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das Talent ſeines Sohnes erkannte, im 14. Lebensjahredem Hiſtorienmaler Lochbühler in Wertach ʒur Vorbildungfür ſeinen Künſtlerberuf. Der reichbegabte, eifrige Schülermachte ſehr raſche Fortſchritte in der edlen Malkunſt undmalte bis ʒum Jahre 1839 in Kempten und KaufbeurenPorträts, ʒugleich ʒur Uebung der erlernten Kunſt wieʒur Beſchaffung der nöthigen Geldmittel, um die Akademiebeʒiehen ʒu können.
Im Jahre 1845 ſah er dieſen ſeinen ſehnlichſtenWunſch verwirklicht. Die Akademie ʒu München ſtand da-mals unter der Leitung des Profeſſors Schlotthauer.—Heß, Ʒimmermann, Schraudolph, Cornelius, Eberhardblühten damals an der jungen, von König Ludwig I.Auguſtus, dem erhabenen Kunſtmäcen, errichteten k. Aka-demie für bildende Künſte als Meiſter. Kaulbach, Fiſcher,Claudi, Kaſpar, ſowie der noch nicht ſo lange verſtorbeneletʒte dieſer Kunſtgenoſſen aus dem Algäu: Bentele, warenMitſchüler unſeres Künſtlers.
Im Jahre 1846 ſchon wurde der ſtrebſame Jüngerder Kunſt Andreas Mayr durch Profeſſor Heß, deſſenbeſonderer Gunſt und Werthſchätʒung er ſich erfreute, demProfeſſor Schraudolph empfohlen, dem damals von KönigLudwig I. die Ausſchmückung des Domes ʒu Speyer mitFreskogemälden übertragen wurde.
Da nur die beſten Kräfte der Akademie für dieſeswahrhaft königliche Werk Verwendung fanden, ſo iſt dieſeEmpfehlung allein wohl genügend, des jungen KünſtlersTalent und akademiſche Bildung, nicht minder ſeinenliebenswürdigen Charakter ʒu beweiſen. Im Jahre 1847wurde A. Mayr bereits mit der ſelbſtändigen Ausführungdes erſten großen Hauptbildes im Speyrer Dome:„DerTod Mariens“, betraut. Der junge Künſtler ʒeigte ſichſeiner Aufgabe vollauf gewachſen und rechtfertigte glänʒenddas in ſeine Kraft geſetʒte Vertrauen ſeines Meiſters.Ein ʒweites Hauptbild:„Der Einʒug des hl. Bernardusin Speyer“, im linken Seitenchore desſelben Domes ge-lang ihm gleichfalls vortrefflich. Das dritte Hauptbildwar:„Die Enthauptung des hl. Papſtes Stephanus“im rechten Seitenchor. Im Langhauſe des SpeyrerDomes ſind ſeine Hauptbilder:„Die Geburt Chriſti“,eines der ſchönſten Gemälde des Domes.„Die hl. Fa-milie“. „Die Flucht nach Aegypten“. „Die OpferungMariens.“„Die Weisſagung des Propheten Iſaias anKönig Achaʒ.“„Noah's Dankopfer.“ Außer dieſen grö-ßeren Werken ʒieren noch mehrere einʒelne Figuren diebilderreichen Wände des farbenprächtigen Domes, in demalſo allein acht große Gemälde von unſeres KünſtlersHand ſeinen Ruhm verkünden, an einer der denkwürdig-ſten Stätten des deutſchen Reiches der Nachwelt über-liefern.
Bis ʒum Jahre 1853 malte Andreas Mayr imSpeyrer Kaiſerdom, als der einʒige Hiſtorienmaler außerSchraudolph, der von Anfang bis ʒu Ende bei der ebenſoehrenvollen als ſchwierigen und langwierigen Arbeit aus-harrte, hochgeachtet und geliebt von ſeinem Meiſter.
Von Speyer ʒurückgekehrt, wartete ſeiner neue An-erkennung ſeiner künſtleriſchen Vervollkommnung, neuerehrenvoller Auftrag, der den Ruf unſeres ſchwäbiſchenLandsmannes über die Grenʒen des deutſchen Vater-landes hinaus— nach England, trug.
