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Bischof Johann Franz in Konstanz , zu, welche ihre Sub»delegirten hiefür bevollmächtigten und denen im Nothfalleder Arm des benachbarten Bayern zu Gebote stehen sollte.Um all das kümmerte sich der Rath in Augsburg nichtsin der Erwartung neuer politischer Wirren, welche denBoden wieder befestigen würden, den er unter den Füßenwanken fühlte. Davon machten die Herren auf demNathhause lediglich kein Geheimniß, nicht einmal demKaiser gegenüber. Sie vergaßen sich soweit, an die Majestätzu schreiben: „ein der bisherigen Verfassung unbekanntesPrinzip weder anzuerkennen noch einzuführen, daher dieSeelen verderbliche Parität, weil doch an dem Bestanddes Friedens zu zweifeln sei, niemals zugegeben werde,denn eine derartige Religionsgleichheit in weltlichen Dingenhabe im Normaljahr 1624 niemals bestanden." Als daherdie Subdelegirten am 19. Dezember in der Stadt ein-trafen, ließ sie der Rath unbeachtet, ungeachtet sie ihmohne Verzug ihre Ankunft förmlich anzeigten und etlicheTausend evangelische Bürger ihnen jubelnd entgegen ge-gangen waren. Erst die Mahnung Ferdinands III. , „demLostrumönto xavis nachzukommen und dem ausgegangenenEdikte sich zu bequemen", bewirkte den feierlichen Empfangder Gesandten am 26. Januar 1649. Allerdings wardabei keine Rede von der Eröffnung von Verhandlungen,allein die Bevollmächtigten hatten doch so viel erreicht,daß sie mit dem Domkapitel, den Geistlichen und Klöstern,sowie mit den Vertretern der milden Stiftungen undWohlthätigkeitsanstalten den Besitzstand für die Kirchenund Schulen vom 1. Januar 1624 aufnehmen konnten,wobei es freilich an Protestationen und Einreden mancherArt nicht fehlte. Nun sollte die Frage der Parität inAngriff genommen werden, und dabei wußte Dr. Leuxel-ring eine solche Menge von Bedenken und Zweifeln überden Begriff „Aemter" und „Dienste" vorzutragen, daßder Rath beschloß, in so lange auf nichts sich einzulassen,bis aus Wien eine Entscheidung erfolgt sein werde. Eswurde nämlich dorthin berichtet: „Bei der Aemtervertheilungxaritatis oausa, besteht eine ungleiche Meinung. Unter„anderen Aemtern und Diensten" will der evangelischeAusschuß alle und jede, auch die geringsten Dienste undDienstlein, die in der Zahl auf Hunderte hinauslaufen,sogar die Karrenzicher, Stubenheizer, Bürstenbinder, Kamin-kehrer u. dergl., verstanden haben, solche in die Paritätziehen und den halben Theil Katholische, so derselben zurZeit genießen, luotuoso ab larnantudili exomplo Kar-bon verstoßen; wir hingegen verstehen diese munaraxudlicm nur auf diese und zwar unterschiedliche Aemter,die den Obrigkeits- und Raths-Personen in ziemlich starkerAnzahl anvertraut sind. Dieser Verstand soll um so mehrPlatz greifen, als die Parität, welche in dieser Stadt solliutroäuoirt werden, im ganzen Reich nit Herkommens,niemals gehört, ganz ungebührlich, oäiosu, daher in all-weg zu restrivAiran (einzuschränken) und nit zu axtsu-äiran (auszudehnen) ist."
