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der Medicinalrath Hagen zu Königsberg i. Pr. aberfeierte am hl. Weihnachtsabend 1849 seinen 100. Geburts-tag, ohne an's Sterben zu denken.
Werfen wir nun die wichtige Frage auf: wie unddurch welche Mittel oder Geheimmittel man sich wohl ambesten conservirt, so sind bis heutigen Tags darüber leiderdie Gelehrten nicht recht einig, ausgenommen, daß Gelehr-samkeit selbst das beste Medicament sein soll für die Kunst:alt zu werden. Ein Blick in's Conservations-, xaräon!— Conversations-Lexicon beweist allerdings die erfreu-liche Thatsache, daß Denken und Dichten jung zu erhaltenscheint; im Uebrigcn gilt Mäßigkeit als die erste Alters-pflicht!
Lrooooli, 2ooooIi 6 ^esta, arrläa!"(„Hoheit, Kohl, Holzpantoffeln und etwas auf dem Kopfe!")gab ein lOOjähriger Mann aus dem Volke, ein Italiener-greis, dem Großherzog Leopold von Toscana zur Ant-wort, als dieser ihn nach dem Geheimniß seiner unver-welklichen Jugendfrische fragte. — Der französische Schrift-steller Fontenelle dagegen, der 1757 fast lOOjährig starb,soll durch seine alljährliche sommerliche Erdbeerkur ver-jüngt sich haben, während der Gras von St.-Germain,gest. 1759, es gar — nach seiner eigenen Behauptungwenigstens — bis auf 350 Jahre gebracht haben will,mit Hilfe seines sogen. „Lebensverläugerungs-Thees l" —Die einfachste Conserve für Jugendfrische dürfte aberwohl unstreitig jener spanische Kaufmann erfunden haben,der 1847 zu Madrid mit 103 Jahren und der kühnenBehauptung sein Leben beschloß: „er verdanke seineElasticität und Munterkeit allein dem glücklichen Um-stände, daß er seit 86 Jahren täglich 4 Stunden —die Zeitungen gelesen hätte!" — l?rol>aturu osb! —
Auch die Schicksalsfrage: „wo denn eigentlich diemeisten und seltensten Altersfrüchte condensirt werden?"ist schon häufig ventilirt worden. — Im Allgemeinengelten die kältern, nördlicher gelegenen Gegenden Europa's ,besonders Großbritannien, Skandinavien, Rußland ,als die wohlwollendsten Gönner und Freunde hohenMenschen - Alters. — So soll in Rußland , authentisch-ministerieller Statistik zufolge, z. B. der Jahrgang 1840mit 479 Glücklichen von 105 Jahren und darüber ge-segnet gewesen sein, — darunter zwei AlterS-Veteranenvon 145 Jahren. — Auch in Schweden können Leutevon 100—120 Jahren keinen Anspruch darauf erheben,besondere Raritäten vorzustellen, in Norwegen aber sollen100jährige Männer vorkommen, deren Piedcstal noch sobeneidenswerth gelenkig ist, daß sie sogar ein Tänzchenwagen dürfen. — Aehnliches erzählt man von der iri-schen Gräfin Desmond, die nach dem 100. Geburtstag nocham Tanze sich betheiligte und um ihrem heitern, unter-nehmungslustigen Temperamente ihr „verfrühtes" Endezuzuschreiben hatte, indem sie anno 1609 mit 145 Jahrenvom — Apfelbaume stürzte, dessen Früchte sie eigenhändigbrechen wollte!
