Ausgabe 
(12.1.1894) 4
Seite
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III.

Ich verließ die Hallen Aeskulaps , wohlweislich nichtdurch das große Eingangsthor, sondern wir drückten unsdurch ein hinteres Seitenthürchen, denn das Publicum,das die erste Scene des Einacters gesehen, schien sichdarauf zu steifen, auch den Schluß zu genießen, so dichtstand es auf dem Chamotteparquet vor den Fenstern dervordern Front. Jedoch kaum hatte ich die Wasserheil-Anstalt mit meinem Liebling, in der wir eine ebensounfreiwillige als kostbare Douche genommen, im Rücken,so gtng's auch schon in schärfster Tonart über Karl her.Karl," sagte ich,Du bist ein ganz heilloser Mensch,mit Dir kann man kaum einige Augenblicke gehen,ohne nicht in das peinlichste Malheur zu gerathen, ichwerde Deiner Mutter energisch in das Gewissen reden,Du mußt anders werden, in der Stadt kann man keineso ungezügelten Buben brauchen. Du bleibst nun beimir, gehst mir nicht mehr von der Seite. Ich werdetrachten, Dich sobald wie möglich nach Hause zu bringen.Von der Jsarbrücke werden wir bis zum Bahnhof fahren,und von da weg weißt Du ohnedieß nach Hause."

Juche ! Fahren! Das ist g'scheidt, ja vom Bahn-hof weiß ich ganz gut heim, fahren! Juche !"das war die einzige Erwiderung. Statt Zerknirschungein Juhschrei. Der Mensch schien, wenn eine guteWirkung zu erhoffen sein sollte, unaufschiebbar hand-greiflich behandelt werden zu müssen, woran eS zweifels-ohne lieb Mama und gut Gouvernante bis jetzt er-mangeln ließen.

Wir stiegen langsam den Bogenhauser Steig empor,kamen an der Damenburg des Mnximiliansstifts v rbeiund schwenkten in die Anlagen ein.

Der linde Abend hatte eine ungewöhnliche Mengevon Passanten auf die schönen Höhen gelockt. Es warauch prächtig. Der weiße und rothe Dorn blühte, dieDolden waren aufgesprungen und sandten ihren süßenHauch durch die Lüste, in saftigstem Grün breiteten sichdie Wiesen aus und kunterbunt webten die Maien-blümlein ihr liebliches Dessin hinein.

Die Wässerlein quollen lustig aus dem Gesteinund aus dem feuchten Hange und ringelten sich in denkieselhcllen Bettchen, kindlich plaudernd und plätschernd,noch einige übermüthige Cadenzen wagend, hinab in denAlpenstrom. Die Schmetterlinge, die wie im Kreiseleinander nachtanzten, dachten noch lange nicht daran,ihren Cotillon aufzugeben, noch weniger aber war dasbeschwingte Orchester, das durch die überzweigtcn hohlenGassen strich, und aus dem dieser oder jener Solist aufwiegendem Ast seine Arie sang, bei der letzten Programm-Nummer angekommen. O welch frische Lust auf Baumund Pfad, wie durchdrängt sie frohmüthig Jung undAlt, und unwillkürlich mahnt es uns zum Danke, nichtallein gegen den himmlischen Schöpfer, der diese an-muthende Idylle so herrlich gedeihen ließ, sondern auchgegen den irdischen, den unvergeßlichen König Max, dersie geschaffen. Es versteht sich von selbst, daß die An-lagen zumeist dem Schutze des Publicums anvertrautsind, die Lustwandelnden behüten sie, und wehe dem,der sich erdreisten wollte, auch nur ein Zweiglein zubrechen.

Ich blieb mit Karl in der Nähe eines kleinen Ge-hölzes stehen. Von hier aus ging der Blick frei gegendie im Südosten sich verlierende Bergkette. Sie starrtetheilwetse noch in Schnee und Eis, nur einige Borwände

hatten ihr blaudnftendes Gewand angethan. Ich machtemeinen jungen Freund auf dieses entzückend schöne Bildaufmerksam, benannte ihm die Häupter und versprach,wenn er recht brav und sittig werde, seiner Mama undmir Freuds mache, eine Hochtour hinauf.

Um die Umrisse besser zu unterscheiden, holte ichmeinen Feldstecher hervor, und während ich noch ver-sunken in dem niemals sattgesehenen Bilde schwelgte,kommt aus den Bosquets gesprungen, freudig einenmächtigen Zweig schwingend, Karl.

Da schau, Onkel," rief er,da schau, den, daschau, den bring' ich der Mama."

Karl, in drei Teufels Namen," fuhr ich den Schreck-lichen, jedoch mehr in zischendem, als lautem Tone, an,auf der Stelle den Ast weg, her zu mir, gutwillig,sag' ich, nun, wird's was?"

Doch Karl folgte nicht, er lief ungefähr zwanzigSchritte vor meinen Füßen dahin, den über und überim rothen Schmucke blühenden Schleh wie eine Sieges-trophäe emporhalteud.

Ein gut gezogenes Kind," diese und andere Glossenmußte ich von Leuten, die hinter mir ihre Promenademachten, als Dessert zu meinem Zorn hinabschlucken.

Da marschirte ein Gendarm auf mich zu.

Gehört der Junge Ihnen?" fragte er.

Für den Augenblick leider."

Nun, so darf ich um Ihren Namen bitten. Siewissen, nach Paragraph"

Ich weiß, ich weiß, aber ich bitte" es um-klammerte uns ein immer größer werdender Menschen-ringich bitte, machen Sie kein Aufsehen, ich werdemich morgen bei der königlichen Polizcidircction stellen."

Ich wollte dem strammen Hüter des Gesetzes meineKarte geben, leider fand ich sie nicht. Einer aus derAnsammlung, der. mich, ich weiß nicht woher, kannte,leistete für meine Person Bürgschaft, und da der grüneWaffcnmann aus mir unbekannten Gründen dieselbeannahm, war die Sache hiemit abgethan, sonst hätte icham Ende noch in einer weiteren allerliebsten Gesellschaftdurch die menschenstrotzenden Alleen zum Tempel derheiligen Hermandad wallen müssen.

(Fortsetzung folgt.)

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Logogryph.

Eins ragt himmelan und weistWie da schafft des Menschen Geist.

Füg' als Zwei ein Zeichen d'ran,

Jetzt beim Mahl siehst Du den Mann.

Einen Kopf nun für Eins, Zwei,

Jetzt, ihr Händler, kommt herbei.

Seht, die Eins ist gut besucht,

Eurer wartet gold'ne Frucht.

Markt und Straßen, welck Gewühl!

Lust und Gold ist Aller Ziel.

Und die Zwei, ein Jeder kenntSie als nützlich Instrument.

Auslösung des Homonyms in Nr. 2:

Thor.

Auslösung des Bildcr-NciMels in Nr. 3:

Gute Lehren kann Niemand entbehren.