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Unter uns gesagt, ich finde, daß man von meinem altenOnkel zu viel verlangt."
„Ja, das ist einmal das Schicksal der großen Männer.Aber jetzt wird er sich erholen. Sie gehen doch wohlaufs Land?"
„Glauben Sie, daß das Leben im Schloß eine Er-holung ist? In Burgund hören die Diners nicht auf."
„Wie, Sie reisen auch nach Burgund ?"
„Ja, nach Chambrive."
„Zu der Herzogin? Werden Sie lange da bleiben?"
„Den ganzen Herbst. Kennen Sie Chambrive?"
„Ich habe früher dieses herrliche Schloß besucht.Was würden Sie wohl sagen, gnädiges Fräulein, wennSie mich eines Tages dort ankommen sähen?"
Sie schien erstaunt und betrachtete mich mit prüfen-den Blicken, als wolle sie ergründen, ob ich im Ernstgesprochen. (Schluß folgt.)
-S-iSMS—-
Zu unseren Bildern.
Das Jüngste.
Der Storch war in's Haus gekommen und hatte denKinderchen ein allerliebstes kleines Brüderlein gebracht. Jetztruht es in der Wiege, in sanfte, weiche Kissen gebettet undschläft. Die Mutter hat für kurze Zeit das Zimmer verlassenund diese Gelegenheit benützen die Kinder, das Brüderchen ein-mal fti sehen. Leise kommen sie heran; Mariechen hebt das Tuch,das schützend über des jungen Weltbürgers Köpfchen ausgebreitetist. Da liegt es nun, das herzige Wesen, einem schlummerndenEngel gleich. Neugierig betrachten die Kinder das schlafendeBrüderchen und heimliche stille Freude glänzt aus ihren Augen.
Auf dem Daukzuge.
Reineke ist ein gar arger Dieb und Räuber. Das sagt unsschon die Strophe des bekannten Liedes: „Fuchs, du hast dieGans gestohlen I" Aber nicht bloß auf Gänse und Hühner undsonstiges Geflügel hat es Meister Reineke abgesehen, er verachtetauch so ein Häslein nickt. Abend ist's geworden und Lampe hatsich im Schnee soeben ein Nachtlager zurechtgerichtet. Das Häs-lein ahnt nicht, daß der Feind in der Nähe. Leise kommt erüber die Schneedecke herübergeschlichen, Fuchs der Schlaue, Listige;schon hat sein Auge das Opfer erspäht. Ob sein Raubzug auchvon Erfolg begleitet sein wird?
Die Mkolaikirche zu Hamburg in ihrem jetzigenZustande.
Dem großen Stadtbrande in Hamburg , der vom 5. bis8. Mai 1842 einen großen Theil der Stadt in Asche legte, istauch die alte Nikolaikirche zum Opfer gefallen. Während schonin den angrenzenden Straßen ein unabsehbares Feuermeer Todund Verderben brachte, wurde in der Kirche noch Gottesdienstgehalten. Um 12 Uhr Mittags am ersten schrecklichen Tagewar der Gottesdienst beendet, um 1 Uhr begannen einzelneFlammen am Thurme emporzuzüngeln und in wenigen Stundenlagen Thurm und Kirche in Asche. Ihre damalige Gestalt hattesie seit 1658, und ihr Thurm zeigte die ansehnliche Höhe von400 Fuß und war von dem massiven Mauerwerk an ganz mitKupfer gedeckt. In seiner Laterne hing ein schönes, holländischesGlockenspiel, welches moraens um 6 und mittags um 1 Uhreine halbe Stunde lang Chorälc spielte. Am fraglichen Tagebegann der Thurm sich selbst sein Schwanenlied zu singen.Sein herrliches Glockenspiel, man weiß nicht, ob durch dieHitze oder eine andere Kraft in Bewegung gesetzt, begann zutönen, doch nicht einer seiner gewohnten Choräle, sondern eineMelodie voll wilden Schmerzes, voll herzzerreißenden Webeserklang über die brennende Stadt hinweg. Schon um 3 Uhrnachmittags hatte das Feuer den ganzen Thurm ergriffen, gegen5 Uhr wankte die Spitze und wenige Minuten darauf stürztesie, zum Theil die Häuser der Geistlichen zertrümmernd, zumTheil in das Innere der Kirche sich senkend. Die Kirche branntevollständig nieder, erstand aber wieder in der neuen Gestalt,in welcher sie sich auf unserem Bilde präsenttrt.
Allerlei.
George Eliiot. Als ein Opfer der Influenzaverschied am Weihnachtsabend 1893 in England ein
Mann, der wie wenige von sich rühmen konnte, daß eralles, was er errungen, seiner eigenen Thatkraft ver-danke, ein sslk-waäs man im vollsten und besten Sinnedes Worts, Sir George Elliot, der ehemalige Kohlen-träger, der sich bis zum Bergwerkbesitzer und Baronetaufgeschwungen. Am 18. Juni 1815, dem Tage derSchlacht von Belle-Alliance, als Sohn eines armen Kohlen-arbeiters in Durham geboren, begann er seine Lebens-thätigkeit frühzeitig in dem väterlichen Berufe. VonStufe zu Stufe es durch Fleiß und geistige Regsamkeitso weit bringend, wie die Verhältnisse es gestatteten,versäumte er es dabei mcht, sich Kenntnisse der mannig-fachsten Art anzueignen. Des strebsamen jungen Berg-mannes nahm sich ein Ingenieur, Spopwish, an, derihn auf seinem Bureau und bei Vermessungsarbeitenbeschäftigte. Gleichwohl kehrte Elliot im Jahre 1830zu seinem früheren Berufe zurück, in dem er jetzt inrascher Folge zum Vormann und Obersteiger aufstieg.Im Jahre 1840 war bereits der intelligente Obersteigermit Hilfe befreundeter Kapitalisten Grubenbesitzer geworden,und jetzt häufte sich Erfolg bei ihm auf Erfolg. Derglückliche Unternehmer legte im Jahre 1851 die Stelledes Obersteigers nieder und trat als technischer Direktoran die Spitze der ausgedehnten Kohlenwerke des Marquisvon Londonderry, im Jahre 1863 kaufte er das Berg-werk, in dem er 35 Jahre zuvor seine Thätigkeit alsarmer Häuer begonnen, und im Jahre 1874 wurde erzum Baronet ernannt. Bekannt ist seine Theilnahmean der Legung des ersten transatlantischen Kabels, ebensoseine schriftstellerische Thätigkeit, die er unter anderemdurch die sensationelle Schrift „Wie lange reicht unserKohlenvorrath?" bethätigte. Politisch gehörte Elliot zuder Torypartei, die er mehrfach im Parlamente vertrat.
Himmelsschau im Monat Februar.
—X. Merkur L ist gegen Ende des Monates alsAbendstern gut sichtbar in WSW.
Venus ? verläßt anfangs nach 7 Uhr abds. denHorizont im S. und wird gegen Ende Morgenstern. Am7. steht er in der Nähe des Mondes.
Mars im Skorpion und Schützen geht zwischen5 U. und 4 U. morgs. auf und befindet sich am 1. inder Nähe des Mondes.
Jupiter im Stier erreicht-bereits 6 U. abds.die höchste Höhe und geht zwischen 3 U. und 1 U. frühunter. Am 13. ist er nahe beim Mond.
Saturn geht auf zwischen 11 U. 54 M. und10 U. 2 M. nachts und kommt am 24. in die Nähe desMondes.
Nikder-Näthsel.