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ALLexLer.
Der „Haupttreffer". Eine in Wien sehr be-kannte Familie ist in der letzten Zeit von einem tragi-schen Geschicke betroffen worden. In der Praterstraßewohnt Prokurist Theodor St. mit seiner aus vier Per-sonen bestehenden Familie. Herr St., welcher der Brudereines seither verstorbenen Wiener Cafetiers ist, lebte inden besten materiellen Verhältnissen, da ihm ein ziem-lich bedeutendes Einkommen gestattete, nicht nur fürseine Familie zu sorgen, sondern auch noch Ersparnissezurückzulegen. Trotzdem war der Mann unzufrieden.Er äußerte immer die Befürchtung, seine Familie werdedarben müssen, wenn ihm etwas widerfahre, und nur eingroßes Vermögen könne vor einer solch' traurigen Zu-kunft schützen. Dieses Vermögen suchte sich Herr St.durch den Ankauf von Loosen und Promessen zu ver-schaffen. Seine Ersparnisse legte er ausschließlich inLoosen an und außerdem kaufte er zu jeder größerenZiehung eine Promeffe. Einmal hatte er mit einemKommunalloose hart an den Haupttreffer gestreift undseither lebte St. in der festen Ueberzeugung, daß er nocheinmal das große Loos ziehen werde. Unlängst fuhrer Morgens von Baden, wo seine Familie zum Sommer-aufenthalte weilte, ins Geschäft. Dort angelangt, nahmer die Zeitung zur Hand und durchsing den geschäftlichenTheil. Plötzlich sahen die andern Beamten den Proku-risten erblassen und mit zitternder Hand etwas in derTischlade suchen. Es war das Verzeichniß der ihm ge-hörigen Loose. Nach einer Weile sprang er auf undrief jubelnd: „Meine Herren! Ich habe den Haupttrefferder Bodenkreditloofe gemacht! Entschuldigen Sie mich beimChef, aber ich muß sofort nach Hause zu meiner Frau."In größter Aufregung fuhr Herr St. nach Baden, woihn seine Frau, erstaunt über sein unerwartetes Er-scheinen, empfing. Freudig erzählte er ihr von feinemGlücke und wies zur Bekräftigung die Zeitung vor.Die Frau laS die Nummer, dann sagte sie: „Ja, hastDu denn auch ungarische Bodenkreditloofe?" Der Mannstarrte die Frau bestürzt an, riß ihr das Blatt ausder Hand und nachdem er gelesen, sank er bewußtlos aufein Fauteuil. Er hatte in seinem Glücke nicht bemerkt, daßeS sich hier um die Ziehung ungarischer Bodenkreditloofehandelte, während er nur solche österreichischer Papierebesaß. Die Erkenntniß des Irrthums hatte eine furcht-bare Wirkung auf den Unglücklichen geübt. Die ganzeLebensfreudigkeit schien geschwunden und alle Tröstungenseiner Frau halfen nichts. Dann schlug die Stimmungplötzlich um. Herr St. kam eines TagS fröhlich nachHause und bestellte bei seiner Gattin ein feines Souper,da Gäste kämen. Als es Abend wurde, erschien Niemandund St. wußte gar nicht, daß er etwas Diesbezüglichesgesagt habe. In den nächsten Tagen machte er sichdurch größere ganz überflüssige Geldausgaben bemerkbarund sprach stets von Millionen. Er bildete sich ein,alle Taschen voll Millionen zu haben, und beschenkte alleLeute reichlich. Der Arme ist jetzt reich und im Wahn-sinn hat er das Glück gefunden, dem er so unver-nünftig nachgejagt hatte. Herr St. ist gegenwärtig ineiner Privat-Heilanstalt untergebracht; die Aerzte habenjedoch nur geringe Hoffnung auf seine Wiederherstellung.
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Ein Phantast. Bummel: „Kennst Du den Gerichts-vollzieher Schnüffel?" — Stummel: „Ja, leider. Warum?"— Bummel: „Der Mann hat seinen Beruf verfehlt,
der hätte sollen Dichter werden. Die Phantasie, die derhat. Du hast keine Ahnung. Denke nur, gestern warer bei mir und da hat der Phantast, so wahr ich lebe,an meiner Kette — eine Uhr vermuthet."
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An das Ar»«eußerz.
Ein wundersames Räthsel ist das Herz,
Daran ich glaub' wie an ein fromm' Orakel;
Sein Zauber rührt, und wärst du kalt wie Erz,
ES ist ein Edelstein ohn' allen Makel!
Ein freudiges Geheimniß birgt'S in sich,
So hoch und hehr, daß man eS nie begreifet,
Und Frucht erzeugt es, schön und minniglich,
So wie sie sonst auf Erden nimmer reifet.
Bewährt es stets sich edel, treu und rein,
Den wunderbarsten Segen schließt es ein;
Es ist ein Quell, an dem man ewig trinket,
Deß' reiner Bronnen nie im Schlamm versinket.
Ihm gab der güt'ge Gott den eig'nen Geist,
Mit göttlichem Gewinn an Lieb' und Stärke;
So schafft eS nun die überird'schen Werke,
Die seine Huld allein den Menschen weist.
An seiner Gnade trinken alle Seelen,
Der Bettler wie der König froh beglückt;
Mit ihnen kann eS Seligkeit vermählen,
Und ohne Ende werden sie entzückt.
Wo Sündenschuld des Menschen Geist entstellt,
DeS Lasters trübe Gährung in der Welt»
Da weiß das Herz die Rettung ihm zu findenUnd ihm Erlösung freudig zu verkünden.
Dies große Räthsel, such' eS nie zu lösen,
Den zarten Schleier hebe nie empor!
Denn solchen Reichthums sinnig frommes Wesen,
Es beut sich nicht der Menschen Aug' und Ohr.
Willst du ergründen, was noch unergründetIn ungemcss'ner Tiefe ruhend liegt,
Was den allein, der jenes Glück empfindet,
In unbegreiflich hoher Art berückt?
Wo kalt Verstand, wo Forschung an ihm grübelt,
An jenem Quell, der aus der Gottheit fließt,
Die Gotteöpracht der Zweifel da verübelt,
Den Zauber bannt, der sich um sie ergießt.
Nicht McnschenwciShcit mag den Werth erhöhen,
Womit das Herz von höchster Hand begabt;
Sie kann wohl etwas, alles nicht erspähen,
Der Glaube ist's, der hier allein sich labt!
So frevle nie am Herzen; denn die Sünde,
Die an dem Herzen frevelnd sich verging,
Verschalt mit einer eisig starren RindeDer Liebe Gut, das es vow Herrn empfing.
WaS sich so mild, so liebend dir gegeben,
Du sollst es freudig auf den Thron erheben!
Es sendet das Gemeine erdenwärtsUnd strebt zu Gott, es ist das Frauenherz!
L. L
---SV-r'-Se—>-
Telegramm-Räthsel.
Die Striche sind durch Vokale, die Punkte durch Konso-nanten zu ersetzen:
Auflösung des Logoaryphs in Nr. 4:
Esse, Esser, Messe, Messer.
Auflösung des Bilder-Räthsels in Nr. 5:
Zwei tragen Freud und Leid besser als nur Einer.