Ausgabe 
(6.2.1894) 11
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es ihm seine Mittel erlauben, setzt er seine Gebetcylindermit einem Wind- oder Wasserrade in Verbindung undläßt durch dieses sinnreiche Mühlwerk den Verkehr mitden Göttern in der bequemsten und ausgiebigsten Weisebesorgen. In beschaulicher Ruhe sieht der Glückliche aufdas Werk der willig frohnenden Naturkräfte, die da denWeizen seiner irdischen und himmlischen Seligkeit mahlenund ihn in den friedlichen Schlummer des Gerechten klappern.

Um den Gläubigen noch weitere Gelegenheit zu geben,seine Andacht zu verrichten, sind an den Straßen hoheSäulen aufgestellt, an welchen kleine, mit der Gebets-formel beschriebene Räder angebracht sind. Außer diesenSäulen findet man, meist in der Nähe von Quellen undkleineren Kapellen, riesige Stangen, welche an ihrer Spitzebreite Papierlampions und darunter lange schmale Flaggenaus weißem mit der Gebetsformel bemaltem Baumwoll-stoff tragen, die fortwährend vom Winde bewegt Tagund Nacht für das Wohl der braven Tibeter beten.

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Zu unseren Bildern.

Adolf L'Arronge

kennt wohl jeder Theaterbesucher.Mein Leopold",Hasemann'sTöchter",Doctor Klaus" rc. find Repertoirestücke aller gutenBübnen. Und doch war L'Arronge ursprünglich nicht zum Dra-matiker bestimmt. Sein Vater war der Theaterdirektor undSchauspieler E. Th. L'Arronge in Hamburg . Derselbe schickteseinen am 8. März 1838 geborenen Sohn auf das LeipzigerKonservatorium, und Adolf war so glücklich, alsbald als Theater-Capellmeister in Köln, Königsberg, Würzburg, Stuttgart u'w.sein Können verwerthen zu dürfen. 1866 übernahm er die Di-rektion der Kroll'schen Oper in Berlin und schrieb hier seineerste PosseDas große Loos". L'Arronge leitete auch eine Zeitlang dieBerliner Gerichtszeitung", zog dann nachmals nachBreslau und lebt seit 1878 in Berlin . Von seinen zahlreichenTheaterstücken ist das VolksstückMein Leopold" das bekannteste.

Schwarz und Weiß.

Der schwarze Geselle auf unserm Bilde, der junge Kamin-feger, ist doch ein recht übermüthiger Bursche. Der Konditor-lehrling mit der frischgebackenen Torte scheint ihm just zu gele-gener Zeit in die Quere gekommen zu sein! Was thut derSpaßvogel nicht? Schnell fährt er mit dem rußigen Fingerin das süße Gebäckwerk; der propre Junge mit dem Milchgesichtist darob nicht wenig erbost; fast möchte er dem Bösewicht Einsversetzen! Wie derKameruner" lachen kann, während derWeiße"schier Thränen vergießen will ob der erlittenen Unbill.-

Allerlei.

Ueber die Behandlung der Seekrankheit giebtdie soeben zur Ausgabe gelangte Sanitätsordnung fürdie deutsche Kriegsmarine folgende Vorschriften:In denmeisten Fällen wird die Seekrankheit allmählich durch Ge-wöhnung überwunden, bei schwächlicher Körperanlage undbei vorhandenen Organleiden des Magens können jedochdurch schwere Verdauungsstörungen und das heftige un-stillbare Erbrechen bedenkliche Zustände herbeigeführt werden.Zur Vorbeugung empfiehlt sich der anhaltende Aufenthaltauf Oberdeck, besonders mitschiffs, und die fortgesetzteThätigkeit in frischer Luft unter Anspannung der Willens-kraft, auch der Genuß von kleinen Mengen leicht verdau-licher Nahrungsmittel und von Alkohol ist trotz des be-stehenden Widerwillens zweckmäßig. In schweren Fällenist die Rückenlage am besten in der Hängematte und beigeschlossenen Augen dienlich, bis größere Gewöhnung odermäßigere Bewegung des Schiffes eingetreten ist. Gegendas anhaltende heftige Erbrechen erweisen sich Eis, geeiste

Getränke (Selterswasser mit Kognak) und narkotischeMittel als zweckdienlich."

*

Gladstone ist stets stolz auf seine rein schottischeAbstammung gewesen. Aber selbst seinen eifrigsten Ver-ehrern war es neu, daß der greise Staatsmann vonniemand Geringerem abstammt, als von dem von Macbeth ermordeten schottischen König Duncan. Die Kunde kommtvon dem schottischen Städtchen Dingwall, dem Geburtsortder Mutter Gladstones, das den Premier zum Ehren-bürger ernannt hat. Gladstone stammt nämlich nurmütterlicherseits von Duncan. Die HochlandfamilieRobertson die Gladstone's waren eine Unterlandfamilie ist eigentlich der Clan Donachie und dieser stammtvon Duncan, durch den Sohn des letzten keltischen Earlsvon Atholl. Der Dingwaller Genealoge sagt sogar,daß Gladstone nicht nur von der älteren Linie derschottischen Monarchen, sondern von den berühmtestenund mächtigsten alten keltischen Fürsten, den Lords vonKintail und Eilean Douan, seine Herkunft ableiten könne.

* Die Kaiserin von China hat eine lang andau-ernde Krankheit überstanden, dabei wurde sie von nichtweniger als 423 Aerzten behandelt, welche, wie dasPekinger Amtsblatt berichtet; mit reichen Geschenkenbedacht wurden. Diese Krankheit der Kaiserin rief beiden Alt-Chinesen Aussprüche des blödesten Aberglaubenshervor. Sie behaupteten nämlich:Die lange Dauerder Krankheit Ihrer Majestät der Kaiserin habe dieEisenbahn verschuldet, derenRauch und Lärm dieGötter höchst unangenehm berühre." Diesem Aberglaubentrat nun ein Regierungs-Erlaß entgegen, darinnen wohldem Buddha Wisch nu für die Genesung der Kaiseringedankt, zugleich aber auch ausgesprochen ist,daßdie Fortschritte der Wissenschaft dem Wohle desReiches keineswegs zum Schaden gereichen."

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Schachaufgabe.

Von I. Plachutta.

Schwarz.

Weiß zieht an und setzt mit dem 4. Zuge matt.

Auflösung des Bilder-Rätbsels in Nr. 9:

» Folterkammer.

Auflösung des Logvgryphs in Nr. 10:

Ast, Mast, Last, Last, Rast, Hast, Gast.

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