Ausgabe 
(23.1.1894) 7
Seite
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Die ganze Gabelsberger'sche Schule wird daher am19. Januar ds. Js. ihres Altmeisters Gratzmüller ehrendgedenken und alle, welche inner- und außerhalb der steno-graphischen Kreise stehen und den auch persönlich äußerstliebenswürdigen Herrn Prior kennen lernten, von bestenWünschen für ihn erfüllt sein.

Schon im voraus wurde diesem Geburtsfeste vonAllerhöchster Stelle die Weihe gegeben, indem Se. Kgl.Hoheit der Prinz-Negent ihn durch Verleihung des Titelsund Ranges eines königl. geistl. Rathes auszeichnete, einBeleg dafür, daß Allerhöchsten Ortes das stille, aber frucht-bare Wirken Gratzmüllers anerkannt ist.

Wir freuen uns darob aufrichtigst, insbesondere auchdarüber, daß wir Herrn Prior Gratzmüller so lange inunserer Mitte haben, daß er ein Angehöriger unsererStadt ist (man verzeihe uns diesen Ausbruch unseresLokalpatriotismus), und daß hier durch seine Thätigkeitso viel für Verbreitung einer guten Sache geschehen ist.

Möge Herrn Prior und kgl. geistl. Rath Gratzmüllernoch ein langer, ungetrübter Lebensabend beschicken sein!

SÄWkS- *

Höchstädt .

(Schluß.)

(Hiezu das Bild Seite 43)

Die alte Stadt Höchstädt bildete eine eigene Pfarreiund hatte eine der HI. Jungfrau Maria geweihte Pfarr-kirche, deren Patronatrecht das Kloster Reichenau biszum Jahre 1356 besaß. Mit dem Kirchensatz, den dasehrwürdige Bodensee -Kloster besaß, war der Großzehntim Pfarrsprengel Höchstädt verbunden. All dies verkauftedas Kloster im genannten Jahre um 300 Pfd. Helleran den reichen Ulmer Bürger Heinrich v. Roth, dessenFamilie nun auf die Pfarrei präsentirte. Ein Glieddieser Ulmer Patrizier-Familie, Johannes v. Roth, warim Jahre 1358 Pfarrer in Höchstädt und bezog als Ein-kommen 12 Malter Korn, den kleinen Zehnt und Opfer-gefälle. Im nämlichen Jahre noch aber stiftete Heinrichv. Roth und sein Sohn, der Pfarrer Johannes v. Roth,in der St. Nikolaus-Kapelle, die nahe bei der Pfarrkirchein der Altstadt stand, eine Frühmesse mit der Auflage,daß der Pfarrer einenGesellpriester" (Kaplan) zu sichin Kost nehmen, dafür aber statt der 12 Malter Roggenden großen Zehnt der Pfarrei beziehen solle.

So blieb es bis 1451. Da stiftete der Pfarrerin der Altstadt, Peter Schaflitzel, und die Kirchenpflegermit zwei Höfen in Deisenhofen in der St. Nikolaus-Kapelle ein Benefizium, dessen Inhaber wöchentlich wenig-stens fünfmalMorgens sobald man die Thore ans-chließe" in der Kapelle, an Sonn- und Feiertagen aberin der Pfarrkirche unter dem Amt die hl. Messe lesenund dem Pfarrer undseinem Gesellen" in geistlichenSachenbehalfen sein" mußte. Cardinalbischof Peterbestätigte diese Stiftung anno 1452.

In alter Zeit reichte die Pfarrei Steinheim bisan den Westrand der alten Stadt Höchstädt . Ueberdiesen Rand hinaus bildete sich vom 13. Jahrhundertan eine neue Ansiedelung, die sich rasch entwickelte. Soentstand eine Neustadt Höchstädt , auch Neu-Höchstädt ge-nannt. In dieser Neustadt bestand schon im Jahre 1382eine eigene Pfarrkirche, deren Patronat dem KlosterReichenbach in der Oberpfalz zustand, weil die Neustadtim Pfarrsprengel Steinheim entstanden war, das zu

jenem Kloster gehörte. Dieses Kloster besetzte die Pfarreider Neustadt sogar eine Zeit lang mit seinen Conven-tualen. Einer derselben, Kunrat der Ratzenberger, warim Jahre 1384 Pfarrer zu Höchstädt .

