Ausgabe 
(9.1.1894) 3
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Zusammenhang unbarmherzig entzwei. Allein fest stand,besser das Feld räumen, als einer zusehends stärkerwerdenden Allianz von Feinden ohne Noth die Spitzebieten, zumal nicht zu unterschätzende Einmischungs-Symptome auch bei größeren Leuten hervortraten. Wenig-stens auf einem Seitentische in meiner Nachbarschaftwaren mehrere Recken aufgestanden, die offenbar zumGeblüte der Luftredner gehörten und je nachdemmich L In Oarolus trischakt hätten. Einer dieser Poly-pheme ging nun auch richtig auf mich los; er klopfte mirziemlich stark wohlmeinend das Schulterblatt.Ich rath'Ihnen nichts für ungut, Herr Nachbar, ich rath'Ihnen" und dabei wurde sein Fingerspiel auf meinerEpaulette-Fläche immer munterer,nichts für ungut,nehmen's z'Haus ' Ihr g'schmach's Buberl zwischen dieBeine und laffen's no, Sie wissen's schon wohinich mein' den Ochsenfiesel aber: pfuit, pfuit,ordentlich d'raufpfeifen. Ich hab's g'seh'n, ich sag' Ihnen,der Kerl hat's weidlich verdient. Nichts für ungut, aberwenn er mein thät' g'hör'n, Ihr Bua maus-maustodt thät' ich ihn schlag'n." Ich bedankte mich,nicht ohne Verlegenheit, für den gutmeinenden, herzlichenRath und betheuerte, daß ich gewissenhaft Alles besorgenwerde. Kaum hörte mein Junge dieses furchtbare Wort,schrie er gottlästerlich, so zwar, daß ich nolsns volsnsihm bemerken mußte, ich dächte an eine so grausameZucht nicht, weiß ich ja, daß Hinfür mein kleiner Vetterein braver Knabe sein werde.

Lächelnd durch die feuchten Aeuglein versprach mir'smein Gesellschafter. (Fortsetzung folgt.)

Zu unseren Bildern.

Franz Dann.

Franz Bonn (v. Muis) wurde g«boren in München am30. Juli 1830 als der Sohn eines Oberrechnungsrathes. Eroblag in seiner Vaterstadt humanistischen und akademischenStudien und trat 1857 in den Dienst der reinen Justiz. Vier-zehn Jahre lang hatte er Hiebei in verschiedenen Provinzial-städten Gelegenheit, sich mit dem Pulsschlag des Volkslebensvertraut zu machen, und seine Lieder zeigen, wie aufmerksam erdemselben lauschte. Das Jahr 1872 führte ihn als Staatsanwalran das k. Oberlandesgericht München . Neun Jahre verharrteer in dieser Stellung und trat dann mit 1. Januar 1881 inden Dienst des Fürsten von Thurn und Taxis als Präsidentder Tomänenkammer und Direktor des CivilcollegialgerichtsII. Instanz in Regensburg . Unser Dichter gewann durch den ipersönlichen Umgang niit Deutiger und Redwitz die entschei-dende Bestimmung. Der junge Poet wollte Romantiker seinund klassisch dichten. Aus dieser Zeit stammt die lyrische Dich-tungWolfrum" (1854) und das kleine EposSchott vonGrünstein" (1855). Unter dem Pseudonym Frhr. v. Rachwitzveröffentlichte er sodann in denFliegenden Blättern " dieLavagluthen", eine Art ltteratur-historischer Komödie, derenPointe direkt gegen die Nachzügler Jung-Deutschlands gerichtetwar. In der Folgezeit hat Freiherr v. Rachwitz seinen Dominovertauscht und sich in den jovialen Herrnv. Miris" verwan-delt. Dieser Herrv. Miris" ist seitdem in ganz Deutschland populär geworden, zunächst als Mitarbeiter derFliegendenBlätter" und derMünchener Bilderbogen ", dann aber auchdurch eine ganze Reihe höchst launiger Büchlein in Vers undProsa. Gleichzeitig kultivirte Bonn mit glücklichem Erfolg dasGebiet der Jugendliteratur (hauptsächlich in den Jugendblätternvon Jsabella Braun). Von den neueren dramatischen Arbeitendes Dichters erwähnen wir das SingspielMozart ", sowie dieSchauspiele für die JugendDie hl. Cäcilia" undSt. Elisa-beth" (1890). Das Beste, was er als Epiker geleistet, ist seinGedichtJacopone" (1889). In den letzten Jahren hat sichBonn's Neigung wiederum der heiteren Muse zugewandt (Franzder Streber",Von mir is's"). Aus der allerjüngsten Zeitstammt der bei I. Habbel in Regensburg (1891) erschieneneBand Gedichte:Für Herz und Haus".

