FräuleinSchönaich wenden," versetzte Harnisch. Dann fügteer, sich gegen Siglinde verbeugend, hinzu: „Ich sollte ver-muthen, daß Ihnen der Name Jmhoff bekannt sei."
Die Angeredete schüttekte fremd den Kopf. „Ichhöre diesen Namen zum ersten Male."
„Sie besitzen eine altere Schwester," fuhr der Ameri-kaner fort, wie im Tone einer schmerzlichen Frage.
„Erika!" kam es leise über Siglindens Lippen.
„Ganz recht, Erika," nickte Harnisch, „das warFrau Jmhoff's Vorname."
„Frau Jmhoff? . . Erika? . ." wiederholte Sig-linde gespannt. „Sollte Erika, von der wir lange Jahrenichts gehört haben, verheirathet sein? Kennen Sie meineSchwester?"
nach Erika verlangt habe, während sie dieselbe doch ausihrem Testamente gestrichen und damit unzweideutig undbündig genug den Stab über ihren Leichtsinn gebrochenhatte. —
„Ich wurde während der Seereise mit Frau Jmhoffnäher bekannt," erzählte Harnisch weiter, „und gewannihr Vertrauen in solchem Maße, daß sie sich offenherzigüber ihre Verhältnisse aussprach. Sie hatte viel Leiderfahren, und der Kummer erschließt sich gern, wo erTheilnahme findet. Vor ein paar Jahren war sie nochdie gefeierte Primadonna einer Operngesellschaft gewesen,mit welcher ihr Gemahl als Impresario verschiedenegrößere Städte des Westens bereiste. Da war sie plötz-lich von einer schweren Krankheit ergriffen worden, die
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yns Jüngltr. Nach dem Gemälde von Clara Walther .
sVerlag der Dlünchener Kunst- und Berlagsanstalt Vr. (?. Albert L bo.)
Harnisch bejahte. „Ich habe mit Ihrer Schwesterund deren Gemahl, Herrn Jmhoff, gemeinschaftlich aufdemselben Dampfer die Reise von New-Aork nach Liver-pool gemacht. Es war kein blinder Zufall, der unsauf dem gleichen Schiffe zusammenführte. Frau Jm-hoff, ebenfalls in New-Aork wohnhaft, war telegraphischan das Krankenlager ihrer Tante berufen worden. EineDepesche desselben Inhalts führte auch mich nach Europa .Der gleiche Neisezweck ließ uns beide den nächsten Dampfer !benutzen." !
Während dem Rechtsgelehrten sogleich die beiden !Depeschen nach New-Iork einfielen, welche Ritter im ^Auftrag seiner Grundherrin nach dem Telegraphenamte -besorgt hatte, beschäftigte Siglinde die Widerspruchs- >volle Thatsache, daß die Tante auf ihrem Krankenlager
sie ihrer Stimme beraubte: mit ihrem Rücktritt von derBühne war der Stern erblichen, der bisher über demLpernunternehmen ihres Gemahls geleuchtet hatte, derschwache Besuch der Vorstellungen trug nicht mehr dieKosten ein und in kurzer Zeit war Jmhoff ein ruinirterMann. Er versuchte sein Glück nun wieder als Schau-spieler, aber wie er früher in diesem seinem ursprüng-lichen Berufe niemals Erfolg gehabt hatte, so sah ersich auch jetzt wieder in die ganze Misere zurückgeschleu-dert, welche an den kleinen Wanderbühnen Nordamerikas noch viel jämmerlicher ist, als hier in Deutschland .Seine Lage wurde immer tröst- und hoffnungsloser. Anihren Vater wollte sich Frau Jmhoff nicht wenden, lieberentschloß sie sich zu dem verzweifelten Schritte, ihreTante um Hilfe anzugehen. Ihre Ehe verheimlichend,