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sind wir in einer ziemlichen Entfernung glücklich an dentzimmelspforten vorbeigesteuert. Mir ist's wahrlich nichtzu thun, bei einer Pavesenpartie, und hingen die goldenenGiselafransen noch so einladend herab, meinen Abendhinzuschlachten. Leider erscholl auf einmal schmetterndesTschindaradada und hui! — einem hungernden Rehgleich brach mein Freund durch Gebüsch querfeldein derSirenenfanfare zu. Jetzt ist er im Paradies verschwunden.Mir war das höchst peinlich. Mußte natürlich demWilde nach und da ich mir die Freiheit des kürzestenWeges, wie mein lieber Freund, für den das Betretungs-verbot ein überwundener Polizeiparagraph war, nicht er-lauben durfte, ging's eine erkleckliche Zeit her, bis ichim irdischen Eden des englischen Gartens eintreten konnte.
„Siehst so weit vornehm aus, Vetterchen," be-merkte ich.
„Dort, — dort," und er deutete auf die Schaukel,„die bösen . . . bösen — es stieß ihn, als be-
arbeiteten seinen Rücken die gebogenen Hörner einesheimathlichen Bockes, „dort . . . die . . . ungezogenen. . . Bu . . . ben . . haben . . . mich" — ein neuerKataract von Schmerzesnaß und ein abermaliges, gräu-liches Plärren erstickten seine Rhapsodien. Wirklich, mirthat der Junge leid. Mit einem martialischen Blick maßich den Schauplatz der Niederlage meines Freundes. Dasmachte aber auf seine Feinde, die sich lustig fortschaukelten,nicht den geringsten Eindruck.
„Recht ist ihm g'scheh'n," riefen einige, als gerade
Mtramare.
BUM,
Ich suchte Karl, und traf ihn, nicht weit weg von demKindcrbelustigungsvlatze. Er kam auf mich zu - alleinin welchem Zustande? Unsäglich. Von seinem Floren-tinerhütchen, das er heute zum ersten Male auf seinemScalp getragen und nun in der zitternden Linken hielt,hing das rothseidene Band in zwei Fetzen herab, dersilberne Anker, das Matrosenemblem, war verloren, dieHutscheibe eingetrieben und zeigte gegen die linke Seitehin einen weitklaffenden Leck. Des Prinzen Mähne:er trug streng nach dem Bazar auf der Stirne abge-schnittenes, nach rückwärts aber gerippt niederfallendesHaar, stand jäh, wie die Nadeln der Kleopatra, zu Berg.Aus den Augen quollen Zährenbäche hinab über dieBacken, wovon die eine wie in Zinzolin getaucht hochrothschimmerte.
die dichtbesetzte Muschel von den Lüften herab auf denSchwerpunkt nieder sich schwang, „warum hat er zuvordie kleinen Maderln hcrausschmeiß'n woll'n".
„Was, Karl?"
„Ja, damit er 'ncn besser'» Platz 'kriagt hätt'!"
„'s ist nicht wahr, Vetter! nein, nein, nicht wahr."
„Net wahr? Du Lugenbeut'l, Du verlog'ner, wart',wir sän glei' wieder da und trischak'n Di' no a mal,nachher dagibt's g'wiß, Du Lug'nbeut'l, Du miserabliger."
Ich verstand nicht mehr Alles, denn die eigenartige,wie ein großer Perpendikel sich hin und her schwingendeRednerbühne, von der bald vom linken, bald vom rechtenLuftschnitt die ^parlamentarischen Ergüsse herabkamen,rranchirte mir immer im unteren Bogenschwung, alswäre ein Gedankenstrich inzwischen — den so wichtigen