In München wurde ihm nämlich von Herrn Pro-feſſor Heß, Direktor der kgl. Glasmalerei, unter Leitungdes Herrn Inſpektors Ainmüller Entwurf und ʒeichnungvon ſechs Cartons für Glasgemälde in die St. Pauls⸗
Kirche ʒu Cambridge in England übertragen. In den-Pinſel in herrlicher Geſtaltung und Farbengebung dar:„Abrahams Opfer.“„Die Bußpredigt des Johannes inder Wüſte.“„Petrus, Johannes und der Lahmgeborenean der Tempelpforte ʒu Jeruſalem.“„Paulus vor KönigAgrippa.“„Stephanus und Laurentius.“
Nach Vollendung dieſer Arbeit malte er ein Fresko-bild„Die Krönung Mariä“ und„Die vier Evangeliſten“in ſeiner Heimathkirche ʒu Unterthingau.
Dort baute er ſich im Jahre 1862 ein Atelier undließ ſich bleibend nieder, allein der heiligen Kunſt im DienſteGottes und der Kirche lebend. Ferner lieferte ſeine kunſt-fertige Hand ein Altarbild:„St. Georg“ in die Kirche ʒuBodelsberg, ein Hochaltarbild:„St. Blaſius“ in die Kircheʒu Vorderburg, ein Seitenaltarbild:„St. Sebaſtian“ undein Chorbild:„Die Kreuʒigung des heil. Andreas“ nachFrankenried,„Die Kreuʒigung Chriſti“ in die proteſtantiſcheKirche ʒu Memmingen, drei Altarbilder und ein Fresko-bild in den Chor ʒu Benningen, ʒwei Faſtenbilder nachBuchenberg, drei Altarbilder nach Oberbechingen, dreiAltarbilder(Hochaltarbild:„Der hl. Dominikus empfängtaus den Händen Mariens den hl. Roſenkranʒ“, Seiten-Altarbilder:„St. Antonius“ und„Der Engliſche Gruß“),drei Faſtenbilder ſowie einen Kreuʒweg in die Pfarrkircheʒu Unterthingau, ein Freskobild in den Chor ʒu Hohen-furch, drei Altar⸗ und drei Oberbilder in die Kirche ʒuBertoldshofen, drei Altarbilder nach Burk, drei Altar-bilder und ʒwei weitere:„St. Wendelinus“ und„St.Aloyſius“, in die Kirche ʒu Oberbeuren, ʒwei Seiten-altarbilder in die Curatie-Kirche ʒu Hochgreuth, PfarreiBetʒigau, bei Kempten(„Mariä Heimſuchung“ und„St.Wendelinus?“).
Dieſe letʒteren ʒwei Gemälde, ſowie jene ʒu Unter-thingau, die Hauptaltarbilder in den Kapellen der FilialenSchweinlang und Weſtenried, Pfarrei Unterthingau(„Tod des heil. Joſeph“ und„Der heil. Antoniusempfängt das Jeſuskind aus den Händen Mariens“) ſinddem Schreiber dieſer ʒeilen aus eigener Anſchauung be-kannt, die anderen meiſt nur nach Skiʒʒen. Da der un-eigennüꜩige, freigebige Künſtler die oft ſehr ſchön, ähnlichfertigen Kunſtwerken ausgeführten, gemalten Skiʒʒen regel-mäßig den Beſtellern der Originalgemälde ſchenkte, ſinddieſe Skiʒʒen leider ſelten ʒu ſehen.
Beſonders erbauend und feſſelnd wirkt auf einfrommes Gemüth die Darſtellung der allerſeligſten Jung-frau und Gottesmutter Maria, wie ſie der kindlich fromme,reine Sinn, die kunſtfertige, feine Hand des echt chriſt-lichen Malers in dem Bilde„Mariä Heimſuchung“ inHochgreuth und in einem kleineren Bilde„Maria mitdem Jeſuskinde“(im Beſiꜩ der ehem. Haushälterin Frl.Johanna Obexweiler), wie auch ſonſt oft geſchaffen.
Mag auch manch kritiſches Auge die Madonnenunſeres Künſtlers etwas ʒu kindlich, ʒu jugendlich finden,ʒum Nachtheil gereicht dieſer kindlich-jungfräuliche, un-gemein holdſelige, oft wahrhaft himmliſche, heilige Aus-druck in dem Antliꜩ der Gottesmutter gewiß weder ihremBilde noch dem Beſchauer. Wollte der Künſtler, wie vonihm ſelbſt erklärt, durch die jugendliche Form, den kind-lichen Geſichtsausdruck kindlich unſchuldige jungfräulicheReinheit ausdrücken, ſo kann man kaum leugnen, daßihm dies meiſt ausgeʒeichnet gelungen, iſt. Gewiß regtmanche Madonna eines Raphael und anderer Künſtlermit berühmten Namen weniger ʒur Andacht, weniger ʒur