Ausgabe 
(2.2.1894) 10
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Dinkelsbühl und Navensburg könnten nicht allein inLoolssiLstisis in den Stand von 1624 völlig restituirt,sondern auch rntiöns kolitisorum munsrnrn st äi§ni-tatunr in die Parität eingesetzt werden."

Daß binnen drei'Monaten diese ausfallende Sinnes-änderung in das Gegentheil umschlagen konnte, befrem-dete weniger, als daß am 4. Juli Kurbrandenburg undetliche evangelische Gesandte mit dem kaiserlichen RatheGrafen v. Trauttmansdorff zu Osnabrück sich vernehmenließen,die Parität sei eine unthunliche Sache, an ihrzerschlage sich das ganze Friedenswerk". Heftig protestirtedagegen der Lindauer Abgesandte Dr. Valentin HeyderNamens der Evangelischen Augsburgs:die Restitutionohne Parität habe keinen Halt, die Bürgerschaften wixtasrslixionig kommen zu keiner Einigkeit, hingegen xotsn-tius, äiAuitalis st auotoritatis asHualis xartiviputiosei die watsr souooräias zwischen beiden Theilen, einrechtes ^.sguilibrium für Fried'und Einigkeit." Herwartaber sah ein, daß im gegenwärtigen Augenblick nichts zumachen sei, denn Bayern gab die Neutralität auf undnäherte sich wieder dem Kaiser, weßhalb er rieth, vorerstnicht weiter zu verhandeln.

Die Betheiligten bemühten sich im Geheimen unab-lässig, Bundesgenossen zu gewinnen, während länger alsein halbes Jahr die Conferenzen mit anderen Gegen-ständen sich beschäftigten, so daß die Städte besorgten,ihre Angelegenheiten möchten bei dem Friedenstraktatevöllig unberücksichtigt bleiben. Wie erstaunten daher ihreVertreter, als am 11. März 1648 ohne vorausgegangeneAnkündigung die kaiserlichen Commissäre in der Sitzungeinen Entwurf über die Restitution für die bereits ge-nannten vier Reichsstädte und in sxsois über die Paritätin Augsburg vorlasen. Dr. Heyder erbat sich sofort eineFrist für seine Bedenken gegen den Vortrag aus, dieihm durch Vermittelung von Sachsen-Altenburg, Braun-schweig und der Schweden auf ein paar Tage verwilligtwurde. Ihm erschien nämlich als unannehmbar, daß vor-geschlagen wurde, der geheime oder engere Rath besteheaus 7 Mitgliedern, 4 Katholiken und 3 Evangelischen,was dem Grundsätze der karitus zuwiderlaufe, und schrift-lich und mündlich bekämpfte er diesen Passus. Er richtetejedoch nichts aus. Die Commissäre lehnten jegliche Ab-änderung des Projektes ab,weil kaiserliche Majestäteher Leib, Gut und Blut aufsetzen wollen^ als sich nochweiter treiben zu lassen", denn die Evangelischen bekämennicht nur mehr Rechte, als sie jemals besaßen, sondernes werden auch alle Hauptfragen durch den Senat er-ledigt, in welchem die Stimmen unter den beiden Reli-gionen eben so gleich vertheilt seien, wiebeim ^.srariound ^.rinainsntario (Zeughaus), worauf der nsivusrsixnbliorrs bestehe", auch müßten die Katholiken, weilin der Minderzahl,etwas mehr Handhabe und die Llajorabekommen, um nicht von dem anderen Theile verdrungenzu werden." Graf von Lamberg kam bet der Unterredungin eine solche Aufregung, daß er unwillig ausrief:esist eine Schande, so in sie zu dringen, gleich als wennBauren traktirten." Diese Vorgänge hätten jedoch denvr. Heyder nicht bestimmt, vom Platz zu weichen, wäreer nicht allmälig ganz allein in der Opposition gestanden,denn Niemand wagte es, wegen der strittigen einzigenRathsstelle das Friedenswerk auf's Neue in's Stocken zubringen, wenn nicht gar über den Haufen zu werfen. Sowurde endlich am 24. März allseitig ein Schlußprotokollunterzeichnet, und was dadurch in Münster vereinbart

