener Schriftsteller» die sichS. 463 — 472 finden, in bessere organische Verbindungzur ganzen Tendenz des Werkes gebracht werden können.Freilich läßt sich auch nicht in Abrede stellen, daß Rom-stöcks Methode viele Vortheile in sich schließt und freierenSpielraum in der Aufzählung der literarischen Arbeitengewährt. Jedenfalls aber hätten die benützten Quellenan den Anfang der Studie gesetzt werden sollen.
Nomstöck hat mit äußerster Sorgfalt und Pünktlich-keit gearbeitet, nur einzelne Druckfehler, so besondersS. 139, sind stehen geblieben. Deßhalb wünschen wirdiesem anregenden Beitrage zur Gelehrtcngcschichte unseresVaterlandes, in welchem die wissenschaftlichen Ström-ungen vergangener Jahrhunderte sich spiegeln, einen aus-gedehnten Leserkreis.
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(Ueber dasselbe Werk ist uns noch folgende literar-Ische Anzeige zugegangen. D. Red.)
Vorliegendes Werk, die Arbeit vieler Jahre und dieFrucht umfassender Studien des auf bibliographischemGebiete rühmlichst bekannten Verfassers, ist bestimme, ge-legentlich der Wiederkehr des 300jährigen Todestages desseligen Canisius einen Beitrag zur Ehrenrettung von271 Jngolstädter Professoren aus dem Jesuitenorden zuliefern. Dasselbe wendet seine Spitze gegen eine Reihevon unrichtigen Behauptungen in C. Prantls Geschichteder Ludwig-Maximilians-Universität, München 1872, diein M. Haushofers Die Ludwig-Maximiliaus-Universi-tät zu Jngolstadt, Landshnt und München, München 1890,nicht corrigirt sind, obwohl seit der Veröffentlichung vonPrantls Werk mehrere Schriften erschienen sind, die reichesMaterial zur Widerlegung jener Aufstellungen enthalten(s. Nomstöck, S. IV). Es handelt sich nämlich um dieliterarischen und pädagogischen Leistungen jener Professoren,denen Prantl in Folge von vielfach unberechtigter Partei-nahme gegen den Jesuitenorden nicht gerecht wird. Wennman Nomstöcks Werk auch nur oberflächlich durchblättert,wird man die Ueberzeugung gewinnen, daß diese 271Männer, welche bei Prantl „leere Namen", „bloße
Figuranten des Ordens", „Jesuitennullen",„solche, deren Individualität in derOrdens-angehörigkeit bestanden zu haben scheint",„solche mit nicht nachweisbaren Früchten",„sich einer nähern Würdigung entziehend",„nur dem Namen nach bekannt" und endlich„ohne literarische Bedeutung" genannt werden,nun in einem ganz andern Lichte erscheinen, zum großenTheil eine reiche literarische Thätigkeit entfalteten. Seite4—462 führt der Verfasser diesen Nachweis, indem ermit Benützung eines reichen gedruckten und handschrift-lichen Materials (ich mache besonders unter den 118Nummern benutzter Quellen sS. 473—481j aufmerksamauf die ttzcts, Oilinxnua. und das Oiurium KxvannsiiLMaäiani, die reiches, zum Theil noch nicht gedrucktesMaterial boten) in alphabetischer Reihenfolge jene 271Professoren mit Angabe der Lebensdaten, ihrer Druck-schriften und hinterlassenen Manuskripte behandelt. Vor,züglich durch mit größtmöglicher Vollständigkeit aus denentlegensten Quellen geschöpfte biographische Nachweisewird dieses Werk jedem, der sich mit einem zeitlich odersachlich einschlägigen Gegenstände beschäftigt, ein unent-behrliches und höchst willkommenes Nachschlagebuch sein.Wenn unter den Druckschriften der Professoren auchDissertationen figuriren, welche unter dem Vorsitze jenerMänner gehalten wurden, so geschieht dies nach S. 12 r)aus dem Grunde, weil der Präses und Nespondent, bezw.Defendent mehr oder weniger Antheil an der Dissertationharten. Als bedeutendere Namen sind zu nennen:Baumann (S. 31 — 36), Drattenberger (S. 62—69),Ehrentreich (S. 71 —75), Ehrhardt (S. 77 -84),Gravenegg (S. 106 — 110), Kern Adam (S. 167bis 169), Koegler Jgnaz (S. 178—184), MarianusChristoph (S. 213—216), Neuhauser (S. 244—248),Pirrhing (S. 264-271), Naßler Christoph (S. 280bis 287), Naßler Max (S. 289—304), Steborius(S. 876-383), Strohmayr (S. 392-399), VeithLorenz (S. 417 — 420), Weiß (S. 439 — 445) undWidmann (S. 453—456). Wenn von einer Seite ge-sagt wurde, daß eine chronologische Zusammenstellung derNamen der alphabetischen vorzuziehen gewesen wäre, sokann man dagegen sehr wohl geltend machen, daß derVerfasser die chronologische Einreihung des betreffendenNamens durch den jedesmaligen Zusatz einer römischenZiffer sehr erleichtert hat, die sich auf die Seite 3 vor-getragenen, nach historischem Gesichtspunkte angeordnetenGruppen beziehen. Ich hätte, was diesen Abschnitt be-trifft, nur gerne gesehen, daß die Disputationen, Thesen rc.entweder durch Kleindruck, oder wenn dies die Kosten derHerstellung zu sehr erhöhte, vielleicht durch Astcrisken vonden eigentlichen Druckschriften unterschieden worden wäreitzdamit diese besser hervorgetreten wären.
Sehr werthvoll und die vorausgehenden Nachweiseergänzend ist die „Nähere Würdigung der Prantl-schen Qualifikationen", ein Abschnitt, der über37 Professoren ein nm so helleres Licht verbreitet, alser Urtheile von Zeitgenossen, Literaturhistorikern undFachleuten enthält. Wenn wir da neben Männern, derenliterarische Thätigkeit Nomstöck festgestellt hat, auch Namenbegegnen, die nichts hinterlassen haben, z. B. Halbgauer,Vizanns, Fackler rc., die aber doch wegen ihrer Wirksain-keit von Mit- und Nachwelt hochgehalten waren, so drängtsich uns wieder die Ueberzeugung auf, daß literarischeProduktivität nicht den richtigen Maßstab für die Werth-schätzung eines Mannes abgibt, daß die Bedeutung