Ausgabe 
(31.12.1897) 74
 
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von Tisch und Bett und die zweite Ehe. Seite 578macht der Verfasser die Bemerkung, daß der Pfarrer beiHeirath solcher Personen, bei denen uneheliche Kinderlegitimirt werden sollen, eine bezügliche Urkunde auf-nehmen und durch Namensunterschrift der Eltern be-stätigen lassen soll. Da dies, soviel bekannt, gewöhnlichnicht geschieht, möchte hier besonders aufmerksam gemachtwerden.

Ein Anhang behandelt (S. 64671) mit sichtlicherSorgfalt und Gründlichkeit die vielerörterte EhescheidungNapoleons I. mit dem Ergebniß, daß die Erkenntnissedes Diöcesan- und des Metropolitangerichts zu Paris als auf grober Fahrlässigkeit beruhende Fehlurthcile zubezeichnen sind.

Unter den mannigfachen Bearbeitungen des kathol.EhercchtD hat dieses neue Werk, wie es scheint, den Vor-zug, daß die überreiche Literatur, sowie die neuestenEntscheidungen und Bestimmungen, namentlich das am1. Juli 1896 angenommene Bürgerliche Gesetzbuch ein-gehend berücksichtiget sind. Der Verfasser verbindet eineleichte, klare Darstellung mit Selbstständigkeit des Urtheils^ in strittigen Punkten, woran es in diesen mitunterschwierigen Materien nicht fehlt. . Deren . eingehendeWürdigung soll Fachmännern überlassen werden. Fürdie Rechtfälle sind die ^.otu 8. 86äis eingehend benutztund sind also zumeist authentische, vom HI. Stuhl selbstentschiedene Fälle angeführt. Der Leser ist in die Lageversetzt, die Rechtsnormen geschichtlich zu begreifen undklar zu verstehen. Das Ziel, wissenschaftliche Gründlich-keit mit praktischer Brauchbarkeit zu verbinden, scheintbestens erreicht. Möchte das wissenschaftliche Strebendie verdiente Anerkennung finden! Auch die Neu-bearbeitung hat die Approbation des Kapitelsvikariats^ Freibnrg.

Weißenhorn . I. Holl.

Münchner Anthropologische Gesellschaft.

Am 17. Dezember hielt die Münchner AnthropologischeGesellschaft unter dem Vorsitze des Lerrn Pros. vr. I.Ranke eine interessante und lehrreiche Sitzung ab. Zuerstsprach Herr Custos Dr. F. Grünling über Ceylon . Ausdem Vortrage mögen seine mineralogischen Exkursionenhervorgehoben werden. Ceylon ist berühmt wegen derEdelsteine und des Graphits, die dort gefunden werden.Der dortige Graphit stammt nicht von organischeil Ueber-resten, er ist wahrscheinlich ein Sublimationsprodukt vonKohlenwasserstoffen. Der Graphit ist das einzige Mineralauf Ceylon , das bergmännisch gewonnen wird. Aber derBergwerksbetrieb ist, wie in dem Graphitbergwerk Nage-dara bei Kurunegala , sehr primitiv, Maschinen werdennicht verwendet. Ein besonders hervorragender Edelstein-bezirk ist in der Provinz Sabaragamnwa. In dem Fluß-geröll finden sich die Edelsteine in überraschend großerMenge und Schönheit. Redner demonstrirte an Photo-graphien die Graphit- und Edelsteingewinnung. Denzweiten Vorlrag hielt Herr Pros. Dr. Grätz über Tele-graphie ohne Draht. Die Experimente des ItalienersMarcöni haben großes Aufsehen erregt. Aber er hatkeine einzige neue Entdeckung gemacht. Sie gründen sichauf die Ansichten von Faraday und auf die Untersuch-ungen von Hertz. Faraday nahm an, daß in den Iso-latoren ähnliche Vorgänge stattfinden, wie in den Lertungs-drähten. Durch eine elastische Verschiebung des Aethcrsnach beiden Seiten können in den Isolatoren elektrischeSchwingungen entstehen. Diese wurden zuerst durch Be-obachtung des Funkens der Leydencr Flasche bezw. desRuhmkorsf'schen Induktors nachgewiesen. Hertz hat nach-gewiesen, daß von jedem elektrischen Funken elektrischeWellen nach allen Seiten ausgehen. Redner demonstrirtediese Wellen mittels des sogen. Cohärers. Die in dem-selben eingeschlossenen, lose aneinander schließenden Metall-spähne haben so großen Widerstand, daß ein elektrischer

