Ausgabe 
(2.2.1894) 10
Seite
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schaftlich bekämpfte Schöpfung erfüllte weder beim Ein-tritt in das praktische Leben, noch während ihres andert-halbhrmdertjährigen Bestandes die Prophezeiung des Dr.Heyder aus Lindau , welcher in ihr die Mutter der Ein-tracht erblickte. Freilich verlangte Niemand von ihr miteinem Zauberschlage den friedlichen Ausgleich aller Gegen-sätze, und man wunderte sich nicht, daß die aus den ein-flußreichen Stellen verdrängten Patrizier der Neuerungabhold waren und die in städtischen Diensten um einleicht verdientes Brod gebrachten Bürger grollten, alleinmit dem Absterben der einen Generation vererbten sichauf die nachfolgende alle Beschwerden und Unznträglich-keiten, ja sie vermehrten sich sogar in mitunter wunder-samen Formen. Und dabei wirkten verschiedene Ursachen mit.

(Schluß folgt.)

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Allerlei.

Ist die Zunahme der Nervosität ein charak-,teristisches Zeichen unserer Zeit? Ueber diese Frage sprachkürzlich der berühmte Nervenarzt Pros. Wilhelm Erb bei der diesjährigen Stiftungsfeier der Universität Heidel-berg. Da das Nervensystem, so führte der Professor,derFrkf.Ztg." zufolge, aus, die Grundlage der gesummtenLebensthätigkeit darstellt, so ist eS natürlich, daß alleEreignisse des Lebens es berühren müssen, und es konntenicht ausbleiben, daß die großen Umwälzungen im poli-tischen und wirthschaftlichen, im sozialen und religiösenLeben, im wissenschaftlichen und künstlerischen Strebeneinen starken Einfluß auf das Gemüths- und Geistes-leben der Menschen üben mußten. Die intensivsten undverbrettetsten Gruppen der Nervosität sind die Hysterie,welche auch unter den männlichen Individuen im Zunehmenbegriffen ist, die Hypochondrie, und vor Allem die Neur-asthenie. Eine organische oder anatomische Veränderungdes Nervensystems ist bei diesen Krankheitszuständennicht nachweisbar, sie stellen eine Abnormität dar, beiden beiden ersten Formen eine solche des Gemüthslebens,bei der Neurasthenie eine solche der Hirnarbeit. DieNeurasthenie, mit der sich Professor Erb eingehend beschäf-tigte, stellt er als eine besonders den gebildeten Klassenanhaftende Krankheit dar, entsprungen einer Ueberan-strengung bei geistiger Arbeit. Mit der Entwicklung derKultur in unserem Jahrhundert sind auch die Bedürf-nisse der Menschen außergewöhnlich gestiegen und derKampf ums Dasein erfordert die äußerste Entfaltungder Kräfte. So tritt eine Ueberbürdung des Geistesschon in der Mittelschule ein und wird noch gesteigertdurch die Lehrmethode einer mehr philologisch als päda-gogisch gebildeten Lehrerschaft; dabei ist die zum Aus-ruhen des Geistes und zur Entwickelung der körperlichenGesundheit nöthige Zeit viel zu kurz bemessen. Die Jugendwird frühzeitig schon den Genüssen des gesellschaftlichenLebens zugeführt, und diese bekomme immer mehr denCharakter einer Ueberreizung des Nervensystems. DieDichtkunst ist crassem Materialismus verfallen, die Musikist überlaut geworden, selbst die Malerei schreckt nichtdavor zurück, die häßlichsten Seiten des Menschenlebensuns unversöhnt vor Augen zu führen. Die Beschäftigungmit der Wissenschaft ist aufreibend geworden durch derenVerzweigung in Spezialitäten. Der Handeltreibende undIndustrielle ist den wechselvollsten Erregungen und Erschüt-terungen ausgesetzt. Zu den Aufregungen des Berufskommen noch die Hast des Lebens, die Ruhelosigkeit.

besonders des Reifens, hinzu, und vor Altem sind dieweitesten Schichten der Bevölkerung erfaßt von den Poli-tischen, sozialen, religiösen Kämpfen, welche sich, wie dasübertriebene Vereinsleben, bis in die kleinsten Gemein-schaften fortsetzen. Alle diese Aufregungen müssen ver-letzend auf den menschlichen Geist wirken, und da unserviclberufcncs firr äs srsels so überreich an diesenPsychi-schen Träumen" ist, so unterliegt es keinem Zweifel,daß die Zunahme der Neurasthenie eine Folge desmodernen Lebens ist, wenn auch die Nothwendigkeit einervon den Eltern ererbten Disposition, die sogenannteneuropathische Belastung, zum Zustandekommen der Neur-asthenie nicht geleugnet werden kann. Trotz alledemglaubt Professor Erb nicht, daß der Wunsch aufkomme,zur Lebensweise unserer Großcltern zurückzukehren; ersieht auch nicht zu schwarz in die Zukunft, als ob einNiedergang unserer Nation zu befürchten sei. Die Jndu-stricbevölkeruug erscheint ihm durch ihre Arbeitsart undLebensweise, sowie durch politische Aufregungen ebenfallsvon der Nervosität ersaßt, dagegen sieht er in der länd-lichen Bevölkerung und dem Mittelstände den Boden,von dem aus der heutigen Gesellschaft immer wiederneue Kraft zugeführt werden muß. Vor Allem aber seies nöthig, daß eine besondere Hygiene des Nervensystemssich entwickele, welche in erster Linie die Erziehung derJugend ins Auge fasse.

Ich gkattöe.

Du tröstest Dich? so frug mich jüngst ein Spötter,

Du tröstest Dich, wie ist es möglich doch?

Dein liebstes Kind, Dein Stolz und Deine Freude,

Es ward des kalten, starren Todes Beute;

Und Du, Du lebest noch?

Ich lebe noch, ich tröste mich, ich glaube,

Sein letzter Gruß, er galt auf ewig nicht.

Ein Engel, wartet er jetzt seiner Lieben,

Die noch in diesem Jammerthal hienieden,

Sie cinzusühr'n zum Himrnelölicht.

Leb' wohl, leb' wohl, mein süßes Kind, ich hoffeAuf nahes Wiederseh'n in bess'rcr Welt.

WaS, mir verborgen noch, Dein Auge schaut,

Was über jenem Sterncuhimmel blaut,

O sag' der Mutter, wie es Dir gefällt!

Logogryph.

Du findest mich bei Baum und Strauch,Zuweilen dann im Gasthaus auch.

Und bist Tu klug, weißt Tu auch dann,Daß ich fünf Köpfe tragen kaun.

Fünfmal verschieden ist mein Sinn:

Bold zieh' ich über'm Wasser hin,

Bald drück' ich Deinen Rücken nieder,Bald auch lab' ich die müden Glieder,Bald bin der Eile ich verwandt,

Bald reicht der Wirth mir froh die Hand.

Auflösung des Nätbsels in Nr. 8:

Augsburg

Ungarn

Gruenan

Sekondclieutel-ant

Brindisi

Urkunde

Residenz

Goetzendienst

Eskimo

Ncalp

Augsburger Postzeitung---