Ausgabe 
(26.1.1894) 8
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Allerlei.

Zur Hygiene des Cigarrenrauchens. Wieder B. Landesbote erfährt, haben auf Anregung derFabrikinspektion die badischen Verwaltungsbehörden dieCigarrenfabriken veranlaßt, in die Fabrikordnnng eineBestimmung aufzunehmen, welche dem Arbeiter das Be-nutzen des Mundspeichels beim Abschließen der Spitzeder Cigarre untersagt. Der größte Theil der Rauchererfährt bei dieser Gelegenheit vermuthlich zum erstenMale, daß es bei der Herstellung des Glimmstengels,den er so behaglich zwischen den Lippen hält, nicht ganzappetitlich zugegangen sein könne. Um der Cigarre diehaltbare Form zu geben und insbesondere das Aufblätterndes Deckblattes zu verhindern, wird dieses beim Abschlußmit Kleister fixirt. Dabei haben viele Arbeiter die Ge-wohnheit, mit Speichel nachzuhelfen, auch die überflüssigenTabaktheilchen abzubeißen und die Spitze des zu bedecken-denWickels", welche durch das Trocknen in einer Formhart geworden, zur leichteren Bearbeitung im Munde auf-zuweichen. Den größten Nachtheil dieser Arbeitsmethodehat der Arbeiter selbst. Durch das beständige Beleckender Tabakblätter und des Kleisters ist er der Gefahrchronischer Nikotinvergiftung in hohem Grade ausgesetzt;Verdauung?- und Cirkulationsstörungen kommen auch ge-rade bei Cigarrenarbeitern, bei sonst günstigen hygienischenVerhältnissen der Fabrikräume, sehr häufig vor. Fürden Raucher ist die geschilderte Methode, auch abgesehenvon der Möglichkeit einer Uebertragnng von Jnfektions-keimen durch die Cigarre, jedenfalls nicht appetitlich, undwenn auch das Köpfchen der Cigarre vor dem Rauchenabgeschnitten wird, so bleibt doch noch Kleister genugübrig, der von der Schnittfläche sich unmittelbar demMunde mittheilt. Die erwähnte Verordnung der badischenBezirksämter ist aus diesen Gründen gewiß freudig zubegrüßen; ob sie aber den beabsichtigten Erfolg in größererAusdehnung erreichen wird, erscheint sehr zweifelhaft.Die gerügte Methode ist der Bequemlichkeit und dem Be-dürfniß nach rascher Arbeit entsprungen; der Lohn desCigarrenmachers berechnet sich nach der gelieferten Stück-zahl, und das Aufgeben der alten Methode würde eineKürzung seines Lohnes bedeuten. Viel einfacher und sichererwäre es, wenn man bei Herstellung der Cigarre von derAnwendung eines Klebemittels ganz absehen könnte, wenndie Fabrikation sich entschließen könnte, zu einer andernals der jetzt üblichen Form des Abschlusses überzugehen,welche den Kleister überhaupt überflüssig macht. Ein der-artiger Versuch ist von einer Heidelberger Fabrik gemachtworden und hat auch den Beifall des badischen Fabrik-Jnspectors gefunden; in dieser Fabrik wird das über-schüssige Deckblatt nicht ganz abgeschnitten, sondern um-gelegt und mit einem feinen Gummiring an der Ci-garre festgehalten. Dadurch ist dem Arbeiter jeder Anlaßgenommen, mit dem Munde zu arbeiten, dagegen ist dieZeitersparniß nicht gering, so daß die Mehrkosten fürVerwendung der Gummiringe nahezu vollständig ausge-wogen werden. Die Cigarre ist appetitlich, sie bleibt festund reinlich beim Rauchen, ihr Geschmack wird durchnichts beeinträchtigt. Dem Arbeiter ist nicht nur seine Arbeiterleichtert, er ist auch der Gefahr der Nikotinvergiftungentrückt.