Trotzdem produciren auch heiße, südliche Gegendenzuweilen seltene Altersblüthcn. — Brasilien z. B. zeitigtHundertjährige und darüber, und im Lande der Chinesen,dem Eldorado des Alters, wo man den Jubilaren Ehren-pforten errichtet und eigene Gesetze zur Ehrung derselbenbesitzt, ergab eine Alterszählung, die der Beherrscheraller Zöpfe im himmlischen Reiche der Mitte 1784 or-donnirte, das schöne Resultat von 192 Menschen, die5 Generationen er- und überlebt hatten. — Wer abergern besonders alt werden oder besondere Methusalems
bewundern will, der muß nach Berber in Perfien seineSchritte lenken, wo dauerhaft-ausdauernde Erdenpilgervon 100 Jahren gar nichts zu bedeuten haben, Zwei-hundertjährige aber gar nicht einmal eine Kuriosität sei»sollen. —
Auch der heitere Himmel Griechenlands war vonjeher bekannt und renommirt dafür, so Manchem einpaar Dutzend Jährchen über den gewöhnlichen Etat nochzuzugeben, — ebenso fern im Süd das schöne Spanien ,wo die heiße Sonne manchen Neunzig- oder Hundert-jährigen mit den schattigen Kastanien um die Wette reiftund von kühnen alten Jünglingen erzählt wird, die mit80 Jahren noch gar grimme Bärenjäger sind, ohne daßman befürchten müßte: diese „Jagdgeschichte" binde einemeinen Bären auf! — Natürlich will die „§ranäs vation"um keinen Preis zurückstehen, sondern behauptet, daß selbstgegenwärtig Frankreich noch durch über 200 Hundert-jährige — 145 Frauen und 64 Männer — excellire,folglich sogar dem gesegneten Jahrgang 1886 „über"sei, allwo der amtliche AuSweis nur 191 geliefert habe.Allerdings dürfte ein großes Fragezeichen hier sehr amPlatze sein, denn in Wahrheit schrumpften diese 191von 1886 bei etwas näherer Betrachtung auf 80 dazu-mal zusammen, worunter über die Hälfte — die „bessereHälfte" war. — Jedenfalls ein Unicum in oen Annalender Geschichte, daß sich Frauen — „älter" machen. —
Sehen wir uns schließlich mit berechtigter Wiß-begier nach dem historischen „Alters-Präsidenten" christ-licher Zeitrechnung um, dessen Personalien der Mit- undNachwelt überliefert wurden, so ist wohl als der Nestoraller Nestoren der Amerikaner G. T. Rowley zu be-trachten, der zu Anfang der fünfziger Jahre mit seinen187 Lenzen noch fröhlich und vom Tod vergessen indiesem Jammerthals weilte, als Sieger über seine beide«früheren „Concurrenten", den Schotten Kentigern undden Ungarn Petracz Ezarten, die „nur" 185 Jahre altwurden.
Ein höheres Resultat wird auch der „Congreß derGreise", der voriges Jahr im Trocadero zu Paris tagte,trotz Prämien und Preisen kaum ergeben haben!
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Brm Schlangen lind wilden Thieren am CongoMd in Indien.
. 0. Was die Europäer und besonders unsere
Missionäre von den Reptilien und wildem Gethier intropischen Ländern alles auszustehen haben, darüber wurdein diesem Blatte schon berichtet (namentlich in „Dieafrikanischen Plagen"). Welche Gefahren überhaupt dieseBestien für den Menschen haben, dafür wollen wir imNachstehenden zwei neue interessante Belege bringen.
I. Eine angenehme Gesellschaft. Nach dendoppelt heißen Tagcsmühen hatte ?. Garmyn, Mis-sionär auf der Station „Berghe Samt Marie" (belg.Congogcbiet) sich zur Ruhe begeben. Er schlief alleinin einer Kammer. Plötzlich stieß er den Angstruf aus:„Hier sind Schlangen!"-Eine angenehme Gesell-
schaft. Seine Brüder, in einem anderen Schlasgemach,hörten den Angstruf, und man entgegnete ihm: „Bah,das sind Enten, die eine Nachtpromenade machen." —„Was, Enten? Ich werde doch das Schnattern derEnten vom Zischen einer Schlange unterscheiden können!"— „Nun, dann ist es das Huhn." — „Ich sage Ihnen,