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Dasſelbe geſtattet mit den einfachſten Mitteln, auf Grund des alten Ʒahnleiſtenſyſtems, aber in umgekehrter Anwe- dung, die leichteſte Verſtellbarkeit der Bücherbreltter, an welchen beſonders geformte ʒapfen befeſtigt ſind, die ſich in den Ʒahnleiſten leicht auf und ab bewegen laſſen. Der weitere Vortheil iſt aber der einer vermehrten Raum- gewinnung. Im Ganʒen ſind in der neuen Bibliothek an Repoſitorienflächen(in der Anſicht) 1719 Quadrat- meter vorhanden. Außexdem ſind die Kellermagaʒine be- legt mit Doubletten, Ʒeitungen und dergl. Eine hübſche Einrichtung iſt ferner die Anbringung von ſpielend leicht ʒu handhabenden Klapptiſchchen an den Seitenwänden der Büchergeſtelle, auf welchen die Bücher behufs kurʒer Muſterung ihres Inhalts oder auch vor der Einordnung bei Umſtellungen ꝛc. niedergelegt werden können. Leer ſteht noch der Erdgeſchoßraum rechts(der für die Archiv- verwaltung in Ausſicht genommen iſt, vgl. oben), das ge- ſammte ʒweite Hauptgeſchoß mit ʒwiſchenſtock und der Dachraum.
Ueber bauliche Einʒelheiten möge folgendes bemerkt ſein. Den erſten Anforderungen an einen ſolchen Bau, nämlich möglichſte Feuerſicherheit, ausreichende Licht- ʒufuhr ꝛc., wurde, ſoweit nur immer möglich, Rechnung ge- tragen. Jedes der Hauptgeſchoſſe iſt in ſich durch maſſive Decken in Eiſenkonſtruktion mit Betongewölben abge- ſchloſſen. In den Verwaltungsräumen ſind die Decken- gewölbe durch Gypsdielen und Mörtelverkleidung ver- deckt. Die geſammte Eiſenkonſtruktion iſt auf 3380 ʒentner im Gewicht veranſchlagt und wurde von der Maſchinen- bauaktiengeſellſchaft Nürnberg als der Mindeſtfordernden geliefert und koſtete einſchließlich der Nebentreppenanlagen und der Saalgallerie 32,576 Mark. Dex Dachſtuhl iſt vollſtändig freitragend konſtruirt und der als Speicher vorgeſehene Dachraum deßhalb durch keine Stütʒen be- engt. Das Dach iſt mit ʒinkblech nach dem Leiſtenſyſtem eingedeckt. ʒur Abhaltung der Feuchtigkeit von den Keller- geſchoßräumen wurden in den Fundamentmauern, die an ſich ſchon in ʒementbeton ausgeführt ſind, unter der Fuß- bodenhöhe Blei⸗Iſolirplatten eingelegt, außerdem wurde rings um das Gebäude ein Traufpflaſter aus Asphalt- belag hergeſtellt. Die Holʒfußböden in der Hausmeiſter- wohnung beſtehen aus in Asphalt gelegten Buchenriemen, die übrigen Kellerräume haben des Lichtes wegen einen Bodenbelag von Solnhofer Platten. In den Verwal- tungsräumen ſind die Fußböden aus eichenen Riemen ge- bildet(im Leſeſaal mit Linoleum belegt). Alle Bücher- magaʒinsräume haben nach den Treppen ʒu feuexrſichere Thürabſchlüſſe. Außer den von Föhrenholʒ hergeſtellten Fenſtern in den Verwaltungsräumen beſtehen alle anderen Fenſter aus Schmiedeeiſen. Alle ſind mit großen Lüftungs- flügeln verſehen, ſodaß im Verein mit den einʒelnen bis über das Dach reichenden Ventilationsſchächten eine aus- reichende Ventilation aller Räume erreicht wird. Geheiʒt, und ʒwar durch Niederdruckdampfheiʒung, können vor- läufig nur die Wohn- und Bureauräume werden, doch kann dieſe Heiʒung mit Leichtigkeit in allen anderen Räumlichkeiten eingeführt werden. Selbſtverſtändlich iſt auch Waſſerleitung vorhanden. Die Länge des Gebäudes beträgt etwas über 50 Meter, die überbaute Fläche 824 Quadratmeter, die Höhe von der Terrainoberfläche bis ʒur Hauptgeſimsoberkante 19,1 Meter.