Ein gefährliche» Spiel Die Katastrophe.

Die Tischdecke hat es ihnen angethan, den kleinen, uner-fahrenen Vierfüßlern. Mußte sie doch stets so verführerischbaumeln, wenn sie unter dem Tische sich neckten und mit ihremKörper das Ende berührten I Wie oft mag es ein einzelner derdrei Hunde versucht haben, ein Stück derselben zum eigenenSpielbedarf abzureißen. Aber der solide Stoff hat den Zähnenstets genügend Widerstand geleistet. Endlich versuchen sie esmit v,weinten Kräften, sich in den Besitz der ganzen Decke zusetzen, deren Enden sie so oft angezogen. Und es glückt. Lang-sam gibt sie nach, und das spornt den Eifer der kleinen Un-holde noch mehr an. Da ein Ruck, und die Gesellschaftliegt auf dem Rücken, bedeckt von den Trümmern desThee-services, das eben für den Gebrauch der Familie auf den Tischgestellt worden war. Die Hündin, die anfänglich sich an denAnstrengungen ihrer Sprößlinge ergötzt, steht mit Schreckenauf diese Szene. Ob sie wohl um die Jungen besorgt ist, dasie aus eigener Erfahrung die klatschenden Folgen solch über-müthigen Gebahrens kennt?

Miramare.

Unweit Trieft erhebt sich, an der felsigen Meeresküste naheder Südbahnstation Grignano gelegen, das kaiserliche LustschloßMiramare. Eine breite Marmortreppe führt vom Meere zumGarten und Schlosse empor. Das Auge wird entzückt durch dieherrlichen Park-Anlagen, deren immergrüne Bäume und Büscheden Unterschied zwischen Sommer und Winter fast zur Lügemachen. Weißblühende Laurentius, buntblättertger Anbutus,zartrothes Haidekraut und blaßblauer Rosmarin von Mannes-höhe, golden schimmernder Lorbeer, weißknospige Myrten ver-mischen hier ihre Blätter und Blürhen zu einem dichten, duf-tigen Dach, während großblüthiges Immergrün den Boden miteinem blauen Teppich bedeckt. Hier finden wir Cedern vomLibanon, Föhren aus Australien , Cacteen vom Atlas. DasSchloß wird nach der Meercsseite von einer Terrasse umgeben,von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf den Meeres-spiegel hat. Miramare ist Schöpfung und ehemaliger Wohnsitzdes Erzherzogs Maximilian, des unglücklichen Kaisers von Mexico .

Allerlei.

Gemüthlich. Kaufmann (der Nachts heimkehrend,einen Einbrecher an seinem Geldschrank findet):Sie,verderben Sie mir das Schloß nicht, hier ist der Schlüssel.... d'rin is nischt!"

Der Toast des Referendars.Unbesoldet, wieich mich habe, ergreife ich das Wort, in der Hoffnung,daß Sie wenigstens meinem Toaste nicht jeden Gehaltabsprechen werden. . . ."

Jagdglück. Sonntagsjäger fder endlich einmaleinen Hasen geschossen hat):Gott , es wird doch nichtam End' was Anderes sein!"

Der Philosoph. Taschendieb (nachdem er dasdritte leere Portemonnaie erwischt hat):Fürwahr, auchein Zeichen der Zeit!"

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Nikder-Hlät-sel.

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U/WgM

Hm..

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