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Ein Arbeiter- oder vielmehr Gesellentag be-sonderer Art wird dieses Jahr in Nantes sich ver-sammeln. ES ist der mittelalterliche Gesellenbund

(sowx3All0llll3§s), der den seit 1886 zwischen seinendrei Zweigen geschlossenen Frieden besiegeln und die Er-neuerung der alten Einrichtung vervollständigen soll.Die 6owx3.§llonna.§s ist eine Fortsetzung der mittel-alterlichen Bruderschaften der Handwerker, besonders derviel reisenden Bauhnndwerker, und hat sich dann auf andereGewerbe verpflanzt. Es gilt hauptsächlich, dem wandern-den Gesellen überall Schutz und Arbeit, ein Heim (dieHerberge) zu sichern. Der Gesellenbund hat einen ge-wissen religiösen Charakter beibehalten, die Mitgliedermüssen nach Sainte-Baume (bei Marseille ) wallfahrtenund dort Stab mrd Bänder weihen lassen. Die Trennungin drei Zweige wurde durch verschiedene Ursachen herbei-geführt, dann aber mit Fabeln umgeben. Die Trennungsollte beim Bau des Tempels Salomonis stattgefundenhaben, indem zwei Arbeiter, die Meister Jacques undSoubise, eigene Verbünde stifteten; die Kinder des MeistersJacques klagten Soubise an, ihren Vater ermordet zuhaben. Daher Streit und Kampf jedesmal, wenn Mit-glieder der Verbände zusammentrafen. Der Hauptstammsah Salomon und Hierum als Stifter an. Seit Jahr-zehnten haben reichgewordene Compagnons für Aussöhn-ung und Erneuerung des Bundes gearbeitet und geschrieben.(George Sand erhielt von einem seiner Mitglieder, AgricolPerdiguier, die Aufschlüsse für ihrenOowxaAllon äutour äs dralles".) Seit 1886 fanden Versammlungenstatt und wurden die Kämpfe eingestellt, die Verbändeder einzelnen Städte gründeten Anstalten zur fachlichenAusbildung der Mitglieder u. s. w. Der Gesellenbundzeichnet sich durch festes, unverbrüchliches Zusammenhaltenseiner Mitglieder aus, die durchweg zuverlässige Männerund geschickte Arbeiter sind. Ein früherer Kompagnon,der als reicher Brodherr in Orlsans starb, sicherte demBund ein Vermächtniß von zwei Millionen. Auch andereSchenkungen fehlen nicht. Es darf hervorgehoben werden,daß die vorschriftsmäßige Reise durch Frankreich (louräs Kranes) Elsaß, Lothringen und Flandern ausschließt,daß also diese nicht als zu Frankreich gehörig angesehenwerden. Dort hav,.^r.Bund nie Herbergen und Ver-bände gehabt.

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Guter Rath. Doctor:Es ist zum Verrücktwerden,nicht einen Hasen hab' ich bis jetzt umbringen können." Förster:Verschreiben Sie den Hasen 'was, HerrDoctor!"

-^SSWS--

Räthsel.

1 19 7 17 2 19 16 7 eine freie Reichsstadt des Mittelalters,

19 13 7 1 t6 13 ein Königreich,

7 16 19 5 13 1 19 eine Stadt in Schlesien ,

17 5 10 14 13 4 5 11 9 5 19 18 5 13 1 13 18 ein Offizier,

2 16 9 13 4 9 17 9 eine Stadt in Italien ,

19 16 19 13 4 5 ein Aktenstück,

16 5 17 9 4 5 13 22 von Regenten bewohnt,

17 14 5 18 22 5 13 4 9 5 13 17 18 ein heidnischer Kultus,

5 17 10 9 12 14 ein Bewohner des Nordens,

16 5 1 11 15 ein Torf am Fuße des St. Gotthard.

Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die End-buchstaben von unten nach oben gelesen, nennen die ältestekatholische Zeitung Deutschlands .

Auslösung des Telegramm-Räthsels in Nr. 6:

Lass' sie kritteln, lass' sie lachenSchließ' voll Gleichmuts» deine Ohken;

Wer es allen recht will machen,

Geht zuletzt sich selbst verloren!

--AMZS--