worden war, billigte Osnabrück . Am 24. Oktober 1648erfolgte daselbst die Auswechslung der gefertigten, unter-schriebenen und besiegelten Friedensinstrumente. Damitendete auch der schreckliche Krieg, welcher vor 30 Jahrengerade in der Stadt entbrannt war, in welcher derschwedische Heerführer Graf Königsmark mit seinem flie-genden Corps durch die Ueberrumpelung der Kleinseitevon Prag die letzte glänzende That in dem blutigen Trauer-spiele ausführte.

Am 1. November 1648, vier Tage nach dem Ab-leben des um die evangelische Sache seiner Vaterstadthochverdienten Johann David Herwart, traf die Nachrichtüber den Abschluß des Friedens in Augsburg ein. Derin lateinischer Sprache abgefaßte Vertrag setzte für dieReichsstädte Augsburg, Biberach, Dinkelsbühl und Regens-burg in Kirchen- und Schulsachen den Besitz nach demStande vom 1. Januar 1624 fest, führte im weltlichenRegiments die Parität ein und enthielt in deutscher Ueber-sctznng wörtlich die nachfolgende Bestimmung:

Was insbesondere die Reichsstadt Augsburg an-belangt, sind 7 Senatoren des geheimen Raths ausden Geschlcchterfamilicn zu wählen, wovon 2 die Prä-sidenten des Staates, Stadtpfleger genannt, sind, derEine ein Katholik (0.), der Andere ein dem augs-burgischen Glaubensbekenntnisse Angehöriger (H.. 0.);die übrigen 5 Nathsstcllen sind mit 3 0. und mit 2H.. 0. zu besetzen. Die Senatoren des kleinen Rathswie auch die Syndici, die Beisitzer des Stadtgerichtsund alle Beamte (otLeialss) sollen in gleicher Zahleiner der beiden Religionen sein. Der Nent- und Säckel-meister seien eS 3, wovon zwei der einen und derdritte der anderen Religion angehöre, und zwar so,daß im ersten Jahre 2 0. und 1 0. und im an-deren Jahre 2 0. und 1 0. die Stellen bekleiden

und in gleicher Weise wechselnd alljährlich. Die Zeug-haus-Aufseher, gleichfalls 3, lösen sich in derselbenOrdnung ab. Solches ist auch der Fall bei den Steuer-,Proviant-, Bau- und anderen Aemtern (olüsia), welchevon je 3 Personen versehen werden, dergestalt, wennin einem Jahre 2 Aemter wie das Rentmeister-,Proviant- und Bau-Amt 2 0. und 1 0. inne-

haben, eben selbigen Jahres 2 andere Aemter wieAufseher des Zeughauses und der Steuern 2 H.. 0.und 1 0. übertragen werden, künftigen Jahres aberbei diesen Aemtern anstatt 2 0. nun 2 H.. 0. undfür 1 0. dann 1 0. zu wählen sind. Aemter,

welche gebräuchlich einem Mann allein anvertraut wer-den, sollen nach Erforderniß der Sache entweder einoder mehrere Jahre unter den 0. und H.. 0. Bürgernumgewechselt werden, ganz in der Weise wie bei denvon 3 Personen verwalteten Aemtern so eben gesagtwurde ...... Kein Theil darf aber die in seiner

Religion liegende Macht zur Unterdrückung des anderenTheiles mißbrauchen oder mittelbar oder unmittelbarmit einer größeren Zahl die Würden der Stadtpfleger,des Raths oder aller sonstigen Aemter verstärken; washierin wann immer oder auf welche Art geschehen sollte,sei null und nichtig."

Jetzt ruhte das Schwert, dagegen arbeiteten emsigviele Federn für und wider die neuen Zustände. Es wareine besondere Erekutions-Kommisston eingesetzt, um dieFriedens-Bestimmungen in's Leben zu bringen, und dieAufgabe hiezu fiel den schwäbischen kreisausschreibendenFürsten, dem Herzog Eberhard von Württemberg und dem

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