Der Ausschuß war nicht geneigt, dem einseitigenAusspruche über den Sinn eines Friedens-Artikels sichunterzuordnen, weßhalb er die noch in Münster versam-melten Fürsten und Stände anrief, die Exccution be-schleunigen zu lassen. Der Rath wünschte jedoch nicht dieEinmischung Bayerns in diesen Streitfall, der er dadurchzu begegnen hoffte, daß er nach München in ähnlicherWeise wie nach Wien berichtete, mit der Versicherung, erbeabsichtige keineswegs die Verzögerung der Verhandlungen.Kurfürst Maximilian, über die Umtriebe auf dem Rath-
hause wohl unterrichtet, ließ eine sehr ungnädige Antwortabgehen, deren Schlußsatz feinen Unwillen kräftig aus-drückte: „Obwohl ihr anregt, daß ihr Unser wegen euerhitzigen und unbescheidenen Anzüg beschehenes Nesentimentzu Verhütung Oblsos mit Stillschweigen übergehen wollt,so können Wir Uns jedoch damit nicht begnügen, sondernWir sind von euch einer mehreren und gebührenden Sa-tisfaktion gewärtig und versehen Uns beneben, ihr werdetdenjenigen passtonirten Concipisten, welche eine so spitzigeund unverschämte Feder führen, auch solche sogar in denletzteren Schreiben nicht gar moderiren können, eine mehrereund bessere Diskretion injugiren. Wir hätten auch wohlUrsache gehabt, euch mit einigem Schreiben oder Antwortnimmer zu würdigen, wie Wir dann Bedenken tragen.Unsere Registratur mit dergleichen LoartsAuen entehre»zu lassen, derowegen Wir befohlen, euch solche iv Original!zu remittiern."
Den hohen Herrn noch mehr zu reizen, wagte Nie-mand, denn er hatte in der Stadt 1226 Mann Infanterieliegen und es war kein Geheimniß, daß die Subdelegirtendes Wohlwollens des Commandanten Obersten Freiherr«von der Nöres in hohem Grade sich erfreuten.
Auch aus der kaiserlichen Kanzlei lief ein ernstlicherBefehl ein, „aller unzulässigen, im Friedensschlüsse ver-botenen und zu böser Konsequenz gereichenden Einredenund Exceptionell sich zu mäßigen". Es war demnach hoheZeit, wieder einzulenken und die militärische Exekutionabzuhalten, welche auch der evangelische Ausschuß nichtbeabsichtigte. Aus diesem Grunde und eingedenk der indem Frieden angedrohten Folgen allzuweit gehender An-sprüche trat er um so lieber von einigen Forderungenzurück, als der wegen fortgesetzter Nabulistereien bei denBürgern der Augsburger Konfession verhaßte StadtkanzlerDr. Leuxelring die erbetene Entlassungssignatur vom Ratheerhalten hatte.
Anstandslos vollzog sich jetzt die Mehrung der Ge-schlechter durch einige evangelische Familien, man verstän-digte sich über die Art der Besetzung der Kanzleiämterund der niederen Dienste, und ohne Aufregung in derBürgerschaft gingen die Wahlen von statten, eine zeit-raubende Arbeit, da bei 700 Personen ausgelesen werdenmußten, denn auch die Stadthandwerker, die Waaren-schauer und das Personal auf den Bestandgütern fiel inden Kreis der Parität. Die Beseitigung etlicher Anstündeblieb einer späteren Zeit vorbehalten.
Am 11. März 1649 wurde unter der Leitung derbeiden Stadtpsleger David Weiser der Aeltere, 0., undLeonhard Weiß, 0., die erste Nathssitzung nach derneuen Ordnung gehalten, welche Verfassung ohne Unter-brechung genau 157 Jahre in Kraft blieb, bis zum 3.März 1806, dem Tage des Ueberganges der Reichsstadtan die Krone Bayern .
Am 9. April verließen die letzten KommissareAugsburg .
In den evangelischen Kirchen wurde am 8. August1650 das erste Friedens- und Dankfest begangen, dassich jährlich wiederholte und allmälig zu einem gemüth-lichen allgemeinen Frcudentag der ganzen Bürgerschaftsich gestaltete, weßhalb auch die bayerische Landesdirektionvon Schwaben mittels Neskriptö vom 18. Juli 1806„das Toleranz- und Friedenssest" für die Zukunft bei-behielt.
Wie ließ sich nun die xaritag in xolitieis an?Die fremdartige, ebenso sehnlichst begehrte, wie leiden»