Strom nicht hindurch geht. Sobald die von dem elektrischenFunken ausgehenden Wellen auf den Cohärer treffen, ver-binden sich die Mctallspähne so mit einander, daß einStrom hindurchgeleitet werden kann. Die Hertz'schenWellen haben die Eigenschaft, daß sie durch leitende Stosse,wie Metalle, nicht hindurchgehen, sondern reslektirt werden.Nicht leitende Stoffe dagegen sind für dieselben durch-lässig und vermögen sie in der Gestalt von einem Prismazu brechen. Marconi hat gezeigt, daß die Hertz'schenWellen auf große Entfernungen noch wirksam sind. InItalien gelangen die Experimente auf eine Entfernungvon 37 kw, in Deutschland auf 21 Kni. Ferner hatMarconi die nothwendigen Apparate zweckmäßig einge-richtet. Was den Werth der Telegraphie ohne Draht be-trifft. so erleidet derselbe bedeutende Einschränkung durchdie Thatsache, daß Berge, Häuser, Menschen, Nebel, at-mosphärische Elektricität die Wirkung der Hertz'schenWellen hindern. Ein telegraphischer Verkehr ohne Drahtist nur möglich, ungünstige Bedingungen ausgeschlossen,zwischen der Küste und einem Schiff, zwischen zwei Schiffenoder zwischen zwei Luftballonen. Gebt man von der all-gemeinen Annahme aus. das; jedes.Molekül mit Elektrici-tät geladen und in schwingender Bewegung ist, so kannman mit großer Phantasie zu der weiteren Annahme ge-langen, daß von jedem Moleküle minimale elektrischeSchwingungen dem Aether mitgetheilt und durch ge-nügend empfindliche Apparate nachgewiesen werdenkönnten. Ist das auch eine gewagte Hypothese, so ver-dienen doch alle Andeutungen dieser Art mit Aufmerk-samkeit verfolgt zu werden. Zum Schlüsse des klarenund lehrreichen Portrages telegraphirte Professor Grätzohne Draht aus die Länge des Saales das Wort München .Der Vorsitzende bemerkt, daß die Ansicht von der Fern-wirkung ohne vermittelndes Medium aufzugeben ist. Wiedurch die Lehre von der Erhaltung dr Kraft ein Wende-punkt in unserer allgemeinen Naturanschauung eingetretenist, so bedeuten auch die Untersuchungen von Hertz einenWeudepunk speciell in Beziehung auf unsere Auffassungder Wirkung der Kräfte in die Ferne. Dr. L.

Recensionen und Notizen.

Die ersten Schwestern des UrsulinenordenS.Nach den Ordensanualcn bearbeitet und aus demFranzösischen übersetzt von einer Ursuline. Miteinem Vorwort von ?. Lehm kühl 8. ck. Pader-born 1897. Verlag von F. Schöningh. IX, 391 S.3.40 M.

D Die Lebensbilder von 11 Mitgliedern des Ursulinen- ordens aus der ersten Zeit seines Bestehens werden invorliegendem Buche uns vorgeführt. Die Darstellungchristlicher Tugend und Vollkommenheit an lebendigenBeispielen hat immer etwas anziehendes, zur Nachfolgeantreibendes, und dies um so mehr, wenn, wie hier. nichtbloß das glücklich errechte Ziel, sondern vor allem derlebenswahre Weg hiezu mit allen seinen Kämpfen, Be-schwerden, Versuchungen, Anfechtungen und Widersprüchengeschildert wird. Als Tischlektüre m Klöstern wird dasBuch nicht ohne Eindruck bleiben; doch auch heran-wachsende Töchter werden aus demselben wichtige Lehrenüber die höhere Vollkommenheit schöpsen, besonders solche,die von der Gnade Gottes zum Ordensleben berufen.Eine Lebensbeschreibung enthält auch ein kleines StückCulturgeschichte: Die Einführung des Ursulineuordens inNordamerika nach Canada zu den Zeiten der erstenChristianisirung der wilden Huronenstämme und der Ver-nichtnngskämpfe seitens der Irokesen. Die Sprache isteine sehr edle und würdige. Aufgefallen ist der Ausdruckhl. Profession" anstatt Profeß; sodann dürfte der Aus-druckWidersprüche" S. 154 ohne nähere Bezeichnung,ob innere, ob äußere, ob von Personen außerhalb oderinnerhalb des Ordens herrührend, mißverständlich sein;ebenso ist es unerfindlich, warum einigemal nurLai-schwester" statt Laienschwester gebraucht wird; desgleichenklingt das WortNest" S. 330 etwas zu gewöhnlich.

Zwischen derSchulbauk und der Kaserne. Weg-weiser für die Jugend. Von Alban Stolz. 10.Auslage. Herder in Freiburg i. Br. Sechs Exem-plare L 38 S. 50 Pf.

L Flugblätter, Broschüren, Traktätlein werden mitgroßem Eifer, bewunderungswürdiger Ausdauer, allsehn-