Die Neustadt hatte schon im 14. Jahrhundert dieAltstadt an Bedeutung weit überflügelt, so daß diese alsoffene Vorstadt erschien. Die Neustadt war mit Mauernumgeben und enthielt den Haupttheil der Bevölkerung.Dafür zeugt, daß allein in der Zeit von 1372 bis 1452in der Neustadt acht Benefizien meist von den Bürgerngestiftet wurden. Ueber sämmtliche Benefizien hatte derRath das Ernennungs- und Kloster Reichenbach dasPräsentationsrecht. Auch die Pfarrei der Neustadt brachteder Rath bald an sich und erwarb im Jahre 1544 auchdas Patronatrecht über die Pfarrei der Altstadt sammtdem Benefizium St. Nikolaus.

Im Jahre 1542 zwang Pfalzgraf Otto Heinrichsein ganzes Land Pfalz-Neuburg , also auch die StadtHöchstädt , protestantisch zu werden. Der nun lutherischgewordene Magistrat ging nun übel mit den geistlichenPfründen, Stiftungen und Kirchengütern um. Die Pfarreider Altstadt wurde aufgehoben und mit jener der Neu-stadt vereinigt. Alle Benefizien und ihre Güter zog derMagistrat ein, verkaufte dieselben und verwendete sie zuweltlichen Zwecken oder zum Spital, das im Jahre 1387von einigen wohlthätigen Bürgern und dem HerzogFriedrich von Teck gestiftet worden.

Im Jahre 1557 wurde sogar die Pfarrkirche derAltstadt und die Nikolauskapelle abgebrochen.

Als im Jahre 1614 Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm sein Land wieder zur katholischen Kirche zurückführte,stieß er gerade in Höchstädt auf den heftigsten Widerstand,weil die Anhänger des Lutherthums in der alten Pfalz -gräfin -Mutter, einer unbiegsamen, eifrigen Protestantin,die im Schloß zu Höchstädt ihren Wittwensitz hatte,festen Rückhalt hatten. Acht Jahre lang scheiterten alleBemühungen des eifrigen katholischen Pfalzgrafen , fürden katholischen Cultus wenigstens die Spitalkirche zubekommen, an der lutherischen Zähigkeit und Ausdauerseinergnädigsten geliebten Frau Mutter." Als er imJahre 1624 dem Rath befahl, die Spitalkirche für diekatholische Religionsübung einzuräumen, befahl die Pfalz-gräfin dem Rath auf's Bestimmteste, nicht das Geringsteeinzugehen. Ihrem Sohne, dem Pfalzgrafen , drohte sie,lieber Höchstädt zu verlassen, als die katholische Religionin der Spitalkirche zu dulden.

Diesmal gab jedoch der Pfalzgraf nicht mehr nach.Er bat den Bischof, einen katholischen Priester auf Sonntagnach dem Dreifaltigkeitsfest nach Höchstädt zu senden,welcher die Einführung der katholischen Religion in derSpitalkapelle vornahm. Am 23. Juni kam der Stadt-pfarrer Sixtus Bischer von Dillingen , hielt in der Spital-kirche den katholischen Gottesdienst und führte den PriesterGeorg Pistorius als ersten katholischen Pfarrer nach demLutherthum in Höchstädt ein. Am nämlichen Tage ließder Pfalzgraf durch seinen Kanzler seiner Frau Mutter,der Herzogin Anna, die Versicherung geben, daß, so langesie lebe, in der Pfarrkirche und in der Hofkapelle dielutherische Religionsübung unangefochten bleibe und Nie-mand zur katholischen Neligionsübung gezwungen werde.

So hielt es der Pfalzgraf bis zum Tode seinerMutter. Als sie aber anno 1632 gestorben war, ließer die Prädikanten aus Höchstädt schaffen, die Pfarrkirchedem katholischen Cultus zurückgeben und verlangte im