Ausgabe 
(5.1.1894) 2
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wohl eine größere Gleichförmigkeit des Fabrikats ermög-lichte. DaS Münchener Bier ist gegen frühere Zeitenandauernd etwas stärker geworden. Auch sind, seit derStaat Ende der sechziger Jahre aufgehört hat, je nachdem Marktwerth von Malz und Hopfen den BierpreiSfestzustellen, die früheren Unterschiede zwischen leichteremWinter- und schwererem Sommerbier mehr und mehr ver-wischt worden. Letzteres wird jetzt während des ganzenJahres verzapft, während zwei untereinander sehr ähn-liche, eigentlich blos durch den Namen verschiedeneMünchener Specialitäten, nämlich das schwere Salvator-und das süßliche Bockbier, alter Sitte und Geschmacks-richtung entsprechend, blos im Frühjahr zu haben sind.Während die oft gehörte Behauptung, als ob das inBerlin oder Köln znm Ausschank gelangende MünchenerExportbier oder das zum Versandt in die Tropenländerbestimmte pasteurisirte Flaschenbier stärker als das inMünchen verzapfte eingesotten sei, von den Münchener Brauern bestritten wird, verhält sich allerdings der Exiract-gehalt des schweren und süßen Bockbieres zu demjenigendes gewöhnlichen wie 20 zu 14.

Wer die Räume dieser oder jener Münchener Groß-braucrei durchwandert, wird zuerst auf die wohlgelüftetenLagerräume stoßen, wo der zur Bewahrung seines Aromasin luftdichten eisernen Cylindern eingepreßte bayerischeoder böhmische Hopfen und die aus dem Boden auf-geschichtete deutsche oder ungarische Gerste, die, damit dersogen, schwarze Wurm (ein Rüsselkäfer) sie nicht frißt,des öfteren umgeschaufelt werden muß, der Verwendungharren. Große Sorgfalt wird der-Noinigung der Gersteund der Entfernung der kleineren, einen gleichförmigenKeimungsproceß verhindernden Körner zugewandt. Un-geheure Bottiche aus Eiseu oder Stein und Cementdienen dem zweitägigen Aufquellen der mit Wasser ver-mengten Gerste, während eingepumpte Luft durch Hin-und Herschieben des Kornes eine Beseitigung des etwanoch vorhandenen Schmutzes bewirkt. Man glaubt sichin das kühle Labyrinth einer geradezu ungeheuerlichenAnlage von unterirdischen Kirchcugrüften versetzt, wennman zu jenen weißgetünchten, mit Lithographensteinenbelegten endlosen Kellergewölben bei Spatenbräu um-fassen diese Malztennen 12,500 Quadratmeter her-niedersteigt, wo die etwa alle acht Stunden, unter derBeleuchtung des elektrischen Lichtes, umgeschaufelte Gerstebei niederer Temperatur (während der heißesten Sommer-zeit wird kein Malz bereitet) ihren acht- bis neuntägigenKeimproceß durchmacht. Wer brauen will, darf vorschroffen Temperaturwechseln keine Angst haben, dennnun geht es zur zweistöckigen Malzdarre, deren Fuß-boden aus feinem, von unten her die Hitze durchtasten-dem Draht besteht, und wo jetzt ein sehr verwickelterMechanismus das Umwenden der 24 Stunden im obernund ebenso lange im heißern untern Stock verweilendenGerste besorgt. Früher aber und jetzt noch in kleinenBrauereien mußte Menschenhand bei 70° R (also blos10 oder hier im hochgelegenen München 9° unter demSiedepunkt des Wassers) die letztgenannte Arbeit ver-richten. Die geröstete Gerste, die nunmehr Malz heißt,wird in fein erdachten Maschinen von den unten imKeller herangekeimten Wurzelfasern befreit, die dem Biereinen unangenehmen Geschmack geben würden, und lagertdann vor der Benutzung, in Säcke verpackt, wenigstenseinige Wochen lang, damit aus der Luft wieder etwasFeuchtigkeit aufgesogen werden kaun. Kurz vor dem

Sudverfahren wird das Malz in der Weise zerquetscht,daß, während der Kern zu staubigem Mehl zerfällt, diespäter als Filtrirmittel dienende Hülse des Gerstenkornsmöglichst unzerrisscu bleibt. Die Sudwerke sind aller-dings während des Winters stärker als im Sommer.

In den Gährkellern, wo das Thermometer etwa 6bis 8° ü, über Null zeigt, wird als weißgelbliche, einemMehlteig gleichende Masse die Hefe zugesetzt. Acht oderzehu Tage währt es, bis das Einsinken des Schaumesund die Klärung der Masse das Ende der Gührungankündigt und das Bier seinen Weg zu noch kühlerenKellern (im Sommer zeigt dort das Thermometer ge-wöhnlich */z Grad über Null) in die je 3050 Hekto-liter enthaltenden Lagerfäffer nimmt. Zwei Monate ge-nügen vollauf zur Ablagerung, und das meiste Mün-chener Bier dürste etwa in zwei- bis dreimonatlichem Altergetrunken werden.

Bei längerem Lagern verliert sich der hier beliebteganz leicht süßliche Geschmack. Die so überaus ergiebigeunter dem NamenMalzaufschlag" bekannte bayerische Bicrstcuer wird auf eine ebenso einfache wie sinnreicheWeise festgestellt. Bei jenen Maschinen, die das Brechendes Malzes besorgen, befindet sich ein selbstregistrirender,mit amtlichen Siegeln versehener Apparat, an dem dieBeamten, sei es täglich, sei es wöchentlich, die Mengedes gcschrotencn Rohmaterials ablesen. Während früherin den großen Münchener Brauereien, ähnlich wie diesnoch jetzt auf dem Lande der Fall ist, mit Natureisgekühlt wurde, hat die Rücksicht auf Ranmersparnißimmer mehr Zur Kälte-Erzeugung durch Dampfmaschinengeführt.

--SrNZ-S-.---

ALLesLSll.

Bei der Wahrsagerin.Wenn ich Ihnen dieGeheimnisse Ihrer Vergangenheit und Zukunft enthüllensoll, haben Sie fünf Mark zu zahlen, mein Herr."Hiersind sie. Und damit ich an die Enthüllungen meinerZukunft glauben kann, erzählen Sie mir etwas ausmeiner Vergangenheit."Nichts leichter als das. Siesind in Ihrer Ehe unglücklich gewesen."Ich war nieverheirathet."Hm. Sie haben von falschen Freundenzu leiden gehabt."Meine Freunde sind erprobt."Hm.Man kann sich irren. Sie sind ein Vielgereister."Mein weitester Ausflug hat sich bis znm nächsten Dorfeerstreckt."Er, da muß ich doch Ihre Hand genaueransch'n. So gleich kann ich besser darin lesen.Nun hab' ich's. Sie haben einen Geldverlust erfahren."Ganz recht; die fünf Mark, die Sie mir soebenabgenommen haben."

--SW2SS-..-

Homonym.

Von einem Volk ich michAlS Gott verehren ließ,

Mein Ansch'n längst entwich,

Weil mich daS Volk verstieß.

Ich bin nicht recht gescheidt,

Erdulde Spötterei'»,

Kommst du zu später Zeit,

Lass' ich dich nicht herein. Lr.

Auslösung der Schachaufgabe in Nr. 1:

Weiß. Schwarz.

1. <14 und 2. 0 entsprechend resp. lli : -j-.

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