Für das Aeußere des Gebäudes gelangte der Putʒbau in Anwendung, weil derſelbe hier doch einmal landes- üblich iſt und Hauſtein die Koſten ʒu ſehr erhöht hätte.
Letʒteres Material, und ʒwar Granit, ſowie Pappenheimer Marmor, kam nur für einige Sockel, Geſimſe und Balu- ſtraden ʒur Anwendung. Im Uebrigen iſt das Gebäude im Barockſtil aufgeführt, ʒeigt im Aeußeren wie am Treppenhauſe einen monumentalen Charakter und macht durch ſeine Verhältniſſe wie die gewählte Architektur einen imponirenden Eindruck. Das Treppenhaus, das der Ein- tretende ſofort vor Augen hat, wirkt namentlich vortheil- haft durch die gewählte Säulenſtellung und die dasſelbe flankirenden, flott entworfenen Karyatidenpaare(von einem trefflichen Augsburger Künſtler, Herrn Böhe im). Da- durch, daß eine Einfriedung in der feſtgeſetʒten Vorgarten- linie vermieden iſt und lediglich der rückwärtige Hofraum durch ein Gitter abgeſchloſſen wurde, tritt die Façade noch mächtiger hervor. Vor derſelben wird ſpäter ein Blumenparterre hergeſtellt, ſeitlich aber ſollen die ſchon beſtehenden Anlagen in der Weiſe umgeſtaltet werden, daß ſie vorn ebenfalls flach und hinten dichter gehalten werden, was die Wirkung des mächtigen Baues ſicher nicht beeinträchtigen wird. So vereinigt ſich alles, um das neue Werk ʒu einem ebenſo äſthetiſch anſehnlichen und wirkungsvollen wie praktiſch brauchbaren ʒu ſtempeln, ſodaß die Kreishauptſtadt Augsburg auf dieſe ihre neueſte Errungenſchaft mit gerechtem Stolʒ hinweiſen darf.
Andreas Mayr,
Hiſtorienmaler von Unterthingau im Algäu. Eine Skiʒʒe ſeines Lebens und ſeiner Werke. (Hieʒu das Bild Seite 3.)
Am 12. November 1893 ſtarb ʒu Unterthingau (Marktflecken imB.⸗A. Oberdorf) ein Mann, in deſſen Hinſcheiden Kunſt und Kirche einen großen Verluſt er- litten. In Andreas Mayr, Hiſtorienmaler, ſchied ein eben ſo edler, treuer, kindlich frommer Sohn der Kirche wie echt chriſtlicher, tüchtiger Jünger der heiligen Kunſt aus dieſem Leben. Ein Sonntag war's, der Tag des Herrn, dem er ſo treu und freudig gedient, das Schutʒfeſt Mariens, deren Bild er ſo oft, ſo gern, ſo lieblich mit Stift und Pinſel dargeſtellt, da er in ſeinem trauten Heim, von deſſen Wand eines ſeiner lieblichen Bilder:„Maria mit dem Jeſuskinde“ den Wanderer grüßt, im Atelier, dem Raume ſeines langjährigen, fleißigen, frommen, ſchönen Schaffens, das Bild eines wie im Tode verklärten Künſt- lers und Dulders, als eigenthümlich ſchöne Leiche lag.
Geboren am 30. November 1820, am Tage des heil. Andreas, ʒu Unterthingau im ſchönen Algäu, der Heimath ſo vieler Künſtler und Denker, wo die nahe großartige Bergwelt der Alpen den Menſchen leichter und ſchneller als ſonſtwo über das Niveau des Gewöhnlichen erhebt, als Sohn des Ʒimmermeiſters Franʒ X. Mayr, wetteiferte Andreas bald mit ſeinem älteren Bruder Ulrich an Kunſtſinn und Kunſtfertigkeit. Während jedoch letʒterer Vorliebe für plaſtiſche Bildwerke ʒeigte— er fertigte unter Anderm für die heimathliche Pfarrkirche herrliche Apoſtelſtatuen— neigte ſich Andreas der edlen Malkunſt ʒu. Schon als Knabe von ʒehn Jahren ʒeichnete und malte er Porträts. Einmal hatte der damalige Herr Lehrer an der großen Schultafel ſelbſt Gelegenheit, die Porträt- ähnlichkeit einer Kopfʒeichnung ʒu bewundern, und doch war das nur eine leicht und ſchnell hingeworfene Skiʒʒe des kleinen Andreas. Nach Entlaſſung aus der Volks- ſchule ſeines Heimathortes übergab ihn ſein Vater, der